Kapmalaiischer Kochkurs bei „Lekka Kombuis“

Samosas und Chili Bites

Im vorherigen Beitrag habe ich euch ja über unsere Elternzeit in Südafrika berichtet. Ein sehr persönlicher Beitrag, in dem es ausnahmsweise mal nicht ums Essen ging. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht die Chance genutzt hätte, während unsers Aufenthalts die südafrikanische Küche kennenzulernen 😉 . Genauer gesagt die kapmalaiische Küche.

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Elternzeit in Südafrika

„Da ist ja gar keine Stecknadel in Afrika!“, meinte unsere Hebamme bei ihrem ersten Haus-Besuch. Wir standen gemeinsam vor der großen Weltkarte in unserem Flur und waren etwas wehmütig, dass größere Reisen in Zukunft erst mal nicht möglich sein würden. „Das ist doch das ideale Reiseziel für die Elternzeit!“, unterbrach Marina unsere Gedanken.

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Fleischklopse nach Lily Brett

Fleischklopse nach Lily Brett

Wie es dazu kommt, dass ich ein Fleischklopse – Rezept von Lily Brett auf meinem Foodblog veröffentliche, habe ich im vorherigen Beitrag ja ausführlich beschrieben.

Wer den Roman „Chuzpe“ der jüdischen Autorin liest, bekommt am Ende unweigerlich Appetit auf Fleischklopse: Ob „Truthahn- und Bratwurst-Klops, Klops aus Kalbsfleisch und Rindfleisch, Klops aus Kalbsfleisch, Kartoffeln und Kielbasa, Bolognese-Klops, Huhn- und Bratwurst-Klops, reine Hühnerklops, Rindfleisch-Kielbasa-Klops oder Schweinefleisch-Sauerkraut-Klops“ zählt Edek im Buch das Klops-Angebot auf, das für ihr Restaurant geplant ist.

Aber der Reihe nach:

Protagonistin des Buches ist Ruth. Ruth ist 54 Jahre alt und lebt in New York, wo sie erfolgreich ihre eigene Firma führt. Einen Briefeservice: Sie schreibt Briefe in anderer Leute Namen. (Die Story um diese Briefe-Firma und die kleinen Geschichten aus dem Alltag von Ruth an sich sind schon herrlich zu lesen!). Vor wenigen Wochen ist ihr Vater Edek mit seinen 87-Jahren von Melbourne nach New York gezogen und macht seiner Tochter nun das Leben schwer, indem er Ruth in ihrer Firma unterstützen will. Ruth hat, wie soll man sagen…, sehr genaue Vorstellungen vom Leben und die Einmischung ihres Vaters in ihren Job passt ihr so gar nicht.

Im Laufe des Romans, in dem man Ruth und ihren Vater und die Eigenarten der beiden immer besser kennenlernt, interessiert sich Edek nun immer weniger für die Firma seiner Tochter. Zum Ärger von Ruth, oder besser gesagt zu ihrer Verwunderung, tauchen plötzlich Zofia und ihre Freundin Walentyna in New York auf. Zwei Polinnen Ende 60, die Edek auf einer Reise in Warschau kennengelernt hatte. Und überhaupt erkennt Ruth ihren Vater seitdem die beiden da sind, kaum wieder, bittet er sie neuerdings um Geld (viel Geld…), interessiert sich für Mietpreise und redet immer häufiger über polnisches Essen. Der Leser ahnt schnell, was dahinter steckt: Edek möchte mit Zofia und Walentyna ein Restaurant eröffnen. Ein Restaurant, das polnische Klopse serviert.

Von den kritischen Anmerkungen und Sorgen seiner Tochter lässt Edek sich nicht beirren, während Ruth eifrig recherchiert, wie wahrscheinlich die Niederlage des Restaurants sein wird. Natürlich kommt es genau anders, ihr ahnt es: Das Restaurant wird der Renner in New York!

