Kapmalaiischer Kochkurs bei „Lekka Kombuis“

Samosas und Chili Bites

(for English version see below)

Im vorherigen Beitrag habe ich euch ja über unsere Elternzeit in Südafrika berichtet. Ein sehr persönlicher Beitrag, in dem es ausnahmsweise mal nicht ums Essen ging. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht die Chance genutzt hätte, während unsers Aufenthalts die südafrikanische Küche kennenzulernen 😉 . Genauer gesagt die kapmalaiische Küche.

Nach einer kleinen Recherche habe ich mich für einen Kochkurs bei „Lekka Kombuis“ entschieden. Gamidah bietet in ihrem Haus in Bo-Kaap (einem wundervollen Viertel in Kapstadt) einen Koch-Workshop an, in dem sie einen Einblick in die kapmalaiische Küche gibt. Es ist ein privater Kochkurs, man vereinbart einfach per Email einen Termin mit ihr und kocht dann gemeinsam mit ihr in ihrer Küche, ohne weitere Teilnehmer. Die Rezepte, die man nachkocht, sind Familienrezepte und typisch für die kapmalaiische Küche.

Kochkurs in Kapstadt

Ich muss zugeben, dass ich etwas nervös war. Wir waren vor ein paar Tagen gerade mal in Südafrika gelandet und schon ging es erste Mal nach Kapstadt. In eine fremde Wohnung. Um zu kochen. Mit Theo! Unsere Hoffnung war, dass Theo das verschläft. Im Zweifel wollte mein Mann eine Runde mit ihm um den Block drehen.
Aber manchmal kommt ja alles anders: Als Gamidahs Tochter von der Schule nach Hause kam und Theo sah, nahm sie ihn direkt in Beschlag. Theos erster Babysitter. 12 Jahre alt, englischsprachig. Win-win würde ich sagen. Theo hatte offensichtlich Spaß, der Babysitter auch und wir konnten uns ganz den Rezepten und Geschichten dazu widmen.

Kochkurs bei Lekka Kombuis

Folgende Rezepte hatte Gamidah für uns rausgesucht: Roti (ein dünnes, ungesäuertes Fladenbrot), ein Hähnchen-Curry, Chili Bites (frittierte Bällchen aus Kichererbsenmehl) und Samosas (gefüllte Teigtaschen). Mein erster Eindruck: erinnert mich an die indische Küche. Da lag ich gar nicht so falsch. Gamidah erzählte, dass die ersten Sklaven, die die holländischen Kolonialherren ans Kap brachten, aus Indien, Indonesien, Malaysia und anderen südostasiatischen Ländern kamen. Natürlich brachten sie auch ihre Rezepte mit. Das war in den 1650er Jahren, also ziemlich lange her. Im Laufe der Jahre haben sich die Rezepte gewandelt: Zutaten sind hinzugekommen oder wurden weggelassen, andere Methoden der Zubereitung wurden ausprobiert etc. Geprägt ist die Küche vor allem von muslimischen Einflüssen.
Meine Neugier war geweckt: Ich wollte mehr über die kapmalaiische Küche wissen und kaufte mir im Anschluss an den Kochkurs in einem Laden um die Ecke kurzerhand ein Kochbuch („Bo-Kaap Kitchen“) und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Hörte sich nach einer wahnsinnig leckeren Küche an, die viele unterschiedliche Einflüsse in sich vereint (dazu später mehr).

Unsere selbstgemachten Samosas waren (natürlich 😉 ) die leckersten, die wir in Südafrika probiert haben (und wir haben gefühlt ständig Samosas gegessen…). Die Chili Bites fand ich auch richtig toll. Das Hähnchen-Curry schmeckte nicht sehr anders als die Currys, die ich bisher schon gegessen habe, aber lecker war es dennoch. Gegessen haben wir mit den Händen bzw. mit dem Roti: Das Brot tunkt man ins Curry und „greift“ damit auch die Hähnchenteile und die Kartoffeln.

Der Kochkurs dauerte rund zwei Stunden, im Anschluss hatten wir noch eine Führung mit Gamidah durch Bo-Kaap gebucht. Absolut empfehlenswert! Es zogen so viele große Touristengruppen an uns vorbei… Ich habe es sehr genossen, in so einer kleinen Gruppe einen guten, sehr persönlichen Eindruck von der kapmalaiischen Küche und von Bo-Kaap zu bekommen.

