Kulinarischer Reisebericht und Rezension: „New York Street Food“

 
New York Street Food CoverHeute möchte ich euch ein ganz besonderes Buch vorstellen – ein Kochbuch, das gleichzeitig auch ein kulinarischer Reiseführer ist: „New York Street Food“ von Tom Vandenberghe, Jacqueline Goossens und Luk Thys, das im vergangenen Jahr im Hädecke Verlag erschienen ist. Gleichzeitig gestatte ich euch einen kulinarischen Einblick in unsere Hochzeitreise 🙂

Unsere Flitterwochen haben wir in New York City und Neuengland verbracht. Kurz vor Reisebeginn lese ich in der Kochzeitschrift „Sweet Paul“ über das Buch „New York Street Food“ und bin angefixt. Das ist der perfekte Reiseführer für mich als Foodbloggerin, denke ich, und frage im Verlag an, ob sie mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellen können. Das trudelt dann auch prompt ein paar Tage später bei mir ein. Da es bis zur Reise nur noch ein paar Tage sind, verschlinge ich das Buch noch am selben Tag auf dem Sofa und plane den kulinarischen Teil unserer Reise.

Auf dem Rückflug reift in meinem Kopf die Idee, das Buch in Form eines kulinarischen Reiseberichts vorzustellen – unserer Reise! Macht euch auf was gefasst, der Bericht verlangt euch einiges ab: Er ist lang (es gibt einfach sooo viel zu erzählen), ihr bekommt Fernweh (das tut weh) und Hunger (dagegen gibt’s ein paar Rezepte). Und ein kleines Highlight hab ich auch noch für euch: Da mir die Fotos im Buch so gut gefallen, hab ich spontan den Fotografen Luk Thys angeschrieben und um ein kleines exklusives Interview gebeten.

Na dann man los… 

Das Buch im Tablet-Format hat 215 Seiten und obwohl es kein Hardcover hat, ist es erstaunlich stabil, was vermutlich am festen Papier und einer guten Verarbeitung liegt.
Beim ersten Durchblättern bekomme ich sofort Gänsehaut und werde vor lauter Vorfreude ganz hibbelig: Bilder von Foodtrucks, schlemmenden New Yorkern, appetitlichen Gerichten. Was mir sofort auffällt: keine Fotos von klassischen Sehenswürdigkeiten, stattdessen atmosphärische Bilder, die kochende Menschen zeigen, Märkte, belebte Straßen – es fühlt sich an, als würde man direkt nach New York gebeamt. Hinzu kommt, dass es keine Hochglanzfotos sind und die  Fotos „ungestylt“ sind – alle wirken wie Schnappschüsse und vermitteln mir den Eindruck, hinter dem Fotografen zu stehen und die Szenen zu beobachten.

Konzept und Layout

New York Street Food Karte

Im Untertitel von „New York Street Food“ steht: „Kulinarische Reiseskizzen mit mehr als 60 Rezepten“. Das beschreibt das Konzept schon mal ganz gut. Das Buch enthält Rezepte, die gleichzeitig auch „Ausflugsziel“ sind, das heißt zu jedem Rezept gibt es einen Tipp, wo man das Gericht in New York probieren kann (praktischerweise mit einem Stadtplan in der Umschlagsseite).

In der Einleitung heißt es: „Um alle Street-Food-Küchen dieser Welt zu besuchen, fliegen Sie einfach direkt nach New York. (…) Das Street-Food-Angebot in New York spiegelt die vielfältigen Essenskulturen der hier lebenden Nationalitäten wider.“ Dem kann ich nur beipflichten. Ich habe während unserer USA-Reise selten so authentisch, vielfältig und kreativ gegessen wie dort. Ich war in Mexiko, El Salvador, China, Japan, Italien, Texas, Louisiana… und das alles in ein paar Tagen. 😉 „Die US-amerikanische Küche kann nicht auf eine lange kulinarische Tradition und Stellung zurückblicken“, schreibt Tom weiter. „Hemmungslos werden gänzlich verschieden Zutaten miteinander kombiniert. Daraus entstehen überraschende Gerichte und grenzüberschreitende Kombinationen.“ Sowas liebe ich ja!