Die Geschichte über das Klops-Restaurant an sich finde ich schon schön erzählt, sie bringt mich zum Schmunzeln, an einigen Stellen musste ich laut lachen. Aber richtig fasziniert bin ich vom Schreibstil von Lily Brett. Sie schreibt unheimlich klar, pointiert, offen und witzig, einerseits sachlich, dann doch wieder etwas blumig. Sie kommt immer wieder vom Kern dessen, was sie erzählen will ab und aus diesen Abschweifungen entwickeln sich neue Geschichten. Es wirkt, als schreibe sie eher um des Schreibens Willen, als mit der Absicht, ein Buch für Leser zu schreiben. Vielleicht auch, um durch das Schreiben ihre Erinnerungen an das Erlebte ihrer Eltern zu verarbeiten? Ihre Romane enthalten viele autobiographische Elemente. Ihre Eltern haben Auschwitz überlebt, von ihren Verwandten hat niemand das Konzentrationslager überlebt. Das Kind von Auschwitz-Überlebenden zu sein, scheint Lily Brett stark geprägt zu haben, Hinweise darauf findet man in vielen ihrer Geschichten: zum Beispiel achten ihre Romanfiguren obsessiv darauf, nicht zu dick zu werden (Lily Brett ist sehr zart, fast mager). Im Lager sei „dicken“ Menschen nachgesagt worden, dass sie anderen die Mahlzeiten „wegessen“. Sie erzählt vom Holocaust ohne Pathos, mit ein bisschen Galgenhumor, einer Mischung aus Tragik und Komik.

Ich könnte noch seitenweise weiter schreiben, aber vielleicht macht ihr euch am besten selbst ein Bild von der Autorin – angefangen mit dem Rezept für Rindfleisch-Kielbasa-Klops, wie sie im fiktiven Klops-Restaurant serviert werden.

Eure Julia

Rezept für Rindfleisch-Kielbasa-Klops mit Apfel-Tomaten-Sauce
(für ca. 5-6 große Klops)

Für die Fleischklops:
300g Rinderhack
100g Kielbasa*
1 Zwiebel
1 EL Paniermehl
1 großes Ei
Salz, Pfeffer
Olivenöl

* Kielbasa ist polnisch für Wurst. Um welche Art von Wurst es sich genau handelt, schreibt Lily Brett leider nicht. Aber zum Glück habe ich zwei Arbeitskolleginnen, die aus Polen kommen, und mir ein paar Tipps gegeben haben. Ich habe mich schließlich für Krakauer entschieden und, weil ich beim Recherchieren feststellte, dass Wurst in Polen scheinbar häufig mit Wacholderbeeren und Knoblauch gewürzt wird, von beidem jeweils etwas hinzu gemischt (1 Zehe Knoblauch, 1 zerstoßene Wacholderbeere)

Für die Sauce**:
1 Apfel (z. B. Breaburn)
5 Tomaten
1 Zwiebel
½ daumendickes Stück Ingwer
1-2 EL Rosinen (mag ich nicht, hab’ stattdessen getrocknete Pflaumen genommen)
1 EL Essig (z.B. Apfelessig)
1 EL Senf
1 TL Zucker
Salz, Pfeffer
Olivenöl zum Anbraten

3 EL Sahnemeerrettich

** Das Rezept für die Sauce taucht im Buch als solches nicht auf. Walentyna beschreibt aber, wie Zofia die Sauce zubereiten, daran habe ich mich bei dem Rezept orientiert…

Die Fleischklopse zubereiten:

Die Wurst so fein wie möglich hacken.

Die Zwiebel schälen und fein würfeln.

Das Hackfleisch mit der Wurst, der Zwiebel, dem Paniermehl dem Ei, etwas Salz und ordentlich Pfeffer gut vermengen und gut durchkneten.

Aus der Masse Bällchen in Tennisball-Größe (etwas kleiner) formen.

Ein Backblech dünn mit Olivenöl bestreichen und die Klopse darauf verteilen.

Im vorgeheizten Backofen bei 190 Grad etwa 30-40 Minuten backen.

Die Soße zubereiten:

Die Tomaten waschen, den Strunk entfernen und klein würfeln.

Den Apfel waschen, entkernen, entstielen und klein würfeln.

Die Zwiebel schälen und fein würfeln.

Den Ingwer schälen.

Die Zwiebel in etwas Olivenöl anschwitzen. Die Tomatenstücke, die Apfelstücke und die Rosinen (oder alternativ die fein gehackten Dörrpflaumen) hinzugeben. Den Ingwer in die Soße reiben, den Essig und den Senf hinzufügen und das Ganze bei kleiner Hitze und ohne Deckel einkochen lassen bis das Wasser verdampft ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Soße auskühlen lassen und in ein kleines Schälchen füllen.

