Schweinefilet in Portwein-Soße mit Zwiebel-Reis

Schweinefilet in Portwein

Hier kommt ein weiteres Gericht aus „Die portugiesische Küche“. Und auch dieses Mal muss ich wieder sagen: Köstlich! Ach was… Genial!

Dass das Fleisch gut schmecken würde, hatte ich mir schon gedacht. Beim Reis, der ganz dunkle Zwiebeln (fast schwarz) als Geschmacksgeber hat, war ich neugierig. Herzhaft-süß schmeckt der Reis, und sehr lecker, wenn man ihn etwas bissfest lässt. Zu dem Schweinfilet kann ich mir keinen besseren Begleiter vorstellen.

Das Fleisch-Gericht hat mich vor allem wegen des Portweins angesprochen. Der kommt ja aus Porto. Eine wunderschöne Stadt im Norden Portugals! Von dort haben wir letztes Jahr unseren Portugal-Trip entlang der Küste (und ein bisschen durchs Landesinnere) bis Lissabon gestartet. Porto hat Herrn Löffelgenuss und mir besonders gut gefallen. Es ist noch nicht so überlaufen und herausgeputzt wie andere südeuropäische Stadt und hat einen morbiden Charme, der uns sehr gut gefallen hat – ebenso wie das köstliche Essen! Und der Wein erst!

Kennt ihr portugiesische Weine? Ist in Deutschland nicht unbedingt so populär (zu Unrecht!) und im Supermarkt gibt’s außer Vinoh Verde nur sehr wenige Weine aus Portugal. Ich kann euch aber ans Herz legen, mal einen Rotwein aus dem Douro-Gebiet (das ist der Fluss, der durch Porto fließt) zu probieren. Das Rezept empfiehlt zum Fleisch den „Fabelhaft“ Tinto von Niepoort, „eine Rotweincuvée, die neben douro-typischem Tiefgang auch eine ordentliche Portion Fröhlichkeit besitzt“, heißt es da. Bissl teuer, aber jeden Cent wert und hervorragend zu diesem Gericht.

Guckt mal, aus unserem Mini-Ferienzimmer haben wir direkt auf den Douro und die Altstadt geguckt. Traumhaft oder?

Porto

Zutaten für das Schweinefilet
(für 4 Personen)

1 großes oder zwei kleine Schweinefilets (insgesamt etwa 600g)
6 EL Olivenöl
4 Knoblauchzehen, in der Schale zerdrückt
2 Zweige Rosmarin
2 EL Honig
5-6 EL Portwein
2 EL Balsamico-Essig
Meersalz und Pfeffer
Alufolie

Zutaten für Reis mit dunklen Zwiebeln
(für 4 Personen)

240g Langkornreis (z.B. Agulha)
4 EL Olivenöl
2-3 Zwiebeln, fein gehackt (ich habe die Zwiebeln ziemlich grob gehackt, so schmeckt man mehr, finde ich…)
450ml Hühner- oder Gemüsebrühe (ich habe Gemüsebrühe verwendet)
Etwas Salz

Zuerst das Fleisch zubereiten:

Backofen auf 120 Grad vorheizen (im Rezept wird betont, dass man Ober- und Unterhitze nimmt, keine Umluft. Warum weiß ich nicht….).

Das Fleisch waschen und gut abtrocknen, Fett und Sehnen entfernen.

Pro Fleischstück ein Stück Alufolie beiseite legen (sollte etwa doppelt so lang sein wie das Stück Fleisch). Darauf den Knoblauch und die Rosmarinzweige legen und die Seiten so hochwickeln, dass ein kleines Schiffchen entsteht.

In einer Pfanne etwas Öl stark erhitzen und das Fleisch von allen Seiten scharf anbraten. Von allen Seiten ordentlich mit Salz und Pfeffer würzen und auf die vorbereitete Alufolie legen. Etwas Olivenöl, Honig, Portwein und Balsamico-Essig darüber geben und das Päckchen luftdicht verschließen und in den Ofen geben.

Die Päckchen in den Ofen geben und etwa 20 Minuten backen. Das Fleisch sollte am Ende innen noch rosa sein, so ist es schön zart, aber noch saftig. Jeder Ofen ist anders: Guckt nach etwa 20 Minuten mal nach, ggf. lasst ihr das Fleisch noch ein wenig länger im Ofen.

Den Reis zubereiten:

Den Reis waschen und gut abtrocken lassen.