Bo-Kaap in Kapstadt, Südafrika

Das Highlight der Führung war übrigens der Besuch bei Atlas Trading, DEM Gewürzhändler für die kapmalaiische Küche. Gamidah erklärte uns, woher all die Gewürze kamen und für welche Gerichte man sie benutzt. Netterweise bot Gamidah ein selbstgemischtes Masala an, das sie für ihre Gerichte verwendet. Super Idee, so musste ich nicht von jedem Gewürz große Mengen kaufen, um die Rezepte zu Hause nachzukochen.

Der Zufall wollte, dass ich noch ein weiteres Mal der kapmalaiischen Küche begegne, und zwar an unserem letzten Tag in Südafrika. Aber davon ein andermal mehr, zusammen mit einem Rezept für eines der bekanntesten kapmalaiischen Rezepte (einem Boobotie) und mehr Informationen über diese faszinierende Küche.

Liebe Grüße
Julia


In the previous article I wrote about the family time we spent with our baby in South Africa. A very personal article, which was not about recipes and food I usually write about. But since I’m a foodie and being in South Africa of course I needed to get to know the South African cuisine ;-). So I browsed the internet a little and quickly stumbled upon the cooking class at “Lekka Kombuis“.

In her house in Bo-Kaap Gamidah offers cooking classes in which she gives an insight into the Cape Malay cuisine. It is a private cooking class: you send her an email asking for a date and then you meet her in her kitchen and cook 🙂 The recipes she chooses are family recipes and typically Cape Malay.

Gamidah chose the following recipes for us: roti (a flat unleavened bread), chicken curry, chili bites (similar to falafel) and samosas (stuffed pastry). My first idea was that the food reminded me of the Indian cuisine (which I like very much). I wasn’t too wrong: Gamidah told us that the first slaves who were brought to the Cape by the Dutch Colonialists came from South Asia (India, Indonesia, Malaysia etc.). And they took their recipes with them. In the following years the recipes changed: new ingredients were used or traditional ingredients disappeared, new cooking techniques were tried out etc. Through all those changes
their cuisine was always dominated by the Islam.

Quickly my curiosity about the Cape Malay cuisine grew and I wanted to know more about it. So after the workshop I bought a book about Bo-Kaap Kitchen and couldn’t stop reading. It seems a very creative delicious cuisine with many interesting influences…

Our self-made samosas were the most delicious we had during our whole holiday in South Africa (of course 😉 and I liked the chili bites as well. The chicken curry was also good but I had cooked something similar before. We ate with our fingers using the roti to “grab“ the chicken and the potatoes of the chicken curry.

The cooking class lasted two hours. Afterwards we had also booked a guided tour through Bo-Kaap with Gamidah, which I absolutely recommend! There were so many large groups of tourists… I enjoyed it very much to get such a personal insight into the Cape Malay cuisine and Bo-Kaap history.
For me the highlight of the tour was the visit at Atlas Trading. THE spice trader for Cape Malay cooking. Gamidah explained all the spices, where they came from and what they are used for. It was a good idea of hers to blend her own masala and sell it to her cooking class students. So I didn’t have to buy the large packets of spices and will be able to cook her recipes back home nevertheless.

Elternzeit in Südafrika

Notiz vorab:
Ja, das hier ist ein Foodblog. Eigentlich stelle ich euch hier regelmäßig meine Lieblingsrezepte mit kleinen Geschichten dazu vor. Aber heute möchte ich eine Geschichte erzählen, die nichts mit Essen zu tun hat. Eine etwas längere, persönliche Geschichte. Über unsere Elternzeit in Südafrika. Vor allem für alle, die sich fragen, ob das auch was für sie wäre, aber auch für diejenigen, die einfach nur neugierig sind 😉


Elternzeit in Südafrika

„Da ist ja gar keine Stecknadel in Afrika!“, meinte unsere Hebamme bei ihrem ersten Haus-Besuch. Wir standen gemeinsam vor der großen Weltkarte in unserem Flur und waren etwas wehmütig, dass größere Reisen in Zukunft erst mal nicht möglich sein würden. „Das ist doch das ideale Reiseziel für die Elternzeit!“, unterbrach Marina unsere Gedanken.

Elternzeit in Südafrika?? Das hatte ich wahrlich überhaupt nicht im Kopf. Erschien mir im ersten Moment auch absurd. Mein Kopf war voller Fragen: Wie wird die Schwangerschaft verlaufen, wird alles gut gehen, wie würde sich das neue Leben als Familie anfühlen, schaffe ich das alles überhaupt…? Seit Marina so selbstverständlich davon sprach, kamen also noch weitere Fragen dazu: Wäre das was für uns, Elternzeit in Südafrika? Kann man das mit einem acht Monate alten Baby überhaupt machen? Ist das nicht zu weit, zu heiß, zu stressig, zu gefährlich? Wir recherchierten ein bisschen und waren uns schnell einig: Elternzeit in Südafrika, das wär was für uns. Konkret organisieren würden wir aber erst nach der Geburt.