Neben den Rezepten erzählen Tom und Jaqueline ein bisschen was über die Geschichte des Street Food und der Foodtrucks, über die Stadt, über einige Street Food Verkäufer und über die Entstehung des Buches.
Den Text von Tom finde ich ein bisschen schwierig zu lesen. Er zieht sich auf knapp zehn Seiten wie ein roter Faden durch das Buch – leider auch in roter Schrift, was auf Dauer echt anstrengend zu lesen ist. Dafür aber sehr spannend! Er erzählt von all den Straßenverkäufern, die er getroffen hat, ihren Geschichten und Gerichten…
Die Texte von Jaqueline kommen häppchenweise thematisch daher und sind so etwas angenehmer zu lesen. Der Bericht über Red Hook hat mir besonders gut gefallen, davon berichte ich an anderer Stelle noch.

Pro Rezept gibt es eine Doppelseite: auf der einen Seite das Rezept, auf der anderen Fotos vom Gericht. Eigentlich bin ich ja kein Freund von verschiedenen Schriftarten, -größen und -farben in einer Publikation, aber hier geht das Konzept voll auf. Die Layouterinnen Natasja Billiau bzw. Julia Graff (deutsche Ausgabe) haben für jedes Rezept eine besonders gestaltete Überschrift gewählt. Mal fette, mal gestreifte oder gepunktete Buchstaben, mal kursiv, auch farblich jeweils anders gestaltet, die deutsche Übersetzung unter dem amerikanischen Titel dann nochmal in einer anderen Schriftart. Das bringt Unruhe in das Buch, die aber sehr wohl zum Thema passt.

New York Street Food Doppelseite Rezept

Neben Zutatenliste und Anleitung beinhaltet jedes Rezept noch zwei weitere Elemente: Zum einen liest man kleine Anmerkungen der Autoren, zum Beispiel „Unter der Brücke von Jackson Heigths entdeckte ich diesen sättigenden und preisgünstigen Snack“ bei den Scallion Pancakes oder kurze Tipps wie „Als Füllung eignen sich auch hart gekochte Eier, Rosinen oder Oliven“ bei den Papas Rellenas. Das gibt den Rezepten eine persönliche Note, sowas mag ich.

Das zweite Elemente sind Hinweise, wo man das Gericht essen kann: der Namen der nächstgelegenen Subway Station ist angegeben, die Preiskategorie und ein Hinweis auf die Adresse. Hier muss ich ein großes Veto einlegen und Kritik üben:

New York Street Food Hinweise

1. Das, was die Autoren hier als Subway Station bezeichnen, ist eher der Stadtteil. Die Haltestelle muss man sich dann selbst raussuchen. Zumindest die Subway-Linie hätte man angeben können. Schade. So ist diese Info eher überflüssig.  

2. Die Preise zu den Gerichten vor Ort in Stufen von 0 bis 15 Euro anzugeben, finde ich unnötig. Wenn Reiseführer das machen, weil sie zwischen günstigem Streetfood und teurer Sterneküche unterscheiden, ist das nützlich. Aber ob ich jetzt 5 oder 7 Dollar zahle ist mir ehrlich gesagt egal, wenn ich schon dabei bin, New York kulinarisch zu entdecken.

3. Die Adresse selbst muss man im hinteren Teil nachschlagen. Das ist unpraktisch, weil man dann hin und her blättern muss. Warum nicht die Adresse einfach auf die Seite schreiben? Hätte man sicherlich mit einem kleinen Stadtplanausschnitt hübsch gestalten können…

Die Fotos

Meine Leser wissen: Ich bin ein sehr visueller Typ und ich liebe gute Foodfotos. Sind sie ansprechend, sind sie der Hauptgrund für mich, ein Rezept nachzukochen.