Den Sahnemeerrettich ebenfalls in ein kleines Schälchen füllen.

Die Fleischklopse heiß, zusammen mit den Soßen servieren.

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Meine Begegnung mit Lily Brett

Lily Brett Chupze mit Autogramm
Premiere auf Löffelgenuss! Ich stelle euch heute ein Buch vor, das kein Kochbuch ist. Aber ich muss euch einfach von diesem Buch erzählen! Es geht um den Roman „Chuzpe“ von Lily Brett. Und in dem dreht sich alles um Fleischklopse: Edek, der 87-jährige Vater von Ruth, der Protagonistin des Romans, will mit seiner neuen polnischen Liebe Zofia in New York City ein Restaurant für Fleischklopse eröffnen.

Aber halt, bevor ich starte, muss ich euch von meiner Begegnung mit der Autorin Lily Brett erzählen. Eine etwas längere Geschichte…

Vergangenes Jahr hatte ich das Glück, im Rahmen der Lit.Cologne zur Lesung von Lily Brett eingeladen zu sein. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von der Autorin zwar schon gehört, aber noch keines ihrer Bücher gelesen hatte. Was für ein Fehler! Kurz vor der Lesung hatten wir uns daher ihr neuestes Buch besorgt: „Immer noch New York“. (Passte auch deswegen gut, weil New York für uns eine ganz großartige Stadt ist. Warum wir das meinen, könnt ihr hier und da nachlesen.)

Ich Schussel hatte vergessen, das Buch für ein Autogramm zur Lesung mitzunehmen und so habe ich im Foyer des Veranstaltungsraums spontan eine Paperback-Version von „Chuzpe“ gekauft. Während ich mit einer Freundin etwa 30 Minuten in der Schlage wartete, überlegte ich mir, ob ich Lily Brett fragen könnte, was ihr Lieblingsrezept sei. Gesagt, getan. Sie blickte überrascht von „Chuzpe“ auf und meinte nach einer kurzen Pause „Meatballs“. Ich war ein bisschen konsterniert. Fleischbällchen?!? Erst zu Hause, nach der Lektüre von „Chuzpe“ habe ich festgestellt, dass das einfach nur eine logische Antwort war. Denn in „Chuzpe“ geht es genau darum: Fleischklopse. Ich hätte sie gerne noch viel mehr gefragt, vor allem, weil sie auch in „Immer noch New York“ so viel übers Kochen und Essen schreibt. Und weil sie auf eine Zuschauerfrage am Ende der Lesung antwortete, dass sie bei Schreibblockaden gerne in die Küche gehe und was koche.

Zuhause reifte in mir dann die Idee, Lily Brett hier in meinem Blog vorzustellen – am liebsten natürlich mit einem persönlichen Interview und einem „Geheimrezept“. Voller Euphorie schrieb ich ihr eine Email. Und bekam keine Antwort. Dabei bin ich eines Feierabends extra in die Agneskirche gefahren, um dort ein paar Fotos zu machen und ihr zu schicken. Denn auf der Lesung meinte Lily Brett auf die Frage, welcher Ort ihr in Köln am besten gefalle: die Agneskirche (und an der fahre ich nun mal jeden Tag vorbei). Enttäuscht ließ ich den Gedanken, die Autorin hier vorzustellen, fallen. Ich schätze, meine Email wurde nie an Lily Brett weitergeleitet (ich hatte im Netz nur einen Kontakt zu ihrer Literatur-Agentin gefunden…).

Als wir im Sommer noch einmal in New York waren und in dem großartigen jüdischen Delikatessenladen „Russ and Daughters“ einkauften, im East Village, in dem auch Lily Brett wohnt, hoffte ich natürlich (total abstrus!), ihr zu begegnen. Immerhin erzählt sie in „Immer noch New York“ von ihren täglichen Spaziergängen durch das Village. Ich habe sie natürlich nicht getroffen. Aber zumindest kam der Gedanke wieder, dass ich mich weiter mit dieser Autorin beschäftigen muss.