Elternzeit in Südafrika

Um es direkt vorweg zu nehmen: Wir haben vier wundervolle Wochen in Südafrika erlebt! Die Kap-Halbinsel und Kapstadt sind landschaftlich und kulturell traumhaft, das Reisen mit Baby ist total anders, aber unkomplizierter als gedacht (Theo scheint aber auch unsere „Reise-Gene“ geerbt zu haben…), die Zeit, die wir als Familie dort verbracht haben, war sehr wertvoll und nicht zuletzt hat mich die Reise aus meiner „Mama-Blase* befreit“. Und so exotisch scheint Südafrika als Reisezielt für die Elternzeit auch nicht zu sein. Wir haben einige frisch gebackene Eltern getroffen…

Anders als bei unseren bisherigen Reisen hatten wir beschlossen, vier Wochen nur an einem Ort zu verbringen (wir lieben eigentlich Roadtrips). Und zwar nicht in Kapstadt selber, sondern auf der Kap-Halbinsel in Kommetjie, einem kleinen Ort am Atlantik. Die Big Five, die Garden Route und die Karoo waren damit leider raus. Wir wollten uns entspannen und die Unterkunft häufiger zu wechseln, erschien uns zu anstrengend und wäre für Theo vermutlich auch eine zu große Herausforderung.Long Beach Kommetjie

 Wir entschieden uns für ein kleines Cottage in Strandnähe. Wie schon häufiger buchten wir über Airbnb. Auch dieses mal wieder eine gute Entscheidung: Valma und Stu waren tolle Gastgeber, die uns nicht nur mit guten Tipps versorgten, sondern mit denen wir auch ein paar schöne Abende verbrachten (Babyphone sei dank! 😉 ). Das ist das Schöne, wenn man nicht im Hotel oder in einer Ferienwohnung wohnt: man „erlebt“ den Ferienort viel intensiver.

Das Beste aber war, dass wir in fünf Geh-Minuten am Strand waren. Theo haben wir morgens nach dem Aufwachen (meist zwischen 6 und 7 Uhr) ins Tragesystem gesteckt und jeden Morgen einen Spaziergang an einem der schönsten Strände gemacht, die ich je gesehen habe. (Wir haben uns mit dem „Frühdienst“ abgewechselt: jeden zweiten Tag konnten einer von uns also ausschlafen. Es lebe die Elternzeit! 😉 )

Kap der Guten HoffnungWir haben eine schöne Mischung aus Nichtstun und Ausflügen hinbekommen: Wir erkundeten das Kap der guten Hoffnung zu Fuß (mit Theo im Tragesystem, puh!), beobachteten Pinguine in Simon’s Town, machten eine kulinarische Städtetour durch Stellenbosch (total empfehlenswert!), besuchten einige Weingüter, bildeten uns mit einer Führung durch District Six weiter und machten sogar einen Kochkurs in Kap-Malaiischer Küche.

Bo Kaap

Apropos Küche: In Südafrika haben wir SEHR gut gegessen. Wir haben uns zwei Mal ein Essen auf hohem Niveau gegönnt (in der Food Barn in Noordhoek und in der La Petite Ferme in Franschhoek) und sowohl die moderne südafrikanische Küche kennengelernt (frisch, kreativ und innovativ) als auch die Kap-Malaiische Küche. Ihr dürft euch auf jeden Fall auf ein paar Rezepte freuen!

Elternzeit in Südafrika_Speisen

Anders als sonst hatte ich mich mit der Region vorher nicht so richtig auseinandergesetzt und wusste nicht viel über Land und Leute. Schade, eigentlich macht genau das viel der Vorfreude aus. Aber die (wenige) Zeit, (die man als frischgebackene Mutter so hat) habe ich in die Recherche rund ums Reisen mit Baby investiert (Tipps siehe unten). Natürlich hatte ich trotzdem ein paar Ideen, was ich gerne machen und sehen wollte. Allerdings haben wir schnell festgestellt, dass man mit Baby doch um einiges „langsamer“ reist und wir uns von einigen Ausflugsideen verabschieden mussten.