Die Fotos von Luk Thys zeichnen sich durch eine Besonderheit aus: Sie sind allesamt nicht im Kochstudio gestylt und fotografiert worden, sondern „aus der Hand“ auf der Straße. Daher beeindruckt es mich um so mehr, dass die Gerichte trotzdem so aussehen, als würde ich gerne direkt zugreifen – obwohl viele in Plastikschälchen, Alufolie oder Papier daherkommen. Das zeigt mir mal wieder, wie wichtig Licht, Komposition, Farben, Strukturen etc. sind. Hach, bei Luk würde ich gerne mal in die Foto-Schule gehen…

New York Street Food Beispiel Foodfoto

Ist ein Gericht mal nicht so fotogen (der Oxtail Stew zum Beispiel), wird aus dem Foto eine Fotokollage gemacht, mit Fotos von Menschen oder Läden, die den Blick vom Essen weglenken. Überhaupt sind es nicht immer ganzseitige Fotos vom Gericht. Die Gerichte wirken attraktiv (auf mich), weil sie eingebettet sind in Kollagen von essenden Menschen, Gebäuden, Zutaten, Details etc.

Dass ein Buch über New York Street Food nicht nur mit Foodfotos auskommt ist klar. Man braucht auch den New York-Aspekt. Nach dem Empire State, Miss Liberty oder (meinem Favoriten) der Brooklyn Bridge, sucht man aber vergeblich. Und das ist gut so. Als Leser wird man durch die Fotos mittenhinein gezogen in das New Yorker Leben abseits von Tourismus-Pfaden. Man sieht Anzugträger, die in Schlagen vor Foodtrucks stehen (haben wir nahe der Wall Street auch beobachtet) oder junge Leute, die im Bryant Park lunchen. Damit man nicht vergisst, dass man in New York ist, sind immer mal wieder ein paar Elemente dabei, die einen daran erinnern: zum Beispiel die gelben Taxen oder halt doch das Empire – aber nicht als Hochglanzfoto wie man es aus Reiseführern kenn, sondern versteckt hinter einer Häuserfassade. Und natürlich immer wieder Foodtrucks, kleine Garküchen oder mobile Essensstände, die man genau so tatsächlich an jeder Straßenecke in New York antrifft.

New York Street Food Impressionen

Rezepte und kulinarische Reiseziele

Das Buch enthält 60 Rezepte und somit auch 60 Empfehlungen, wo man in New York Street Food kosten kann. Ich hätte ja nur zu gerne alles ausprobiert, aber wir hatten ja nur fünf Tage Zeit für diese Wahnsinnsstadt und Herr Löffelgenuss war schon sehr geduldig und hat meinen Wunsch, dieses und jenes zu probieren, heroisch ertragen.

In den folgenden Beiträgen berichte ich euch von den Empfehlungen aus dem Buch, denen wir gefolgt sind (nicht immer an den vorgeschlagenen Orten) und stelle euch einige Gerichte vor, die wir zu Hause nachgekocht haben (die Gerichte mit Sternchen sind inklusive Rezept). Den krönenden Abschluss bildet dann das Interview mit dem Foodfotografen Luk Thys.

Ich wünsche euch viel Spaß mit meinen kulinarischen Reiseskizzen und würde mich sehr über euer Feedback freuen! Die Vorbereitung der Street Food-Reihe hat total viel Spaß gemacht und ist mir zu einer Herzensangelegenheit geworden…, bin ein bisschen aufgeregt, wie ihr es findet… 😉

Eure Julia

P.s. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich für die Rezension kein Geld bekomme, oder?