Zurück in Köln nahm ich also noch einmal meinen letzte Ehrgeiz zusammen und schrieb sie diesmal persönlich über Facebook an (sie ist recht aktiv auf Facebook und ich lese ihre spannenden Alltagskommentare sehr gerne).

Und siehe da!! Ich hatte nicht mit einer Antwort gerechnet, aber zwei Tage später blinkte es rot in meinem Facebook-Messanger. Der wies mich darauf hin, dass ich eine Nachricht von Lily Brett hatte! Oh Mann, war ich aufgeregt! Auch wenn ich leider keine Antwort auf meine viele Fragen erhielt, freute ich mich doch sehr über diese kurze persönliche Nachricht: Lily Brett hat sich für die Fotos bedankt und gemeint, dass sie leider gerade keine Zeit habe, meine Fragen zu beantworten. Und überhaupt, seien sie sehr schwer zu beantworten (was mich natürlich unlogischerweise freut, habe ich mich doch sehr bemüht, keine Nullachtfünfzehn-Fragen zu stellen). Und schließlich hat sie auf meine Frage nach ihrem Lieblingsrezept doch etwas preisgegeben: „When I cook, I rarely use a recipe. I gauge the quantities of the different ingredients I need as I cook. I also tend to do this visually instead of using a weighing scale. Hope that helps.“

Soviel zur Vorgeschichte. Im nächsten Beitrag stelle ich euch dann ihren Roman „Chuzpe“ vor und dazu gibt es natürlich auch ein Rezept für Fleischkolpse. 😉

Heute mit literarischen statt kulinarischen Grüßen
Eure Julia

Eine Ode an den Blumenkohl!

Blumenkohl

Blumenkohl bis zur Unkenntlichkeit zerkocht, serviert in einer schweren, fast geschmacklosen Sahnesoße, garniert mit geröstetem Paniermehl. Wenn ich an Blumenkohl denke, muss ich immer an dieses Rezept meiner Oma Ella denken. Das gab’s häufig, wenn wir als Kinder zum sonntäglichen Mittagessen eingeladen waren. Hübsch angezogen saßen wir drei Mädels brav neben der rustikalen Eiche-Wohnwand mit den Bergbau-Devotionalien von Opa Walter.

Ihr vermutet jetzt sicher, dass ich das nicht mochte. Falsch!! Herr Löffelgenuss rollt bei der Beschreibung dieses Ruhrgebietsrezeptes mit den Augen und ich konnte ihn bis vor kurzem nicht dazu bewegen, das mal zu probieren. Dabei ist es ein echtes Soul Food Essen! Herrlich cremig und einfach.

Überhaupt ist das Thema Blumenkohl ja – so mein Eindruck – ein eher heikles. Auf Speisekarten außerhalb von gutbürgerlichen Stuben liest man das eher selten. Warum eigentlich, frage ich mich? Hat das Gewächs doch einen so schönen Namen (Blumen!) und sieht auch noch so hübsch aus (siehe oben)! Da muss es doch ein Rezept geben, mit dem man seine Schönheit feiern kann. Gibt es! Zum Beispiel mit Blumenkohlröschen, die im Backofen überbacken werden. Wunderhübsch! Außerdem schmeckt Blumenkohl einfach richtig gut, wenn man ihn nur richtig zubereitet und mit den richtigen Zutaten kombiniert.

Und als ich so vor mich hin überlegte, kamen mir weitere tolle Rezeptideen mit Blumenkohl in den Sinn, die ich euch gerne in einer Rezepte-Reihe vorstellen möchte. Ich hoffe, ich kann den ein oder anderen Blumenkohl-Skeptiker überzeugen. 😉

Und, wie haltet ihr es mit Blumenkohl? Überfallen euch bei dem Gedanken gruselige Kindheitserinnerungen oder esst ihr gerne Blumenkohl (wenn ja, wie am liebsten?). Ich bin gespannt auf eure Reaktionen!

Eure Julia

 

* Die mit Sternchen markierten Gerichte stehen noch auf meiner „To cook-Liste“, mein Verlangen nach Blumenkohl ist nun erst mal gestillt – es sei denn, ihr wollt unbedingt eines der oben genannten Rezepte haben…
** Diese beiden Rezepte sind schon älter, passen aber auch gut in die Rezepte-Reihe.