Fleischklopse nach Lily Brett

Fleischklopse nach Lily Brett

Wie es dazu kommt, dass ich ein Fleischklopse – Rezept von Lily Brett auf meinem Foodblog veröffentliche, habe ich im vorherigen Beitrag ja ausführlich beschrieben.

Wer den Roman „Chuzpe“ der jüdischen Autorin liest, bekommt am Ende unweigerlich Appetit auf Fleischklopse: Ob „Truthahn- und Bratwurst-Klops, Klops aus Kalbsfleisch und Rindfleisch, Klops aus Kalbsfleisch, Kartoffeln und Kielbasa, Bolognese-Klops, Huhn- und Bratwurst-Klops, reine Hühnerklops, Rindfleisch-Kielbasa-Klops oder Schweinefleisch-Sauerkraut-Klops“ zählt Edek im Buch das Klops-Angebot auf, das für ihr Restaurant geplant ist.

Aber der Reihe nach:

Protagonistin des Buches ist Ruth. Ruth ist 54 Jahre alt und lebt in New York, wo sie erfolgreich ihre eigene Firma führt. Einen Briefeservice: Sie schreibt Briefe in anderer Leute Namen. (Die Story um diese Briefe-Firma und die kleinen Geschichten aus dem Alltag von Ruth an sich sind schon herrlich zu lesen!). Vor wenigen Wochen ist ihr Vater Edek mit seinen 87-Jahren von Melbourne nach New York gezogen und macht seiner Tochter nun das Leben schwer, indem er Ruth in ihrer Firma unterstützen will. Ruth hat, wie soll man sagen…, sehr genaue Vorstellungen vom Leben und die Einmischung ihres Vaters in ihren Job passt ihr so gar nicht.

Im Laufe des Romans, in dem man Ruth und ihren Vater und die Eigenarten der beiden immer besser kennenlernt, interessiert sich Edek nun immer weniger für die Firma seiner Tochter. Zum Ärger von Ruth, oder besser gesagt zu ihrer Verwunderung, tauchen plötzlich Zofia und ihre Freundin Walentyna in New York auf. Zwei Polinnen Ende 60, die Edek auf einer Reise in Warschau kennengelernt hatte. Und überhaupt erkennt Ruth ihren Vater seitdem die beiden da sind, kaum wieder, bittet er sie neuerdings um Geld (viel Geld…), interessiert sich für Mietpreise und redet immer häufiger über polnisches Essen. Der Leser ahnt schnell, was dahinter steckt: Edek möchte mit Zofia und Walentyna ein Restaurant eröffnen. Ein Restaurant, das polnische Klopse serviert.

Von den kritischen Anmerkungen und Sorgen seiner Tochter lässt Edek sich nicht beirren, während Ruth eifrig recherchiert, wie wahrscheinlich die Niederlage des Restaurants sein wird. Natürlich kommt es genau anders, ihr ahnt es: Das Restaurant wird der Renner in New York!

Die Geschichte über das Klops-Restaurant an sich finde ich schon schön erzählt, sie bringt mich zum Schmunzeln, an einigen Stellen musste ich laut lachen. Aber richtig fasziniert bin ich vom Schreibstil von Lily Brett. Sie schreibt unheimlich klar, pointiert, offen und witzig, einerseits sachlich, dann doch wieder etwas blumig. Sie kommt immer wieder vom Kern dessen, was sie erzählen will ab und aus diesen Abschweifungen entwickeln sich neue Geschichten. Es wirkt, als schreibe sie eher um des Schreibens Willen, als mit der Absicht, ein Buch für Leser zu schreiben. Vielleicht auch, um durch das Schreiben ihre Erinnerungen an das Erlebte ihrer Eltern zu verarbeiten? Ihre Romane enthalten viele autobiographische Elemente. Ihre Eltern haben Auschwitz überlebt, von ihren Verwandten hat niemand das Konzentrationslager überlebt. Das Kind von Auschwitz-Überlebenden zu sein, scheint Lily Brett stark geprägt zu haben, Hinweise darauf findet man in vielen ihrer Geschichten: zum Beispiel achten ihre Romanfiguren obsessiv darauf, nicht zu dick zu werden (Lily Brett ist sehr zart, fast mager). Im Lager sei „dicken“ Menschen nachgesagt worden, dass sie anderen die Mahlzeiten „wegessen“. Sie erzählt vom Holocaust ohne Pathos, mit ein bisschen Galgenhumor, einer Mischung aus Tragik und Komik.