Wenn ihr Lust auf weitere Kochbuch-Rezensionen habt, dann schaut mal hier: 
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Rezension: „Mini-Cocottes“

69055_Mini Cocotte Kochbuch_1Ich habe mir vor einiger Zeit zwei dieser hübschen Mini-Cocottes gekauft. Wollte ich schon lange haben, hauptsächlich, weil sie so schön aussehen. Dann hatte ich sie also in meiner Küche stehen und wusste nicht so recht, was ich damit anfangen sollte. Das Internet verriet mir, dass es einige Kochbücher speziell für Cocottes gibt. Dass der Hersteller der Cocottes, Le Creuset*, selbst ein Kochbuchbuch herausgibt, finde ich ungewöhnlich, es machte mich aber neugierig. Daher dachte ich mir, dass ich mir das mal anschaue und euch darüber berichte:

Erster Eindruck 

Das Buch ist in dem französischen Verlag  „Les editions culinaires“ erschienen. Das Format (quadratisch) find ich ungewöhnlich und sehr ansprechend. Die Qualität des knapp 100-seitigen Buchs ist leider nicht ganz so brillant: Das Buch ist zwar stabil, aber irgendwie ist es nicht so gut gebunden, bei meiner Ausgabe brechen die Seiten teilweise aus der Bildung. Auch haben einige Fotos auf die gegenüberliegende (weiße) Rezepte-Seite abgefärbt. Aber vielleicht ist meine Ausgabe einfach eine Montagsproduktion…

Layout & Gestaltung

Das Layout finde ich großartig! Das fängt schon bei dem passenden Format an (das Runde muss in das Eckige 😉 ) und geht auf der ersten Seite, dem Inhaltsverzeichnis, weiter: Die Grafiker haben sich getraut, das Inhaltsverzeichnis auf schwarzem Hintergrund zu gestalten (findet man selten, finde ich gut). Eingeteilt ist das Inhaltsverzeichnis in herzhafte und süße Cocotte, in einer schönen Schriftart und -farbe geschrieben. Außerdem hat das Grafik-Team (Anne Chaponnay, Soro Rey und Frantz Rey) DAS Gestaltungsmerkmal schlechthin verwendet, nämlich einen runden Kreis (angelehnt an die Cocotte, nehme ich an), der sich durch das gesamte Kochbuch zieht. 

Nicht so schön finde ich, dass nach dem Inhaltsverzeichnis eine ausführliche Info über die Poterie von Le Creuset folgt, und auf einer weiteren Doppelseite die anderen Produkte der Firma vorgestellt werden. Das ist Werbung. Das gehört nicht in ein Kochbuch, finde ich (außer es ist eine Gratisbeilage zum Produkt). Außerdem durchbrechen diese zwei Doppelseiten den schönen Gestaltungsstil…

Die Gestaltung der Rezepte gefällt mir sehr gut: Rechts ein ganzseitiges Foto und links die Auflistung der Zutaten und die Zubereitungsanleitung. Schön konsequent, das macht das Buch ruhig und man kann sich leicht orientierten und inspirieren lassen.

Die Schriftfarbe des Rezepts orientiert sich immer an der Farbe der Cocotte, die rechts neben dem Rezept abgebildet ist:  grüne Cocotte, ergo grüne Farbe für Grafik und Schrift. Harmonisch. Durchdacht. Mag ich. 

Und: Durch die Rezepte zieht sich, wie gesagt, immer ein kleiner Kreis. Sei es für die Angabe der Portionsgröße, der Zubereitungs- oder Garzeit oder für kleine Tipps. Nett gedacht.

Fotos & Foodstyling

Bei den Fotos erblasse ich (leider) vor Neid. Sie treffen genau meinen Geschmack. 

Die Foodstylistin Lissa Streeter hat die Gerichte ganz fantastisch in Szene gesetzt: Der „Vier-Käse-Makkaroni-Gratin“ wird in einer orangenen Cocotte serviert und steht auf einem Brettchen mit orange-roten Punkten. Das „Würzige Pilaw mit Zucchini“ in einer – zum Zucchinigrün passenden – grünen Cocotte auf einem grünen Untergrund. Und so weiter. 

Ich mag die kleinen Details, wie übereinanderliegende Löffel oder den Thymianzweig auf der Mini-Zwiebel-Suppe – jede Zutat scheint hier ihren Platz zu haben. Ansonsten ist das Foodstyling ohne viel Schnickschnack: Keine herumliegenden Kräuter oder Pfefferkörner, alle Gerichte wirken sehr „sauber“. So ein schönes, gedankenvolles, aber dennoch nicht überladenen Foodstyling habe ich selten gesehen. 

