Kulinarischer Roadtrip durch die USA

DSC_5252Als ich gelesen habe, dass Zorra und Bella ein US-Kochevent planen, war ich Feuer und Flamme. Weil ich Bella nämlich nur zustimmen kann: Die USA sind nicht nur Fastfood & Co.! Wenn ihr Lust habt, nehme ich euch heute mit auf eine kulinarische Reise durch die USA, die euch einen kleinen Einblick in die köstliche Vielfalt des Landes gibt.

Diese „Reise“ liegt schon einige Jahre zurück: Ich hatte damals (das war 2002) während meines Studiums in Bochum das wahnsinnige Glück, einen der wenigen Plätze in dem sehr begehrten Seminar „Eating in America“ bei Professor David Galloway zu ergattern. Darin ging es nicht nur um Theorie (Esskultur in Amerika), sondern dazu gehörten auch mehrere Kochabende, an denen wir uns durch die Küche einiger US-Staaten kochten.

DIE amerikanische Küche gibt es nicht. Am einfachsten lässt sich die Küche Nordamerikas beschreiben, wenn man sie in Regionen einteilt, die durch bestimmte Nationalitäten oder regionaltypische Zutaten beeinflusst werden und wurden. So haben wir es damals zumindest gemacht…

Neuengland
Unser Neuengland-Kochkurs begann mit einer Kuriosität: Wir haben Boston Brown Bread gebacken – in einer Kaffeedose! Da staunten wir nicht schlecht… Das Brot besteht aus Mais-und Weizenmehl, Buttermilch, Rosinen und Ahorn-Sirup. Den Teig füllt man in eine Blechdose, die in einen Topf mit kochendem Wasser kommt. Nach etwa zwei Stunden ist das Brot durchgegart.
Dazu gab es Wildreis (laut Professor Galloway übrigens eine Zutat der Native Americans) und Boston Beaked Beans, eine Variante des Neuengland Klassikers. Auch hier kommt dunkler Sirup zu den weißen Bohnen, die mit gemahlenen Nelken, geräuchertem Speck und Zwiebeln gewürzt werden und vier Stunden in diesem Sud im Ofen backen.
Eine weitere Besonderheit waren Salt Cod Cakes, kleine Klippfischküchlein. Getrockneter, eingeweichter Kabeljau wird, fein gehakt, mit Kartoffeln, Eiern und Sahne vermengt, zu kleinen Küchlein geformt und in Fett hellbraun ausgebacken. Erinnert mich im Nachhinein ein wenig an die Fischkroketten, auf die ich in unserem letzten Portugal-Urlaub ganz verrückt war…

Southern Cooking & Soulfood 
Kulturell und geschichtlich fand ich den Kochabend mit Gerichten aus der Südstaatenküche am spannendsten – vor allem die Soulfood-Küche (über die ich später dann auch meine Magisterarbeit geschrieben habe).
Kurios, aber nicht sonderlich lecker, fand ich Grits. Das sind getrocknete Maiskörner, die in Salzlauge eingeweicht, gekocht und dann geschält werden. Gibt’s in den US natürlich fertig zu kaufen und heißt dann Hominy (Maisgrütze). Wir haben uns an einem Rezept für „Überbackene Maisgrütze mit Käse“ probiert, bei dem die Maisgrütze gespickt wird mit geriebenem Cheddar, Butter, Eiern und Frühlingszwiebeln, mit Tabasco abgeschmeckt, und dann im Backkofen gebacken wird. Nun ja… nicht so meins…
Viel leckerer fand ich hingegen das Cornbread (Maismehlbrot), das ich später auch noch mal Zuhause ausprobiert hab. Der Teig besteht hauptsächlich aus Maismehl, Butter, Zucker und Buttermilch. Ich habe noch fetten Speck, goldgelb angebraten, hinzugetan – typisch für die afroamerikanische Küche.
Cornbread gebe es in den Südstaaten häufig als Beilage zu collard greens (wie zum Beispiel Grünkohl), weil man es so schön in den Saft tunken könne… Diese grüne Gemüse auf Südstaaten-Art ist auch nicht gerade kalorienarm: Auf 1 Kg Grünkohl kommen 200g Bauchspeck, gewürzt mit Zucker, Salz, Tabasco und Essig.
Eine weitere klassische Beilage in der Südstaatenküche sind Blackeyed Peas und frittierte Okrashoten (kannte ich bis dahin beides nicht).
DER Klassiker aus der Region schlechthin, den wohl jedes Kind kennt, ist Fried Chicken. Ein echtes Fried Chicken southern style ist echt schwer hinzugekommen. Damit es richtig knusprig wird, benutzt man Cornflakes für die Panade.
Zum Nachtisch gab es einen Pecan Pie (Pecannuss Kuchen). Köstlich! Auf einen Mürbeteigboden kommt eine Masse aus Eiern, Zucker, Sirup, Zitronenabrieb, Butter und gehackten Pecannüssen. Darauf werden dann ganze Pecannüsse verteilt und der Kuchen wird eine Dreiviertelstunde im Ofen gebacken.