Die Zwiebeln in dem Öl bei mittlerer Hitze solange anbraten bis sie richtig dunkel, fast schwarz, werden. Das kann ne ganze Weile dauern… zwischendurch immer mal wieder umrühren.

Den Reis und die Brühe hinzugeben, alles einmal aufkochen lassen und dann die Hitze reduzieren und den Reis mit geschlossenem Deckel solange kochen lassen, bis das Wasser weg und der Reis gar (aber noch bissfest) ist. Dauert etwa 15 Minuten.

Noch eine Sache: Auch wenn das Schweinefilet richtig lecker war: Ich habe schon mal ein ähnliches Rezept probiert. Das fand ich einen Tacken besser: Schweinfilet in Rotweinjus (nicht erschrecken, gruseliges Foto…).

Ich wünsche euch guten Appetit!
Eure Julia

Pica-Pau // Mariniertes Schweinefleisch

Pica-PauDas dritte Gericht, das ich aus „Die portugiesische Küche“ zubereitet habe, sind Pica-Pau (pikante Fleischhäppchen), die ich vor allem wegen der Zeichnung einfach nachkochen musste. Ihr erinnert euch? Der kleiner Specht, der dem dicken Mann erst auf den knurrenden Bauch pickt und dann diese kleinen Pica-Pau naschst…

Vom Geschmack her sehr ausgewöhnlich. Ich weiß nicht, ob es an den Lorbeerblättern oder an der Worcestershiresauce liegt. Oder aber an der Kombi mit dem sauer eingelegten Gemüse? Egal, auf jeden Fall ist es nach meinem Geschmack und eine schöne Konkurrenz zu Tapas. Dass ich auf so etwas stehe, wisst ihr ja spätestens seit meinem Tapas-Beitrag, gelle?

Zutaten
(für 6-8 Personen)

4 Knoblauchzehen
1 EL Butter
1 EL Olivenöl
400g magereres Schweinefleisch, in feine Streifen geschnitten (Nuss oder Oberschale)
200ml Weißwein
2-3 TL Rosenpaprika
2 Lorbeerblätter
1 TL Worcestershiresauce
Salz und Pfeffer

Sauer eingelegtes Gemüse: z.B. Blumenkohl, Paprikaschoten, Karotten, Cornichons …

Die Knoblauchzehen schälen, mit einem Messerrücken andrücken und in Butter und Olivenöl bei mittlerer Hitze goldgelb werden lasen. Aus der Pfanne nehmen.

Das Fleisch in die Pfanne geben und bei hoher Hitze kurz anbraten, dann die Hitze reduzieren.

Den Knoblauch wieder hinzugeben, ebenso wie den Weißwein, die Lorbeerblätter sowie den Rosenpaprika und die Worcestershiresauce. Das Ganze für etwa 10 Minuten bei kleiner Hitze köcheln lassen.

Zum Servieren das Gemüse in eine Schale geben und das Fleisch mit der Soße darüber geben. Das Pica-Pau könnt ihr (wie ein kleiner Specht) mit Zahnstochern aus der Schüssel picken.

Guten Appetit!
Eure Julia

Gambas Piri-Piri

Gambas Piri PiriHier kommt das nächste Rezept aus dem Kochbuch „Die portugiesische Küche“.

Piri-Piri ist ja sowas von portugiesisch… Das habe ich spätestens in Portugal erlebt, wo auf jedem Restaurant-Tisch ein Fläschchen Piri-Piri-Soße steht. Nicht zuletzt ist Piri-Piri eine wesentliche Zutat für das „Frango Piri-Piri“ (ein plattes, gegrilltes Huhn, das – meiner Wahrnehmung nach – in Portugal DAS Nationalgericht und mega-lecker ist!).

Ihr wisst ja, dass ich ein Fan der spanischen Küche bin. Also war meine Skepsis auch bei den Gambas Piri-Piri (wie bei der Gaspacho) groß. Besser als die Gambas al ajillo kann das ja gar nicht schmecken, dachte ich. Tja… ich kann ehrlich gesagt gar nicht sagen, was „besser“ schmeckt. Schmecken beide so unterschiedlich, dass ich das gar nicht beurteilen mag… Am besten ihr probiert selbst 😉

Und, was sagt ihr? Lieber Gambas al ajillo oder Gambas Piri-Piri?

