Kulinarischer Reisebericht und Rezension: „New York Street Food“

Kulinarischer Reisebericht und Rezension: „New York Street Food“

Heute möchte ich euch ein ganz besonderes Buch vorstellen – ein Kochbuch, das gleichzeitig auch ein kulinarischer Reiseführer ist: „New York Street Food“ von Tom Vandenberghe, Jacqueline Goossens und Luk Thys, das im vergangenen Jahr im Hädecke Verlag erschienen ist. Gleichzeitig gestatte ich euch einen kulinarischen Einblick in unsere Hochzeitreise 🙂

Unsere Flitterwochen haben wir in New York City und Neuengland verbracht. Kurz vor Reisebeginn lese ich in der Kochzeitschrift „Sweet Paul“ über das Buch „New York Street Food“ und bin angefixt. Das ist der perfekte Reiseführer für mich als Foodbloggerin, denke ich, und frage im Verlag an, ob sie mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellen können. Das trudelt dann auch prompt ein paar Tage später bei mir ein. Da es bis zur Reise nur noch ein paar Tage sind, verschlinge ich das Buch noch am selben Tag auf dem Sofa und plane den kulinarischen Teil unserer Reise.

Auf dem Rückflug reift in meinem Kopf die Idee, das Buch in Form eines kulinarischen Reiseberichts vorzustellen – unserer Reise! Macht euch auf was gefasst, der Bericht verlangt euch einiges ab: Er ist lang (es gibt einfach sooo viel zu erzählen), ihr bekommt Fernweh (das tut weh) und Hunger (dagegen gibt’s ein paar Rezepte). Und ein kleines Highlight hab ich auch noch für euch: Da mir die Fotos im Buch so gut gefallen, hab ich spontan den Fotografen Luk Thys angeschrieben und um ein kleines exklusives Interview gebeten.

Na dann man los…

Das Buch im Tablet-Format hat 215 Seiten und obwohl es kein Hardcover hat, ist es erstaunlich stabil, was vermutlich am festen Papier und einer guten Verarbeitung liegt.
Beim ersten Durchblättern bekomme ich sofort Gänsehaut und werde vor lauter Vorfreude ganz hibbelig: Bilder von Foodtrucks, schlemmenden New Yorkern, appetitlichen Gerichten. Was mir sofort auffällt: keine Fotos von klassischen Sehenswürdigkeiten, stattdessen atmosphärische Bilder, die kochende Menschen zeigen, Märkte, belebte Straßen – es fühlt sich an, als würde man direkt nach New York gebeamt. Hinzu kommt, dass es keine Hochglanzfotos sind und die  Fotos „ungestylt“ sind – alle wirken wie Schnappschüsse und vermitteln mir den Eindruck, hinter dem Fotografen zu stehen und die Szenen zu beobachten.

Konzept und Layout

New York Street Food Karte

Im Untertitel von „New York Street Food“ steht: „Kulinarische Reiseskizzen mit mehr als 60 Rezepten“. Das beschreibt das Konzept schon mal ganz gut. Das Buch enthält Rezepte, die gleichzeitig auch „Ausflugsziel“ sind, das heißt zu jedem Rezept gibt es einen Tipp, wo man das Gericht in New York probieren kann (praktischerweise mit einem Stadtplan in der Umschlagsseite).

Die Geschichten im Buch

In der Einleitung heißt es: „Um alle Street-Food-Küchen dieser Welt zu besuchen, fliegen Sie einfach direkt nach New York. (…) Das Street-Food-Angebot in New York spiegelt die vielfältigen Essenskulturen der hier lebenden Nationalitäten wider.“ Dem kann ich nur beipflichten. Ich habe während unserer USA-Reise selten so authentisch, vielfältig und kreativ gegessen wie dort. Ich war in Mexiko, El Salvador, China, Japan, Italien, Texas, Louisiana… und das alles in ein paar Tagen. 😉 „Die US-amerikanische Küche kann nicht auf eine lange kulinarische Tradition und Stellung zurückblicken“, schreibt Tom weiter. „Hemmungslos werden gänzlich verschieden Zutaten miteinander kombiniert. Daraus entstehen überraschende Gerichte und grenzüberschreitende Kombinationen.“ Sowas liebe ich ja!

Neben den Rezepten erzählen Tom und Jaqueline ein bisschen was über die Geschichte des Street Food und der Foodtrucks, über die Stadt, über einige Street Food Verkäufer und über die Entstehung des Buches.
Den Text von Tom finde ich ein bisschen schwierig zu lesen. Er zieht sich auf knapp zehn Seiten wie ein roter Faden durch das Buch – leider auch in roter Schrift, was auf Dauer echt anstrengend zu lesen ist. Dafür aber sehr spannend! Er erzählt von all den Straßenverkäufern, die er getroffen hat, ihren Geschichten und Gerichten…
Die Texte von Jaqueline kommen häppchenweise thematisch daher und sind so etwas angenehmer zu lesen. Der Bericht über Red Hook hat mir besonders gut gefallen, davon berichte ich an anderer Stelle noch.