Tja. Was soll ich zu den Fotos sagen? So würde ich auch gerne fotografieren können. Loïc Nicoloso arbeitet sehr schön mit der Schärfentiefe und fotografiert fast alle Gerichte als Nahaufnahme, so dass die Cocotte den größten Teil des Fotos einnimmt. Die Bilder sind alle perfekt belichtet, gestochen scharf und farblich brillant. Neid!!

Rezepte & Texte

Als ich mir beim ersten Durchblättern die Rezepte anschaute, war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Die meisten Gerichte kocht man in einem Topf auf dem Herd, füllt sie in die Cocottes um und stellt sie dann in den Ofen. Damit kommt den Cocottes eher eine Deko-Funktion zu, als dass ich sie als Kochutensil bezeichnen würde. Viele Gedanken, wie man mit einer Cocotte kocht, habe ich mir vorher nicht gemacht, aber ich dachte, da passiert mehr in der Cocotte selbst. So als kleines One-Pot-Gericht… 

Außerdem war meine Erwartung an die Rezepte nicht sonderlich hoch. Immerhin ist es ein Kochbuch, das eine Firma herausgeben hat, vornehmlich um ein Produkt zu bewerben und nicht, um den Lesern bestimmte Gerichte vorzustellen. Gerichte mit dem „Ahhh- Mhmmm-Effekt“ habe ich nicht erwartet.

Von den 25 herzhaften und 15 süßen Rezepten habe ich Folgende nachgekocht:

Mini-Zwiebelsuppe
Mini-Spinat-Soufflé
Rührei mit Kräutern, Lachs und Frischkäse
Mangold-Shiitake-Gratin

Wie mir die Rezepte gefallen haben, könnt ihr in den nächsten Tagen hier nachlesen, ich stelle sie euch natürlich gerne vor. Vorab nur soviel: Umgehauen haben mich die Rezepte durch Kreativität oder außergewöhnlichem Geschmack wie erwartet nicht. Geschmeckt hat’s aber trotzdem.

Zu den Texten lässt sich nicht viel sagen, gibt nämlich nicht viele abgesehen von der Zubereitungsanleitung. Die liest sich OK, normal halt. Die kleinen Tipps, die in den Kreisen bei den Rezepten stehen, sind ganz nett.

So gar nicht ansprechend finde ich den Werbetext über Le Creuset als Einleitung in das Buch – viel zu werbend. Auch die Infos zu Beständigkeit, Handhabung und Oberfläche möchte ich nicht in einem Kochbuch lesen. Das hab ich ja schon auf den Beipackzetteln zur Cocotte gelesen. 

Ich hätte mich hier über mehr Infos zur Cocotte gefreut. Der Anfang liest sich ja ganz gut. „Eines der ersten Kochgeräte, die in dieser Gießerei produziert wurden, hieß „Cocotte“. Es ist ein gusseisern französischer Topf und sowohl sein Form als auch sein Name waren Grundstein für das umfangreiche Sortiment von heute. Unser Poterie Mini-Cocotte ist ein Tribut an die Le Creuset-Gusseisengeschichte“. Eh ja… und weiter? Was kochen die Franzosen darin klassischerweise – vor allem in den Mini-Cocottes? Ist das typisch französisch oder kochen auch andere Nationen in so kleinen Töpfen? Schmeckt ein Gericht anders, als wenn es in einer großen Cocotte zubereitet wird? Gibt es Zutaten, die besonders geeignet sind? Wer hat sich die Rezepte ausgedacht und warum ist das eine und nicht das andere Rezept in diesem Kochbuch gelandet? Das würde mich interessieren…

Mein Fazit

Die Gestaltung, das Foodstyling und die Fotos gefallen mir ausgesprochen gut, ebenso wie die Gestaltung des Kochbuchs. Punktabzug gibt es für die Qualität der Bindung und den Druck, da habe ich bereits hochwertigere Bücher in der Hand gehabt.