Cajun & Creole Cooking
Die Cajun- und kreolische Küche lernten wir im Wesentlichen durch drei Gerichte kennen: Gumbo, Jambalaya und Sweet Potatoe Pie.
Von dem Eintopf Gumbo gibt es zahlreiche Varianten, aber er besteht klassischerweise aus Okra und Garnelen; der besonderes Geschmack kommt durch die Gewürze: Als klassische Cajun-Gewürzmischung gelten Knoblauchpulver, Zwiebelpulver, weißer und schwarzer Pfeffer, Cayennepfeffer, getrockneter Thymian und Oregano. Darüber hinaus gibt Roux einen unverwechselbaren Geschmack: eine Schwitze aus Mehl und Öl, die meist sehr lange und unter ständigem Rühren langsam zubereitet wird – je dunkler sie wird, desto intensiver schmeckt sie. Man muss nur aufpassen, dass sie nicht anbrennt, dann schmeckt das Ganze nämlich bitter. Ich erinnere mich, dass wir im Seminar drei Anläufe gebraucht haben, bis wir eine halbwegs authentische Roux hatten (unser Dozent stammt aus Memphis und wusste daher ziemlich genau, wie eine authentische Roux schmecken muss…). Außerdem kamen in unsere Gumbo noch Tomaten, Zwiebeln, Sellerie, grüne Paprika, Knoblauch, Lorbeerblätter, gemahlener Piment, getrocknete Chilischoten und ein Meeresfrüchtefond. Mhmlecker! Wo ich das gerade so lese, müsste ich das eigentlich noch mal nachkochen….(Nachtrag: Hier ein  Gumbo-Rezept von „Aus meinem Kochtopf„, das sich ganz gut anhört und das Peter im Rahmen der Aktion veröffentlich hat).
Als zweites typisches Gericht dieser Region hat Galloway Jambalaya benannt, ebenfalls ein Eintopf. Diesmal aber mit Hühnerteilen, geräuchertem Schinken, geräucherter Wurst und ähnlichen Gemüsezutaten und Gewürzen wie im Gumbo. (Nachtrag: Ich sehe gerade, dass Simone von „S-Küche“ ein leckeres Jambalaya-Rezept veröffentlicht hat…).

Tex-Mex cooking 
Der Exkurs in die Tex-Mex-Küche hat mir kulinarisch am besten gefallen. Da haben wir zum Beispiel Mais-Tortillas selber gemacht. Die gibt’s hier in Deutschland leider nicht im Supermarkt, wobei sie viel besser schmecken als die Weizentortillas. Dazu gab’s eine Tomatillo Salsa, eine Salsa aus grünen Tomaten, die mindestens genauso lecker ist wie die klassische Salsa aus roten Tomaten, die man so kennt. Sie schmeckt durch ihre Zutaten und dadurch, dass sie gekocht wird, einfach noch mal ausgewöhnlicher. Neben den grünen Tomaten kommen Jalapeños, Hühnerbrühe und Knoblauch mit in den Topf. Abgerundet wird das Ganze mit frischen Koriander und Limettensaft.
Dazu haben wir einen Black Bean Dip gemacht. Den fand ich so großartig, dass er bis heute regelmäßig auf den Tisch kommt (allerdings in dieser etwas abgewandelten Version). Typischerweise wird er aus Schwarzen Bohnen und zusätzlich mit Käse (Monerey Jack und Ziegenkäse) zubereitet.
Ein wirkliches Highlight dieser Region waren für mich Cheese & Chile Tamales. Maisblätter werden mit einer Masse aus Maismehl-Teig, Käse und Chilis gefüllt und in Wasserdampf gedünstet. Unser Rezept war nicht so der Hit, aber ich hab das grad mal gegoogelt und einige Rezepte gefunden, die echt lecker klingen. Wäre vielleicht mal ein Versuch wert…
Witzig und sehr ungewöhnlich fanden wir auch das Navajo Blue Bread. Kleine Brotküchlein, die aus blauem Maismehl gebacken werden.