Ich könnte noch seitenweise weiter schreiben, aber vielleicht macht ihr euch am besten selbst ein Bild von der Autorin – angefangen mit dem Rezept für Rindfleisch-Kielbasa-Klops, wie sie im fiktiven Klops-Restaurant serviert werden.

Eure Julia

Rezept für Rindfleisch-Kielbasa-Klops mit Apfel-Tomaten-Sauce
(für ca. 5-6 große Klops)

Für die Fleischklops:
1 Zwiebel
300g Rinderhack
100g Kielbasa*
1 EL Paniermehl
1 großes Ei
Salz, Pfeffer
Olivenöl

* Kielbasa ist polnisch für Wurst. Um welche Art von Wurst es sich genau handelt, schreibt Lily Brett leider nicht. Aber zum Glück habe ich zwei Arbeitskolleginnen, die aus Polen kommen, und mir ein paar Tipps gegeben haben. Ich habe mich schließlich für Krakauer entschieden und, weil ich beim Recherchieren feststellte, dass Wurst in Polen scheinbar häufig mit Wacholderbeeren und Knoblauch gewürzt wird, von beidem jeweils etwas hinzu gemischt (1 Zehe Knoblauch, 1 zerstoßene Wacholderbeere)

Für die Sauce**:
1 Apfel (z. B. Breaburn)
5 Tomaten
1 Zwiebel
½ daumendickes Stück Ingwer
1-2 EL Rosinen (mag ich nicht, hab’ stattdessen getrocknete Pflaumen genommen)
1 EL Essig (z.B. Apfelessig)
1 EL Senf
1 TL Zucker
Salz, Pfeffer
Olivenöl zum Anbraten

3 EL Sahnemeerrettich

** Das Rezept für die Sauce taucht im Buch als solches nicht auf. Walentyna beschreibt aber, wie Zofia die Sauce zubereiten, daran habe ich mich bei dem Rezept orientiert…

Die Fleischklopse zubereiten:

Die Wurst so fein wie möglich hacken.

Die Zwiebel schälen und fein würfeln.

Das Hackfleisch mit der Wurst, der Zwiebel, dem Paniermehl dem Ei, etwas Salz und ordentlich Pfeffer gut vermengen und gut durchkneten.

Aus der Masse Bällchen in Tennisball-Größe (etwas kleiner) formen.

Ein Backblech dünn mit Olivenöl bestreichen und die Klopse darauf verteilen.

Im vorgeheizten Backofen bei 190 Grad etwa 30-40 Minuten backen.

Die Soße zubereiten:

Die Tomaten waschen, den Strunk entfernen und klein würfeln.

Den Apfel waschen, entkernen, entstielen und klein würfeln.

Die Zwiebel schälen und fein würfeln.

Den Ingwer schälen.

Die Zwiebel in etwas Olivenöl anschwitzen. Die Tomatenstücke, die Apfelstücke und die Rosinen (oder alternativ die fein gehackten Dörrpflaumen) hinzugeben. Den Ingwer in die Soße reiben, den Essig und den Senf hinzufügen und das Ganze bei kleiner Hitze und ohne Deckel einkochen lassen bis das Wasser verdampft ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Soße auskühlen lassen und in ein kleines Schälchen füllen.

Den Sahnemeerrettich ebenfalls in ein kleines Schälchen füllen.

Die Fleischklopse heiß, zusammen mit den Soßen servieren.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.