Lasst es euch schmecken!
Eure Julia

Rezept für „Gambas Piri-Piri“
(für 8 Personen)

1kg rohe Gambas (es sollten 30-40 Stück sein) (ich habe Gambas mit Schale gekauft)
Etwa 250ml Olivenöl
10 Knoblauchzehen
3 in Öl eingelegte rote Paprika, gewürfelt
Grobes Salz
Paprikapulver, scharf
2-4 kleine Piri-Piri Schoten (ich habe die ausm Glas genommen)
2 (frische) Lorbeerblätter (ich habe getrocknete verwendet)
Saft einer Zitrone (optional)
50ml trockener Weißwein (optional)
Etwas Petersilie (ich habe 2 EL gehackte, glatte Petersilie verwendet)
1 Zitrone zum Garnieren (hab ich weggelassen)

Das Rezept empfiehlt, die Gambas zu schälen. Habe ich nicht gemacht. Ich finde, wenn man die Gambas mit Schale brät, bleiben sie saftiger.

Die Gambas gut waschen und möglichst gut abtrocknen. Ist wegen der Schale nicht ganz einfach, aber wichtig, damit sie später nicht so stark wässern.

Das Öl in einer möglichst großen Pfanne stark erhitzen (am besten ihr nehmt zwei Pfannen, damit die Garnelen auch ausreichend Platz haben). Garnelen, Lorbeerblätter, Knoblauch, Paprika und Piri Piri hinzugeben.

Lasst die Garnelen so lange von beiden Seiten braten bis die Garnelen rot werden (dann sind sie durch). Vor dem Servieren gebt ihr Weißwein und/oder Zitronensaft, Paprikapulver und Salz hinzu und lasst alles noch ein wenig einköcheln.

Heiß, mit etwas Weißbrot (zum Tunken der Soße), servieren.

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Gaspacho mit Erdbeeren

Gaspacho mit Erdbeeren
Das erste Rezept, das ich euch aus dem Kochbuch „Die portugiesische Küche“ vorstellen möchte ist doch recht ungewöhnlich: Eine Gaspacho mit Erdbeeren. Warum ich ausgerechnet das ausgewählt habe? Obwohl ich doch gar nicht so der süße Typ bin? Wahrscheinlich weil ich einfach neugierig war. Und insgeheim wollte ich auch wissen, ob das vielleicht doch schmeckt. Vor allem, ob es besser schmeckt als meine geliebte Gazpacho aus Andalusien oder meine selbst kreierte Grüne Gazpacho. Auch wenn ich positiv überrascht war, schmecken mir „meine“ Gazpacho besser. Aber wer gerne Erdbeeren mag und die Kombination von Obst und Gemüse nicht scheut, der darf sich auf diese Suppe freuen. Sie ist bei hochsommerlichen Temperaturen, wie wir sie letzte Woche hatten, eine köstliche, kulinarische Abkühlung.

Zutaten
(für 8 Personen)

135ml Olivenöl
2 Knoblauchzehen, geschält
2 Stängel Thymian
50g Weißbrot (aus Weizensauerteig), ohne Kruste, gewürfelt (ich hab ein altes Brötchen genommen)
1kg Erdbeeren, gewaschen und geviertelt (ich habe nur etwa 200g Erdbeeren genommen, war trotzdem sehr erdbeerig…)
250g Gurke, geschält, entkernt und gewürfelt (ich habe etwa die doppelte Menge genommen)
120g rote Paprika, entkernt und gewürfelt (auch hier habe ich die doppelte Menge genommen)
70g grüne Paprika, entkernt und gewürfelt
120ml Tomatensaft
45ml guter Rotweinessig
1TL Salz

Für die Garnitur*:
Confierte Erdbeeren:
16 kleine Erdbeeren, halbiert
1½ EL Olivenöl
1 gehäufter EL Puderzucker

Croutons:
3 EL Olivenöl
2 Knoblauchzehen, geschält
200g Weißbrot (aus Weizensauerteig), ohne Kruste, klein gewürfelt (auch hier habe ich einfach ein altes Brötchen genommen)
Basilikumblätter
Pfeffer

* Die confierten Erdbeeren habe ich weggelassen. Klang mir zu süß und zu erdbeerlastig.

Ich habe (anders als im Rezept) erst mal die Croutons zubereitet. Und zwar alle zusammen, also die, die in die Suppe reinkommen und die, die oben drüber kommen.
Dafür das Brot zunächst in Würfel schneiden, den Knoblauch in Scheiben.
In einer Pfanne ordentlich Olivenöl heiß werden lassen und die Brotwürfel und den Knoblauch darin anbraten bis sie kross sind. Kurz vorm Ende habe ich die Thymianblätter hinzu gegeben.