Vinelands Südafrika

So. Das war ein kleiner Einblick in unser Abenteuer Südafrika. Für diejenigen, die ebenfalls mit der Idee liebäugeln, ihre Elternzeit in Südafrika zu verbringen, erzähle ich im Folgenden noch mal ein bisschen was zu den wichtigsten Fragen, die ich so hatte. Wenn ihr weitere Fragen habt, könnt ihr euch gerne melden (entweder hier als Kommentar – so haben auch andere Leserinnen etwas davon – oder per Email).

Zum Appeitanregen hier noch ein paar Impressionen:

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Viele Grüße
Eure Julia


Warum Südafrika?

Da wir im Februar verreisen und gerne dem usseligen Wetter in Köln entfliehen wollten, war Südafrika ideal: Sonne satt und Temperaturen um die 25 Grad. Südafrika ist malariafrei, es gibt keine Zeitverschiebung (lediglich eine Stunde). Auf der Kaphalbinsel hat man Strand und Meer, Gebirge mit Weinbergen, eine wahnsinnig interessante Großstadt und viele nette kleine Ortschaften. Die Menschen, die wir getroffen haben, waren unheimlich nett und kinderfreundlich. Die Infrastruktur ist super, es gibt dort alles, was man selbst und für ein Baby braucht. Das Essen ist spitze und das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut. Nicht zuletzt spricht man dort Englisch, was das Reisen noch mal einfacher macht. Und als wären das nicht schon Gründe genug: Ich freute mich darauf, eine alte Freundin nach sehr langer Zeit wiederzusehen (@Caro: Vielen Dank für die tolle Zeit mit euch!!).

Welche Impfungen sind nötig und was soll in die Reiseapotheke?

Die von unserem Kinderarzt (bzw. der Impfkommission) empfohlenen Impfungen waren für unseren Aufenthalt ausreichend. Überhaupt: Aus der Sicht unseres Kinderarztes sprach nichts dagegen, mit einem acht Monate alten Baby nach Südafrika zu reisen.
In unserer Reiseapotheke hatten wir ein Fieberthermometer, Fieberzäpfchen, Nasentropfen, Sonnencreme, eine Salbe gegen Mückenstiche/Verbrennungen und Globuli fürs Zahnen. Alles Weitere hätten wir im Notfall vor Ort kaufen können.
Die Adresse eines Kinderarztes und Notfallnummern hatte ich im Handy eingespeichert.

Fliegen mit Baby: Horror?

Die Anreise verlief alles andere als glatt: Da der Flieger von Köln nach München Verspätung hatte, haben wir den Flug nach Kapstadt verpasst. Da standen wir also spät abends mit Baby, ohne Kinderwagen und ohne Gepäck am Flughafen in München. Komischerweise war das gar nicht so schlimm, wie es sich zunächst anhört. Dank gutem Service der Lufthansa: Übernachtung im Hotel in Freising inklusive Babybett, Anreise und Abreise mit dem Taxi inklusive Babysitz, drei Mahlzeiten für uns und drei Gläschen für Theo, Kulturtasche mit Notfall-Ausrüstung für uns, Windeln für Theo.

Der Flug von München dauert rund 11 Stunden. Einen Nachtflug zu buchen, hat sich als gute Entscheidung erwiesen. Wir haben für Theo ein Babybasinett gebucht, in dem er schlafen sollte. Das hat er tatsächlich auch gemacht. Und zwar den ganzen Flug über (abgesehen von seinen üblichen nächtlichen Still-Mahlzeiten). Start und Landung waren überhaupt kein Problem.
Der Rückflug über Tag war da schon anstrengender. Im Flieger war es viel zu spannend, schlafen wollte Theo da in seinem Bettchen nicht. Stattdessen schlief er auf mir (aaaahhhhh! Rücken!!), krabbelte unter unseren Sitzen rum und ließ sich von einer netten Stewardess durchs Flugzeug tragen.

Unser Fazit: Fliegen mit Baby ist anstrengender als zu zweit, aber bei weitem nicht so eine Strapaze wie man es in einigen Internet-Beiträgen liest (vielleicht hatten wir auch einfach nur Glück…).

Kinderwagen und Autositz mitnehmen oder vor Ort leihen?

Wir haben unseren Autositz und auch den großen Kinderwagen mitgenommen (wir haben den Hartan VIP XL, der ist mit Sportsitz wirklich riiiesig).

Sicher wäre ein Buggy einfacher zu transportieren und auch vor Ort einfacher zu handhaben gewesen. Aber da Theo noch nicht sitzen konnte und im Kinderwagen immer gerne geschlafen hat, haben wir uns entschieden, den großen Kinderwagen mitzunehmen. Es war eine gute Entscheidung: Theo hat jeden Mittagsschlaf darin verbracht und die gute Federung hat ihn sicher über die ein oder andere mitgenommene Straße gebracht.

