Rezension „Lust auf Genuss“

                                                                                                      Foto: Hubert Burda Medien

Vielleicht erinnert ihr euch: Ich habe vor Kurzem die Zeitschrift „Lecker“ rezensiert. Leider hat sie mir nicht wirklich gut gefallen (kann man hier und hier nachlesen). Daher hat mir die Agentur* angeboten, eine andere Zeitschrift zu testen. Und zwar die „Lust auf Genuss“. Die Ausgabe 5/2014, auf die sich die Rezension hier bezieht, dreht sich rund ums Grillen.

Fangen wir mal mit den „Äußerlichkeiten“ an:
Das klassische Zeitschriftenformat gefällt mir schon mal gut – besser als das Querformat der Lecker. Das Papier ist schön fest, man kann die Zeitschrift also auch gut mit in die Küche nehmen, ohne dass sie danach aussieht wie mitgekocht.
Mit 4 Euro ist die Zeitschrift nicht gerade günstig, liegt aber noch im Mittelfeld der Kochzeitschriften, die ich so kenne.
Den Namen finde ich große klasse! Ich weiß auch nicht warum, aber ich liebe das Wort „Genuss“ – sowohl phonetisch als auch graphemisch (… sage ich als alte Linguistin 😉 und meine damit den Klang und das Schriftbild. Nicht umsonst taucht das Wort ja auch in meinem Blognamen auf…).

Fotos & Layout
Was mir an der Zeitschrift am besten gefällt, sind die großformatigen Fotos. Man sieht ihnen an, dass sich jemand wirklich Gedanken und Mühe gemacht, die Gerichte optimal in Szene zu setzen.
Die Grill-Fotos haben alle eine rustikales Atmosphäre, was natürlich gut zum Thema passt: Das „Tomahawk-Steak“ auf der Titelseite sieht zum Beispiel aus als komme es direkt vom Rost: Ein saftiges T-Bone-Steak mit großem Knochen, das auf einem alten Holzbrett liegt. Ein bisschen Bratensaft läuft aus dem Fleisch, darüber sind ein paar Körner Salz und Pfeffer und ein paar Stile frischer Koriander verteilt.
Links neben dem Fleisch sieht man ein paar knusprig gebratene Kartoffelspalten in einem Einmachglas (schöne Idee!), rechts daneben steht ein Schälchen mit einer zum Fleisch passenden Tomaten-Salsa. Dahinter liegen Limetten-Spalten und grüne Chili, die sich dann auch im Rezept zur Salsa wiederfinden – also keine Zutaten, die optisch einfach gut zum Bild passen, sondern auch tatsächlich benutzt werden. Das mag ich, denn bei mir funktioniert Kochen übers Auge: Wenn ich etwas sehe (hier also Limetten und grüne Chili) kann ich mir besser vorstellen, wie die Salsa schmeckt.

Das Layout kommt ohne viel Schnick und Schnack aus, so dass die Fotos und die Rezepte im Vordergrund stehen. Auf den Fotos steht ein kurzer Text was auf dem Bild zu sehen ist, der nicht störend wirkt, und eine graphisch passende Überschrift.
Die Rezepte werden in Gruppen auf Doppelseiten hinter den Fotos veröffentlicht: Oben noch mal das Foto in klein, darunter die Zutatenliste und die einzelnen Schritte der Zubereitung. Praktisch.

Die Rezepte
Wie gesagt, ist diese Ausgabe dem Grillen gewidmet. Da wir leider keinen Grill(platz) haben, sind die Rezepte nicht soooo interessant für mich. Aber wenn ich das nächste Mal wieder in die Nähe eines Grills komme (Gruß an Nils!), kann ich mir durchaus vorstellen, das ein oder andere Rezept auszuprobieren. Zum Beispiel das oben beschriebene Tomahawk-Steak, das Hähnchen in Cachaça-Marinade oder Spareribs in Bier-Marinade. Sehr gut gefällt mir, dass es viele Beilagen-Rezepte gibt – sogar mehr als für Fleischgerichte! Was ich am Grillen nämlich besonders mag, ist die Vielfalt, die man kosten kann. Daher sind die Beilagen beim Grillen für mich genauso wichtig, wie gutes Fleisch.
Da wir wie gesagt leider bei uns nicht grillen können, habe ich mir zum Ausprobieren das Rezept für den Quinoa-Salat mit zweierlei Bohnen rausgesucht. Dazu gibt’s in der Pfanne gebratene Merguez (warum, lest ihr unten).

Das Konzept
Neben den Rezepten gibt es Seiten mit Tipps, Ideen und Trends. Hier wurde ich gleich zwei Mal positiv überrascht: einmal mit einem Beitrag über orangefarbene Weißweine und mit einem Artikel über Wurstmanufakturen.

Von „Orange Wine“ habe ich tatsächlich noch nie gehört. Dabei handelt es sich um Weißweine, die wie Rotweine hergestellt werden: „Das heißt, sie werden ohne künstliche Zusätze auf der Maische (den Schalen und Kernen) teils Tage, Wochen, teils sogar Monte vergoren. Durch diesen langen Traubenkontakt gewinnen sie ihren orange- bis bernsteinfarbenen Ton“, erklärt Andreas Tscheppe, ein Winzer aus der Südsteiermark. Herr Löffelgenuss und ich trinken ja sehr gerne Wein, daher wäre der orangene Weißwein sicher mal ein Versuch wert…

Ebenfalls interessant, finde ich den Beitrag „Aus Liebe zur Wurst“, in der die Redaktion Wurstmanufakturen vorstellt. Der Beitrag hat mir Appetit gemacht, so dass es heute Abend auf jeden Fall Wurst als Beilage gibt. Allerdings nicht der deutsche, blasse Klassiker (mag ich nicht so), sondern ihre afrikanische Schwester, die Merguez, die es glücklicherweise auch beim Metzger in Nippes gibt. Dennoch überlege ich jetzt, etwas zu tun, was ich noch nie gemacht habe: Wurst im Internet bestellen. Da bietet ein Metzger italienische Fenchelbratwust, feurige Salsiccia, Bärlauchbratwurst, Merguez oder Knoblauch- und Kräuterbratwurst an, die sie in der Tradition der Warmfleischverarbeitung herstellen. Das klingt seeehr gut. Mal schauen…

Ganz toll auch das letzte Kapitel im Heft, in dem Foodblogger vorgestellt werden. Klar, dass mir das gefällt, nä? 🙂 Davon, dass Löffelgenuss da mal vorgestellt wird, kann ich wohl leider nur träumen… hach…

Noch eine Anmerkung zum Schluss: Der klischeebehaftete, stereotype Artikel über „Grillen als östrogenfreie Zone“ von Roland Trettl gefällt mir so gar nicht. Ich könnte jetzt gaaanz lange dazu was erzählen, aber das lass ich besser mal. Mir hätte es zwar besser gefallen, wenn die Redaktion eine Grillmeisterin vorgestellt hätte, aber vielleicht müssen bei dem Thema dann doch Macho-Klischees bedient werden….

Eure Julia

* zeitschriften-abo.de stellt mir drei Ausgaben der Zeitschrift „Lust auf Genuss“ kostenlos und unverbindlich zur Verfügung.

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