Für die Suppe wascht ihr das Gemüse und die Erdbeeren und würfelt alles grob. Die Gurke wird geschält, die Paprika entstielt und entkernt, von den Erdbeeren das Grün entfernt.

Dann gebt ihr alle Zutaten sowie etwa ein Drittel der Croutons in einen Küchenmixer und püriert das Ganze bis eine schöne Mixtur entsteht. Wenn euch das zu flüssig ist, gebt ihr einfach noch ein paar Croutons hinzu. Wenn es zu breiig ist etwas Wasser.
Je nach Gusto schmeckt ihr mit Salz und Pfeffer ab und stellt die Suppe ein paar Stunden kalt.
Wenn es so richtig heißt draußen ist, könnt ihr, wenn ihr die Suppe serviert, noch ein paar Eiswürfel hinzugeben. Ist herrlich erfrischend!

Zum Servieren streut ihr ein paar Basilikumblätter und die restlichen Croutons darüber.

Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt! Oder habt ihr sowas schon mal probiert? Lese gerade im Internet unzählige herzhafte Erdbeer-Gerichte… Also falls ihr eines habt, das ich unbedingt probieren sollte, immer her damit! 🙂

Ich wünsche euch guten Appetit!
Eure Julia

Rezension „Die portugiesische Küche“

Portugiesische Küche
Heute möchte ich euch ein ganz wunderbares Kochbuch vorstellen: Und zwar „Die portugiesische Küche“ von Alexandra Klobouk und Rita Cortes Valente de Oliveira, das erst kürzlich im Kunstmann-Verlag erschienen ist.

Als der Verlag mich fragte, ob ich das Kochbuch unverbindlich anschauen wollte, habe ich direkt zugesagt: Wir waren letzten Sommer in Portugal und da war ich natürlich neugierig, was es in dem Kochbuch so zu entdecken gibt.

Das Cover
Das warme, fröhliche Gelb des Covers springt einem schon von Weitem ins Auge und macht direkt gute Laune. Und die Zeichnung der reich gedeckten Familien-Tafel auf dem Titel macht Lust auf mediterrane Küche. Das gebundene Buch lässt sich gut anfassen und macht einen hochwertigen Eindruck: Fadenbindung, festes Cover, eingestanzter Titel, dickes Papier (solche haptischen Sachen mag ich gerne).

Inhaltsverzeichnis & Einleitung
Die Gestaltung des Inhaltsverzeichnisses spricht mich leider nicht so sehr an. Bisschen… wie soll ich sagen? Langweilig? Oder es liegt an der gewählten Schriftart? Finde aber auch, dass Inhaltsverzeichnisse generell schwer zu gestalten sind…
Darüber hinaus enthält das Inhaltsverzeichnis nur die Besonderheiten eines jeden Kapitels (z.B. „Bacalhau selber machen“ oder „Kleine Sprachkunde: Paprika auf Portugiesisch“), nicht aber eine Übersicht aller Rezepte. Schade, so kann man nicht mal eben nach einem Gericht suchen.

Los geht’s mit einer Einführung in die Küche Portugals. „Portugiesisches Essen ist traditionell bodenständig und pur. Hier dürfen die Zutaten noch so schmecken, wie sie sollten – nach sich selbst“, schreibt Rita Cortes Valente de Oliveira und erzählt uns von den geographischen Voraussetzungen für diese Küche (viiieeel Küste, grüne Hügel, kalte Winter im Norden, fast nordafrikanische Wärme im Süden). Dann erklärt sie, wie das Kochbuch aufgebaut ist. Schade. Ich hätte mir hier noch mehr Einblicke in die portugiesische Küche oder Kultur gewünscht. Den Aufbau hätte man besser ins Inhaltsverzeichnis nehmen können.

Das Kapitel „Über dieses Kochbuch“ von der Kulturillustratorin Alexandra Klobouk beschreibt auf schöne Art, wie das Kochbuch entstanden ist: „Diesem (…) ersten gemeinsamen Kochen mit anschließendem Gelage folgten viele weitere Abende, an denen Rita wunderbare Rezepte und deren Geschichten mit mir teilte – sowie viele Flaschen guten portugiesischen Weins, von dem man nie Kopfweh, aber immer gute Ideen bekommt.“. (Das mit den Ideen kann nur unterstreichen!) Genau so wie diese Entstehungsgeschichte wirkt dieses Buch übrigens auch: authentisch.