Ein sicherer Kindersitz fürs Auto war uns sehr wichtig. Da wir nicht wussten, was für einen Sitz wir bekommen, entschieden wir uns, unseren eigenen mitzunehmen, auch wenn das etwas umständlich erscheint. Da für Babys dieselben Gepäckbestimmungen gelten wie für Erwachsene, kann man glücklicherweise auch für die Winzlinge einen riesigen Koffer bzw. eine Tasche aufgeben. Für den Autositz haben wir eine große Reisetasche gekauft und ihn darin möglichst sicher verstaut.

* Ein paar Worte zur „Mama-Blase“: Ich weiß ja nicht, wie es euch in den Monaten nach der Geburt eures ersten Kindes ging. Aber ich war von dem neuen Leben ziemlich geflasht. Klar, alle hatten mir vorher prophezeit, dass sich das Leben von Grund auf ändern würde. Aber wow, wie sich das in der Praxis dann anfühlt, ist noch mal ne andere Nummer. Ich kreiste die ersten Monate nur noch um mich und mein Baby. Erdbeben in Italien? Präsidentschaftswahl in den USA? Terroranschlag in Nizza? Hab ich alles nur am Rande mitbekommen. Stattdessen recherchierte ich tagelang im Internet, was man machen könnte, damit das Baby nachts endlich mal länger als 2 Stunden am Stück schläft (natürlich erfolglos), bestellte allen möglichen sinnlosen Kram im Internet (ein Ausflug in die Kölner Innenstand erschien mir viel zu anstrengend) oder tauschte mich endlos lange mit anderen Müttern über die immer gleichen Fragen aus. Ich hatte mich ins Muttersein verrannt. Die Reise nach Südafrika hat da einiges wieder gerade gerückt und mich in das Leben außerhalb der „Mama-Blase“ zurückgebracht. Klar bin ich immer noch Mutter und manchmal unsicher, aber im Großen und Ganzen bin ich entspannter – und wieder ein wenig mehr Ich 😉

Fleischklopse nach Lily Brett

Fleischklopse nach Lily Brett

Wie es dazu kommt, dass ich ein Fleischklopse – Rezept von Lily Brett auf meinem Foodblog veröffentliche, habe ich im vorherigen Beitrag ja ausführlich beschrieben.

Wer den Roman „Chuzpe“ der jüdischen Autorin liest, bekommt am Ende unweigerlich Appetit auf Fleischklopse: Ob „Truthahn- und Bratwurst-Klops, Klops aus Kalbsfleisch und Rindfleisch, Klops aus Kalbsfleisch, Kartoffeln und Kielbasa, Bolognese-Klops, Huhn- und Bratwurst-Klops, reine Hühnerklops, Rindfleisch-Kielbasa-Klops oder Schweinefleisch-Sauerkraut-Klops“ zählt Edek im Buch das Klops-Angebot auf, das für ihr Restaurant geplant ist.

Aber der Reihe nach:

Protagonistin des Buches ist Ruth. Ruth ist 54 Jahre alt und lebt in New York, wo sie erfolgreich ihre eigene Firma führt. Einen Briefeservice: Sie schreibt Briefe in anderer Leute Namen. (Die Story um diese Briefe-Firma und die kleinen Geschichten aus dem Alltag von Ruth an sich sind schon herrlich zu lesen!). Vor wenigen Wochen ist ihr Vater Edek mit seinen 87-Jahren von Melbourne nach New York gezogen und macht seiner Tochter nun das Leben schwer, indem er Ruth in ihrer Firma unterstützen will. Ruth hat, wie soll man sagen…, sehr genaue Vorstellungen vom Leben und die Einmischung ihres Vaters in ihren Job passt ihr so gar nicht.

Im Laufe des Romans, in dem man Ruth und ihren Vater und die Eigenarten der beiden immer besser kennenlernt, interessiert sich Edek nun immer weniger für die Firma seiner Tochter. Zum Ärger von Ruth, oder besser gesagt zu ihrer Verwunderung, tauchen plötzlich Zofia und ihre Freundin Walentyna in New York auf. Zwei Polinnen Ende 60, die Edek auf einer Reise in Warschau kennengelernt hatte. Und überhaupt erkennt Ruth ihren Vater seitdem die beiden da sind, kaum wieder, bittet er sie neuerdings um Geld (viel Geld…), interessiert sich für Mietpreise und redet immer häufiger über polnisches Essen. Der Leser ahnt schnell, was dahinter steckt: Edek möchte mit Zofia und Walentyna ein Restaurant eröffnen. Ein Restaurant, das polnische Klopse serviert.