Die Gestaltung der Rezepte

Pro Rezept gibt es eine Doppelseite: auf der einen Seite das Rezept, auf der anderen Fotos vom Gericht. Eigentlich bin ich ja kein Freund von verschiedenen Schriftarten, -größen und -farben in einer Publikation, aber hier geht das Konzept voll auf. Die Layouterinnen Natasja Billiau bzw. Julia Graff (deutsche Ausgabe) haben für jedes Rezept eine besonders gestaltete Überschrift gewählt. Mal fette, mal gestreifte oder gepunktete Buchstaben, mal kursiv, auch farblich jeweils anders gestaltet, die deutsche Übersetzung unter dem amerikanischen Titel dann nochmal in einer anderen Schriftart. Das bringt Unruhe in das Buch, die aber sehr wohl zum Thema passt.

New York Street Food Doppelseite Rezept

Neben Zutatenliste und Anleitung beinhaltet jedes Rezept noch zwei weitere Elemente: Zum einen liest man kleine Anmerkungen der Autoren, zum Beispiel „Unter der Brücke von Jackson Heigths entdeckte ich diesen sättigenden und preisgünstigen Snack“ bei den Scallion Pancakes oder kurze Tipps wie „Als Füllung eignen sich auch hart gekochte Eier, Rosinen oder Oliven“ bei den Papas Rellenas. Das gibt den Rezepten eine persönliche Note, sowas mag ich.

Wegweiser für New York

Das zweite Elemente sind Hinweise, wo man das Gericht essen kann: der Namen der nächstgelegenen Subway Station ist angegeben, die Preiskategorie und ein Hinweis auf die Adresse. Hier muss ich ein großes Veto einlegen und Kritik üben:

New York Street Food Hinweise

1. Das, was die Autoren hier als Subway Station bezeichnen, ist eher der Stadtteil. Die Haltestelle muss man sich dann selbst raussuchen. Zumindest die Subway-Linie hätte man angeben können. Schade. So ist diese Info eher überflüssig.

2. Die Preise zu den Gerichten vor Ort in Stufen von 0 bis 15 Euro anzugeben, finde ich unnötig. Wenn Reiseführer das machen, weil sie zwischen günstigem Streetfood und teurer Sterneküche unterscheiden, ist das nützlich. Aber ob ich jetzt 5 oder 7 Dollar zahle ist mir ehrlich gesagt egal, wenn ich schon dabei bin, New York kulinarisch zu entdecken.

3. Die Adresse selbst muss man im hinteren Teil nachschlagen. Das ist unpraktisch, weil man dann hin und her blättern muss. Warum nicht die Adresse einfach auf die Seite schreiben? Hätte man sicherlich mit einem kleinen Stadtplanausschnitt hübsch gestalten können…

Die Fotos zu den Gerichten

Meine Leser wissen: Ich bin ein sehr visueller Typ und ich liebe gute Foodfotos. Sind sie ansprechend, sind sie der Hauptgrund für mich, ein Rezept nachzukochen.

Die Fotos von Luk Thys zeichnen sich durch eine Besonderheit aus: Sie sind allesamt nicht im Kochstudio gestylt und fotografiert worden, sondern „aus der Hand“ auf der Straße. Daher beeindruckt es mich um so mehr, dass die Gerichte trotzdem so aussehen, als würde ich gerne direkt zugreifen – obwohl viele in Plastikschälchen, Alufolie oder Papier daherkommen. Das zeigt mir mal wieder, wie wichtig Licht, Komposition, Farben, Strukturen etc. sind. Hach, bei Luk würde ich gerne mal in die Foto-Schule gehen…

New York Street Food Beispiel Foodfoto

Ist ein Gericht mal nicht so fotogen (der Oxtail Stew zum Beispiel), wird aus dem Foto eine Fotokollage gemacht, mit Fotos von Menschen oder Läden, die den Blick vom Essen weglenken. Überhaupt sind es nicht immer ganzseitige Fotos vom Gericht. Die Gerichte wirken attraktiv (auf mich), weil sie eingebettet sind in Kollagen von essenden Menschen, Gebäuden, Zutaten, Details etc.

Fotos aus New York City

Dass ein Buch über New York Street Food nicht nur mit Foodfotos auskommt ist klar. Man braucht auch den New York-Aspekt. Nach dem Empire State, Miss Liberty oder (meinem Favoriten) der Brooklyn Bridge, sucht man aber vergeblich. Und das ist gut so. Als Leser wird man durch die Fotos mittenhinein gezogen in das New Yorker Leben abseits von Tourismus-Pfaden. Man sieht Anzugträger, die in Schlagen vor Foodtrucks stehen (haben wir nahe der Wall Street auch beobachtet) oder junge Leute, die im Bryant Park lunchen. Damit man nicht vergisst, dass man in New York ist, sind immer mal wieder ein paar Elemente dabei, die einen daran erinnern: zum Beispiel die gelben Taxen oder halt doch das Empire – aber nicht als Hochglanzfoto wie man es aus Reiseführern kenn, sondern versteckt hinter einer Häuserfassade. Und natürlich immer wieder Foodtrucks, kleine Garküchen oder mobile Essensstände, die man genau so tatsächlich an jeder Straßenecke in New York antrifft.