Die Illustrationen
Ich habe ja gerade erst ein anderes Kochbuch rezensiert, das mit Illustrationen daherkommt („Das Gelbe vom Ei“). Man kann die beiden Kochbücher aber überhaupt nicht vergleichen.
Die Illustrationen von Alexandra Klobouk sind – wie die von Peter Gaymann – auch witzig, aber auf ganz andere Weise. Sie sind gröber, wirken spontan, als hätte sie sie einfach aus dem Handgelenk geschüttelt. Man sieht den Bildern die Leidenschaft fürs Zeichnen und für Genuss an, finde ich. Klingt komisch, ist schwer zu beschreiben… Ich versuch’s mal:

Bei den „Grünen Bohnen im Teigmantel“ hat sie eine Schale lächelnder Bohnen in die Bildmitte gezeichnet. Unten auf der Seite sieht man einen Angler, der sich die Bohnen vom Teller angelt (mit einer Gabel als Köder 😉 ) und genüsslich in seinen Mund befördert. Der Angler hat die Augen geschlossen und sieht aus, als würde er die Bohnen richtig genießen.
Noch ein schönes Beispiel ist die Illustration zu Pica-Pau (pikante Fleischhappen), mit der Alexandra Klobouk eine Theorie zur Namensgebung des Rezeptes entwickelt (Pica-Pau heißt ‚Specht’ auf Portugiesisch). „Wenn der Hunger wie in kleiner Specht am Bauch pickt, gibt es am besten Pica-Pau“, steht handschriftlich neben der Zeichnung, auf der man einen Mann „mit Bauch“ sieht, auf dem ein kleiner Specht sitzt und am Bauch pickt. Darunter die weitergedachte Konsequenz: eine Pfanne mit Pica-Pau (auf einen Baumstumpf gestellt) auf der wieder der kleine Specht sitzt und die Fleischhappen mit seinem spitzen Schnabel aufpickt. „Mit Zahnstochern kann man die Happen picken wie ein kleiner Specht“, steht daneben.

Die Fotos
Die Fotos muss man in zwei Kategorien einteilen: einmal gibt’s da die fotografierten Gerichte und einmal „Impressionen“, nenne ich es mal (Fotos: Mariana Veloso und Ricardo Jorge Pereira).

Die Fotos der Gerichte (sind nicht so viele, nicht jedes Gericht wurde fotografiert) passen vom Foodstyling her sehr gut zum Buch und zur portugiesischen Küche: Allesamt sind sie sehr rustikal, ohne viel Schnickschnack. Sehen aus als hätte der Fotograf mal eben abgedrückt und direkt ein gutes Bild im Kasten (vermutlich ist es nicht so…). Mir persönlich gefallen zugegebenermaßen die „inszenierten“ Bilder besser, aber hier sind die authentisch wirkenden Bilder genau passend.

Die „Impressionen“-Bilder geben dem Kochbuch Atmosphäre und machen Lust auf Portugal. Sehr schön finde ich zum Beispiel diese Doppelseite: links eine ganzseitige Nahaufnahme von frischen Sardinen auf einem Grill, rechts davon zwei große Querformat-Fotos: eine junge Frau, die einen Teller in der einen Hand hält (auf dem man gegrillten Fisch, Brot und Salat sieht) und die sich mit der anderen Hand die Finger ableckt. Total natürlich, wie ein Schnappschuss. Darunter ein Foto von einem Mann und einer Frau, die sich mit rustikalen Wein-Gläsern zuprosten, im Hintergrund erkennt man verschwommen einen Strand.
Jetzt hätte ich Lust, Fisch zu grillen und dazu ein Glas Weißwein zu trinken. Wenn Fotos genau das schaffen, finde ich, sind sie gut.

Aufbau, Gestaltung und Texte
Jedes Kapitel – wie zum Beispiel Suppen, Fisch, Fleisch, Beilagen – beginnt mit einer kleinen Einführung. Mit sehr sehr schönen Texten. Wie zum Beispiel im ersten Kapitel: Es widmet sich den „Petiscos“, den Appetithappen (schönes Wort!): „Petieschkuusch – das klingt nach kleinen, feinen Dingen, nach picken, knabbern und probieren…. Eine wörtliche Übersetzung gibt es dafür nicht. Es bedeutet soviel wie: kleine Leckerei. Und das sind sie – kleine Portionen von kalten und warmen Vorspeisen, regional und saisonal unterschiedlich. Sie vereinen auf köstliche Weise zwei der liebsten Beschäftigungen der Portugiesen: essen und beisammen sein.“

Ein anders Beispiel ist der letzte Satz in der Einleitung des Suppen-Kapitels: „Blättern Sie um und lassen Sie sich Bauch und Herz erwärmen!“ Wie schön geschrieben! Der Einladung folge ich gerne :-).