Von den kritischen Anmerkungen und Sorgen seiner Tochter lässt Edek sich nicht beirren, während Ruth eifrig recherchiert, wie wahrscheinlich die Niederlage des Restaurants sein wird. Natürlich kommt es genau anders, ihr ahnt es: Das Restaurant wird der Renner in New York!

Die Geschichte über das Klops-Restaurant an sich finde ich schon schön erzählt, sie bringt mich zum Schmunzeln, an einigen Stellen musste ich laut lachen. Aber richtig fasziniert bin ich vom Schreibstil von Lily Brett. Sie schreibt unheimlich klar, pointiert, offen und witzig, einerseits sachlich, dann doch wieder etwas blumig. Sie kommt immer wieder vom Kern dessen, was sie erzählen will ab und aus diesen Abschweifungen entwickeln sich neue Geschichten. Es wirkt, als schreibe sie eher um des Schreibens Willen, als mit der Absicht, ein Buch für Leser zu schreiben. Vielleicht auch, um durch das Schreiben ihre Erinnerungen an das Erlebte ihrer Eltern zu verarbeiten? Ihre Romane enthalten viele autobiographische Elemente. Ihre Eltern haben Auschwitz überlebt, von ihren Verwandten hat niemand das Konzentrationslager überlebt. Das Kind von Auschwitz-Überlebenden zu sein, scheint Lily Brett stark geprägt zu haben, Hinweise darauf findet man in vielen ihrer Geschichten: zum Beispiel achten ihre Romanfiguren obsessiv darauf, nicht zu dick zu werden (Lily Brett ist sehr zart, fast mager). Im Lager sei „dicken“ Menschen nachgesagt worden, dass sie anderen die Mahlzeiten „wegessen“. Sie erzählt vom Holocaust ohne Pathos, mit ein bisschen Galgenhumor, einer Mischung aus Tragik und Komik.

Ich könnte noch seitenweise weiter schreiben, aber vielleicht macht ihr euch am besten selbst ein Bild von der Autorin – angefangen mit dem Rezept für Rindfleisch-Kielbasa-Klops, wie sie im fiktiven Klops-Restaurant serviert werden.

Eure Julia

Rezept für Rindfleisch-Kielbasa-Klops mit Apfel-Tomaten-Sauce
(für ca. 5-6 große Klops)

Für die Fleischklops:
300g Rinderhack
100g Kielbasa*
1 Zwiebel
1 EL Paniermehl
1 großes Ei
Salz, Pfeffer
Olivenöl

* Kielbasa ist polnisch für Wurst. Um welche Art von Wurst es sich genau handelt, schreibt Lily Brett leider nicht. Aber zum Glück habe ich zwei Arbeitskolleginnen, die aus Polen kommen, und mir ein paar Tipps gegeben haben. Ich habe mich schließlich für Krakauer entschieden und, weil ich beim Recherchieren feststellte, dass Wurst in Polen scheinbar häufig mit Wacholderbeeren und Knoblauch gewürzt wird, von beidem jeweils etwas hinzu gemischt (1 Zehe Knoblauch, 1 zerstoßene Wacholderbeere)

Für die Sauce**:
1 Apfel (z. B. Breaburn)
5 Tomaten
1 Zwiebel
½ daumendickes Stück Ingwer
1-2 EL Rosinen (mag ich nicht, hab’ stattdessen getrocknete Pflaumen genommen)
1 EL Essig (z.B. Apfelessig)
1 EL Senf
1 TL Zucker
Salz, Pfeffer
Olivenöl zum Anbraten

3 EL Sahnemeerrettich

** Das Rezept für die Sauce taucht im Buch als solches nicht auf. Walentyna beschreibt aber, wie Zofia die Sauce zubereiten, daran habe ich mich bei dem Rezept orientiert…

Die Fleischklopse zubereiten:

Die Wurst so fein wie möglich hacken.

Die Zwiebel schälen und fein würfeln.

Das Hackfleisch mit der Wurst, der Zwiebel, dem Paniermehl dem Ei, etwas Salz und ordentlich Pfeffer gut vermengen und gut durchkneten.

Aus der Masse Bällchen in Tennisball-Größe (etwas kleiner) formen.

Ein Backblech dünn mit Olivenöl bestreichen und die Klopse darauf verteilen.