So, das war mein persönlicher, kleiner kulinarischer Roadtrip. Ich habe alle Rezepte zu den oben beschriebenen Gerichten noch abgeheftet. Falls ihr also Lust habt, etwas auszuprobieren, sagt Bescheid, ich schicke euch gerne das gewünschte Rezept.

Und noch was: Wer neugierig auf Geschichten rund um die amerikanische Küche ist, dem empfehle ich das Buch „Hidden Kitchens“. Zwei US-Radioreporterinnen spüren für ihre gleichnamige Radiosendung Küchen auf, die unentdeckt, unbekannt oder auf eine andere Art Besonders sind. Sie treffen dabei auf eine fahrbare Straßen-Küche, in der eine Brasilianerin nachts für Taxifahrer in San Francisco kocht, hören von einem Gefangenen, der im Gefängnis heimlich Pralinen herstellt, oder beschreiben eine „Wohnzimmer-Küche“ in Alabama, die das Civil Rights Movement unterstützt hat. Ich habe das Buch im Rahmen der Aktion „Jeden Tag ein Buch“ rezensiert (könnt ihr hier nachlesen) und während meiner Studienzeit mal einen Radiobeitrag darüber produziert (den könnt ihr hier anhören).

Um den Beitrag abzurunden, hatte ich eigentlich eine leckere Maissuppe nach einem Rezept aus Vermont geplant. Aber leider war ich heute krank und nicht in der Lage zu kochen 🙁 Ich hoffe, dass ich euch das Rezept am Wochenende vorstellen kann. Wenn ihr aber jetzt Lust auf einen amerikanischen Snack bekommen habt, dann schaut mal hier, da gibt’s Rezepte für die folgenden amerikanischen Klassiker: BLT-Sandwich, Breadsticks mit Dips, Caesar Salad, Chicago Hotdog.

Cheers!
Eure Julia

7 Gedanken zu “Kulinarischer Roadtrip durch die USA

  1. Wow, vielen Dank für den Überblick! Genau der fehlt mir in Sachen USA-Küche nämlich völlig. Ich hoffe, das ändert sich irgendwann – zumindest das Buch „Hidden Kitchens“ liegt bei mir und wartet darauf, gelesen zu werden. (Wozu ich allerdings schon seit Monaten nicht komme.) Danke für den Reminder!

  2. Liebe Julia,

    Wow, das ist ein toller kulinarischer Roadtrip-vielen Dank dafür!
    Das hat richtig Spaß gemacht diesen Bericht zu lesen, dass muss ja echt ein spannendes Seminar gewesen sein, darf ich fragen, was du studiert hast, dass du solche Seminare belegt hast?
    Das Bild oben ist auf der Route 66 entstanden oder? Es erinnert mich an ein meinen letzten Aufenthalt dort, wir wollten ein ganzes Stück von Williams nach Kingman über die alte 66 fahren aber irgendwann wurde die so wie oben auf deinem Bild und ich habe mich einfach nicht mehr getraut mit dem Mietwagen darauf weiterzufahren, so authentisch und aufregend das auch war ich hatte einfach keine lust mitten in der Pampa hängenzubleiben ;-)…
    VG bella

    • Liebe Bella,
      danke schön! 🙂
      Ich hab damals American Studies studiert, mit dem Schwerpunkt Cultural Studies. Das Seminar war ein absolutes Highlight. Sonst war das Studium eher textlastig 😉
      Das Bild zum Beitrag stammt… Überraschung!… von Madeira! Von der Route 66 hab ich leider kein Foto. Aber schön, dass es dich daran erinnert 😉 Finde auch, es sieht aus wie ne typisch amerikanische Straße in the middle of nowhere.
      Im Herbst geht’s für uns auch endlich wieder in die USA – nach New York City und Nordengland. Dann bringe ich, hoffentlich, auch wieder neue kulinarische Inspirationen mit.
      Liebe Grüße
      Julia

  3. Wow,
    um diesen Kochkurs beneide ich Dich.
    Allerdings mach es auch riesigen Spaß, das alles direkt vor Ort kennen zu lernen. Und das haben wir gemacht (oder sind in den nächsten Jahren noch dabei.
    Mein Beitrag ist das Gumbo, das in Deiner Aufzählung oben noch ohne Link ist…. 😉

    Mit leckerem Gruß, Peter

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