Die Präsentation der Rezepte ist recht klassisch, jedes Rezept bekommt eine ganze Seite: links eine Zutatenliste, rechts daneben die Anleitung für die Zubereitung. Dass die Seite somit eine große Weißfläche hat, finde ich gut (gibt nix schlimmeres als „Bleiwüsten“…). Ab und zu gibt es auf der Seite noch eine kleine Schwarz-Weiß-Zeichnung von im Rezept verwendeten Zutaten. Nett. Manchmal stehen unter dem Rezept noch ein paar Tipps oder kleine Anekdoten. Auch nett.

Die Rezepte stehen immer auf der linken Seite des Buches, rechts gibt es ganzseitig entweder eine Zeichnung oder ein Foto vom Gericht. Diese Konsequenz mag ich. So kann man das Kochbuch gut durchblättern und gezielt nach Rezepten gucken (das Auge muss dann nicht immer von rechts nach links oder oben nach unten springen).

Zwischen den Rezepten gibt es immer mal wieder Doppelseite mit den oben beschriebenen „Impressionen“- Fotos oder Zeichnungen, zum Beispiel wie man Bacalhau selber zubereitet. Sehr schön!

Die Rezepte
Jedes Rezept, das eine Chance hat, nachgekocht zu werden, bekommt ein Post-it.
Je mehr Post-its ein neues Kochbuch also von mir bekommt, desto besser gefällt es mir in der Regel. „Die Portugiesische Küche“ steht mit 25 Post-its an zweiter Stelle (die meisten Post-its hatte bisher das „Genussvoll vegetarisch“).

Drei Rezepte habe ich direkt am ersten Abend für ein „petiscar“ (=gesellige Runde, die kleine Köstlichkeiten miteinander teilt) nachgekocht: eine Gaspacho mit Erdbeeren , Pica-Pau und Gambas Piri-Piri. Die Tage habe ich dann noch zwei weitere Rezepte ausprobiert: Schweinefilet in Portwein, dazu einen Reis mit dunklen Zwiebeln.
Soviel kann ich schon verraten: Alle Gerichte waren köstlich und erhalten das „mhmlecker-Siegel“ 😉 Und ich werde sie euch natürlich in den nächsten Tagen hier vorstellen.

Gaspacho mit ErdbeerenPica-PauGambas Piri Piri Schweinefilet in Portwein Zwiebel-Reis

Falls ihr wissen möchtet, welche Rezepte mir u.a. noch gefallen haben: Die folgenden Gerichte werde ich im Laufe des Sommers sicherlich noch ausprobieren und wenn sie gut sind, dürft ihr euch auch hier auf einen Bericht freuen.

  • Marinierte Sardinen
  • Tomatensuppe aus dem Alentejo (mit Bauchspeck und Chourico)
  • Reis mit Meeresfrüchten (hat Herr Löffelnuss in Lissabon gegessen, köstlich!)
  • Gegrillter Bacalhau mit Knoblauch-Olivenöl-Sauce
  • Caldeirada (berühmter geschichteter Fischtopf)
  • Degenfisch mit gebackenen Bananen (haben wir auf Madeira gegessen, genial!)
  • Frango Piri-Piri (gegrilltes, plattes Huhn. Gibt es in Portugal an jeder Ecke…)

Hach, ich könnte noch stundenlang weiterschreiben. Aber euch brennen sicher schon die Augen vom Lesen (bissl lang geworden der Text…). Ein Fazit brauche ich wohl nicht zu ziehen, ihr habt sicherlich gemerkt, dass mir das Buch richtig gut gefällt. Es macht Lust auf die Küche und Kultur Portugals, es wirkt ehrlich und die nachgekochten Gerichte haben uns alle wirklich gut geschmeckt. Das Kochbuch kostet im Handel 30 Euro. Ich finde, es ist seinen Preis wert.

(Der Ordnung halber schreibe ich noch mal, dass ich das Kochbuch kostenlos und unaufgefordert vom Verlag erhalten habe (ohne Honorar). Selbstverständlich habe ich mir aber vorbehalten, das Buch ganz unabhängig zu besprechen – ob positiv oder negativ.)

Tchau e bom apetite!
Eure Julia