Im vorgeheizten Backofen bei 190 Grad etwa 30-40 Minuten backen.

Die Soße zubereiten:

Die Tomaten waschen, den Strunk entfernen und klein würfeln.

Den Apfel waschen, entkernen, entstielen und klein würfeln.

Die Zwiebel schälen und fein würfeln.

Den Ingwer schälen.

Die Zwiebel in etwas Olivenöl anschwitzen. Die Tomatenstücke, die Apfelstücke und die Rosinen (oder alternativ die fein gehackten Dörrpflaumen) hinzugeben. Den Ingwer in die Soße reiben, den Essig und den Senf hinzufügen und das Ganze bei kleiner Hitze und ohne Deckel einkochen lassen bis das Wasser verdampft ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Soße auskühlen lassen und in ein kleines Schälchen füllen.

Den Sahnemeerrettich ebenfalls in ein kleines Schälchen füllen.

Die Fleischklopse heiß, zusammen mit den Soßen servieren.

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Meine Begegnung mit Lily Brett

Lily Brett Chupze mit Autogramm
Premiere auf Löffelgenuss! Ich stelle euch heute ein Buch vor, das kein Kochbuch ist. Aber ich muss euch einfach von diesem Buch erzählen! Es geht um den Roman „Chuzpe“ von Lily Brett. Und in dem dreht sich alles um Fleischklopse: Edek, der 87-jährige Vater von Ruth, der Protagonistin des Romans, will mit seiner neuen polnischen Liebe Zofia in New York City ein Restaurant für Fleischklopse eröffnen.

Aber halt, bevor ich starte, muss ich euch von meiner Begegnung mit der Autorin Lily Brett erzählen. Eine etwas längere Geschichte…

Vergangenes Jahr hatte ich das Glück, im Rahmen der Lit.Cologne zur Lesung von Lily Brett eingeladen zu sein. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von der Autorin zwar schon gehört, aber noch keines ihrer Bücher gelesen hatte. Was für ein Fehler! Kurz vor der Lesung hatten wir uns daher ihr neuestes Buch besorgt: „Immer noch New York“. (Passte auch deswegen gut, weil New York für uns eine ganz großartige Stadt ist. Warum wir das meinen, könnt ihr hier und da nachlesen.)

Ich Schussel hatte vergessen, das Buch für ein Autogramm zur Lesung mitzunehmen und so habe ich im Foyer des Veranstaltungsraums spontan eine Paperback-Version von „Chuzpe“ gekauft. Während ich mit einer Freundin etwa 30 Minuten in der Schlage wartete, überlegte ich mir, ob ich Lily Brett fragen könnte, was ihr Lieblingsrezept sei. Gesagt, getan. Sie blickte überrascht von „Chuzpe“ auf und meinte nach einer kurzen Pause „Meatballs“. Ich war ein bisschen konsterniert. Fleischbällchen?!? Erst zu Hause, nach der Lektüre von „Chuzpe“ habe ich festgestellt, dass das einfach nur eine logische Antwort war. Denn in „Chuzpe“ geht es genau darum: Fleischklopse. Ich hätte sie gerne noch viel mehr gefragt, vor allem, weil sie auch in „Immer noch New York“ so viel übers Kochen und Essen schreibt. Und weil sie auf eine Zuschauerfrage am Ende der Lesung antwortete, dass sie bei Schreibblockaden gerne in die Küche gehe und was koche.

Zuhause reifte in mir dann die Idee, Lily Brett hier in meinem Blog vorzustellen – am liebsten natürlich mit einem persönlichen Interview und einem „Geheimrezept“. Voller Euphorie schrieb ich ihr eine Email. Und bekam keine Antwort. Dabei bin ich eines Feierabends extra in die Agneskirche gefahren, um dort ein paar Fotos zu machen und ihr zu schicken. Denn auf der Lesung meinte Lily Brett auf die Frage, welcher Ort ihr in Köln am besten gefalle: die Agneskirche (und an der fahre ich nun mal jeden Tag vorbei). Enttäuscht ließ ich den Gedanken, die Autorin hier vorzustellen, fallen. Ich schätze, meine Email wurde nie an Lily Brett weitergeleitet (ich hatte im Netz nur einen Kontakt zu ihrer Literatur-Agentin gefunden…).

Als wir im Sommer noch einmal in New York waren und in dem großartigen jüdischen Delikatessenladen „Russ and Daughters“ einkauften, im East Village, in dem auch Lily Brett wohnt, hoffte ich natürlich (total abstrus!), ihr zu begegnen. Immerhin erzählt sie in „Immer noch New York“ von ihren täglichen Spaziergängen durch das Village. Ich habe sie natürlich nicht getroffen. Aber zumindest kam der Gedanke wieder, dass ich mich weiter mit dieser Autorin beschäftigen muss.