New York Street Food Impressionen

Rezepte und kulinarische Reiseziele

Das Buch enthält 60 Rezepte und somit auch 60 Empfehlungen, wo man in New York Street Food kosten kann. Ich hätte ja nur zu gerne alles ausprobiert, aber wir hatten ja nur fünf Tage Zeit für diese Wahnsinnsstadt und Herr Löffelgenuss war schon sehr geduldig und hat meinen Wunsch, dieses und jenes zu probieren, heroisch ertragen.

In den folgenden Beiträgen berichte ich euch von den Empfehlungen aus dem Buch, denen wir gefolgt sind (nicht immer an den vorgeschlagenen Orten) und stelle euch einige Gerichte vor, die wir zu Hause nachgekocht haben (die Gerichte mit Sternchen sind inklusive Rezept). Den krönenden Abschluss bildet dann das Interview mit dem Foodfotografen Luk Thys.

Ich wünsche euch viel Spaß mit meinen kulinarischen Reiseskizzen und würde mich sehr über euer Feedback freuen! Die Vorbereitung der Street Food-Reihe hat total viel Spaß gemacht und ist mir zu einer Herzensangelegenheit geworden…, bin ein bisschen aufgeregt, wie ihr es findet… 😉

Eure Julia

P.s. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich für die Rezension kein Geld bekomme, oder?

6 Gedanken zu “Kulinarischer Reisebericht und Rezension: „New York Street Food“

  1. Liebe Julia,
    ganz tolle Rezension und vielen Dank für die viele Zeit und Arbeit, die Du hinein gesteckt hast, um uns einen fundierten Eindruck von diesem Buch zu geben.

    Es steht schon länger auf meiner Wunschliste und da darf es jetzt auch auf jeden Fall bleiben 🙂

    • Vielen Dank für dein Lob Bushcook, darüber freue ich mich sehr! Ja, die Reihe war tatsächlich viel Arbeit, aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Nettes Feedback ist daher eine schöne Belohnung 😉

  2. Diese Rezession ist so toll geworden, dass das Buch glatt in mein Inventar wandern muss, danke für den Tipp!
    Und ich freue mich schon auf deine Berichte, ein wenig NYC-Feeling ist genau das Richtige für kalte Wintertage an welchen man zu Hause sitzt!
    Liebe Grüße von mir zu dir,
    Fräulein Laune

    • Oh Danke liebes Fräulein Laune! Ja, wie man gemerkt hat, gefällt mir das Buch echt gut 😉 Ich hoffe, ich kann dir mit meinen Beiträgen ein bisschen von dieser Wahnsinnsstadt mitgeben. Beim Schreiben ist in mir wieder das Fernweh hochgekommen… Da hilft nur ein bisschen Streetfood (wir waren gerade auf dem Streetfoodfestival in Köln. Kein Vergleich mit NYC, aber ein Anfang…).
      Liebe Grüße zurück!
      Julia

  3. Liebe Julia, vielen Dank nochmals nachträglich für diese tolle Rezension und vor allem die guten Anregungen! Ich sitze derzeit an der Überarbeitung für eine Neuauflage und will versuchen, Deine Vorschläge einzuarbeiten. Die Legendeninfo zu „L“ ist auch leider bislang so nicht stimmig. Aber ich würde jetzt einfach eine Subwaystation, die nahegelegen ist außerdem angeben/vorschlagen. Für alle, die im Umkreis liegen, reicht der Platz bei den Rezepten häufig nicht aus. Das würde aber doch als Orientierung ausreichen, was meinst Du?
    Die Preisorientierung werden wir drin lassen, denn die interessiert manche tatsächlich (auch wenn die Unterschiede nicht so gravierend sind wie bei Restaurantführern z.B., macht es aber dann in Summe noch einen Unterschied).
    Toll, dass Du daraus auch gleich eine ganze Blogreihe gemacht hast und das Interview ist klasse 🙂

    • Liebe Jule,
      es freut mich natürlich, dass euch meine Rezension gefällt (wobei ich ja auch wirklich begeistert bin von dem Buch). Noch mehr freue ich mich aber, wenn meine kleinen Kritikpunkte gehört oder sogar berücksichtigt werden. Die nächste Subway anzugeben ist gut. Vielleicht statt des „L“ dann mit einem „M“ (für Metro), dem Namen dieser Haltestelle in Google Map-Manier (also z.B. „Smith – 9 Sts“) sowie der Linien, die dort fahren (z.B. F, G, ideal natürlich in den entsprechenden Farben). Unter „A“ würde ich tatsächlich direkt die Adresse angeben (z.B. Bay St/ Clinton St, Brooklyn), so muss man nicht umblättern. So vielleicht:
      Location Street Food

      Liebe Grüße
      Julia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.