Zurück in Köln nahm ich also noch einmal meinen letzte Ehrgeiz zusammen und schrieb sie diesmal persönlich über Facebook an (sie ist recht aktiv auf Facebook und ich lese ihre spannenden Alltagskommentare sehr gerne).

Und siehe da!! Ich hatte nicht mit einer Antwort gerechnet, aber zwei Tage später blinkte es rot in meinem Facebook-Messanger. Der wies mich darauf hin, dass ich eine Nachricht von Lily Brett hatte! Oh Mann, war ich aufgeregt! Auch wenn ich leider keine Antwort auf meine viele Fragen erhielt, freute ich mich doch sehr über diese kurze persönliche Nachricht: Lily Brett hat sich für die Fotos bedankt und gemeint, dass sie leider gerade keine Zeit habe, meine Fragen zu beantworten. Und überhaupt, seien sie sehr schwer zu beantworten (was mich natürlich unlogischerweise freut, habe ich mich doch sehr bemüht, keine Nullachtfünfzehn-Fragen zu stellen). Und schließlich hat sie auf meine Frage nach ihrem Lieblingsrezept doch etwas preisgegeben: „When I cook, I rarely use a recipe. I gauge the quantities of the different ingredients I need as I cook. I also tend to do this visually instead of using a weighing scale. Hope that helps.“

Soviel zur Vorgeschichte. Im nächsten Beitrag stelle ich euch dann ihren Roman „Chuzpe“ vor und dazu gibt es natürlich auch ein Rezept für Fleischkolpse. 😉

Heute mit literarischen statt kulinarischen Grüßen
Eure Julia

Eine Ode an den Blumenkohl!

Blumenkohl

Blumenkohl bis zur Unkenntlichkeit zerkocht, serviert in einer schweren, fast geschmacklosen Sahnesoße, garniert mit geröstetem Paniermehl. Wenn ich an Blumenkohl denke, muss ich immer an dieses Rezept meiner Oma Ella denken. Das gab’s häufig, wenn wir als Kinder zum sonntäglichen Mittagessen eingeladen waren. Hübsch angezogen saßen wir drei Mädels brav neben der rustikalen Eiche-Wohnwand mit den Bergbau-Devotionalien von Opa Walter.

Ihr vermutet jetzt sicher, dass ich das nicht mochte. Falsch!! Herr Löffelgenuss rollt bei der Beschreibung dieses Ruhrgebietsrezeptes mit den Augen und ich konnte ihn bis vor kurzem nicht dazu bewegen, das mal zu probieren. Dabei ist es ein echtes Soul Food Essen! Herrlich cremig und einfach.

Überhaupt ist das Thema Blumenkohl ja – so mein Eindruck – ein eher heikles. Auf Speisekarten außerhalb von gutbürgerlichen Stuben liest man das eher selten. Warum eigentlich, frage ich mich? Hat das Gewächs doch einen so schönen Namen (Blumen!) und sieht auch noch so hübsch aus (siehe oben)! Da muss es doch ein Rezept geben, mit dem man seine Schönheit feiern kann. Gibt es! Zum Beispiel mit Blumenkohlröschen, die im Backofen überbacken werden. Wunderhübsch! Außerdem schmeckt Blumenkohl einfach richtig gut, wenn man ihn nur richtig zubereitet und mit den richtigen Zutaten kombiniert.

Und als ich so vor mich hin überlegte, kamen mir weitere tolle Rezeptideen mit Blumenkohl in den Sinn, die ich euch gerne in einer Rezepte-Reihe vorstellen möchte. Ich hoffe, ich kann den ein oder anderen Blumenkohl-Skeptiker überzeugen. 😉

Und, wie haltet ihr es mit Blumenkohl? Überfallen euch bei dem Gedanken gruselige Kindheitserinnerungen oder esst ihr gerne Blumenkohl (wenn ja, wie am liebsten?). Ich bin gespannt auf eure Reaktionen!

Eure Julia

 

* Die mit Sternchen markierten Gerichte stehen noch auf meiner „To cook-Liste“, mein Verlangen nach Blumenkohl ist nun erst mal gestillt – es sei denn, ihr wollt unbedingt eines der oben genannten Rezepte haben…
** Diese beiden Rezepte sind schon älter, passen aber auch gut in die Rezepte-Reihe.