Die Rezeptauswahl ist interessant, auch kreativ, aber ich hätte mir mehr Rezepte gewünscht, die man in der Cocotte selbst zubereitet. Die Rezepte, die wir ausprobiert haben, haben uns gut geschmeckt. 

Also ja, ich kann das Buch empfehlen, zumal es mit knapp 13 Euro vergleichsweise günstig ist. 

Eure Julia

*Ich habe für die Rezension kein Geld erhalten, die Agentur, die Le Creuset betreut hat mir lediglich (auf meine Bitte hin) ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ich gebe hier meine persönliche, unbeeinflusste Meinung wieder.

Rezension: „Rezepte für einen italienischen Sommer“

121213_01_Italian Summer_German_JACKET AW_ab.indd                                                                                                                  Foto: Edel AG
Wie ihr wisst, probiere ich gerne neue Rezepte aus. Gerne Rezepte aus fernen Ländern mit unzähligen exotischen Gewürzen. Aber wenn ihr mich fragt, welche der großen Welt-Küchen mir am besten gefällt, muss ich zugeben, dass ich die italienische (bzw. mediterrane) Küche am liebsten mag. Sie ist verlässlich gut, kreativ aber nicht sehr aufwendig, bietet viel Abwechslung und hat die besten Klassiker – nämlich Antipasti, Pasta und Pizza 🙂

Daher habe ich mich wahnsinnig gefreut, als ich vor einigen Wochen eine sehr nette Email von Edel Books in meinem Postfach fand, mit der Frage, ob ich mir ihr Kochbuch „Rezepte für einen italienischen Sommer“ mal anschauen möchte. Nachdem ich im Netz fast ausschließlich gute Besprechungen über den Nachfolger des Bestsellers „Der Silberlöffel“ („die Bibel der italienischen Küche“) fand, war ich neugierig…

Mein erster Eindruck
Als ich das Paket öffne, bin ich erst mal beeindruckt: Ich halte einen über 400 Seiten starken, schweren Brocken in meinen Händen, der mir auf den ersten Blick gefällt: Ein schlichtes, schön illustriertes, stabiles Cover mit Schutzumschlag (für die Küche ganz nützlich…), ein hochwertig verarbeitetes Buch mit Fadenbindung, Lesebändchen und festem Papier.
Beim ersten Durchblättern spricht mich das Layout an: die Schreibmaschinenschrift, das zarte hellgrau der weiß umrandeten Seiten sowie die großformatigen Fotos von der italienischen Landschaft und den Gerichten. Aber ich bin auch gleichzeitig erschlagen von so vielen Rezepten und weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Über 350 italienische Rezepte bietet das Kochbuch!

Struktur
Die Kapitel sind in interessante, ungewöhnliche Kategorien unterteilt: „Picknick“, „Salate“, „Grillen“, „Leichte Mittag- und Abendessen“, „Sommerfeste“, „Desserts“ und „Eiscreme und Getränke“. Das hört sich erst mal schön an, aber: Man kann doch sowohl auf Sommerfesten als auch bei einem Picknick Salate essen und auch grillen, oder? Und ist nicht Eiscreme auch ein Dessert? Die Einteilung der Rezepte erschließt sich mir nicht. Ich kann besser mit klassischen Kategorien wie „Suppen“, „Salate“, „Pasta“ oder „Fisch“ und „Fleisch“ arbeiten. Daher bin ich erst mal etwas überfordert und beschließe, mich einfach durch das Kochbuch treiben zu lassen.

Layout & Fotos
Das Layout des Kochbuchs ist sehr schlicht und konsequent. Alle Seiten haben, wie oben schon geschrieben, einen weißen Rand und die Textseiten einen hellgrauen Hintergrund. Das lässt das Layout sehr luftig und aufgeräumt wirken, gefällt mir sehr gut.
Die Darstellung der Rezepte ist klassisch: links die Zutatenliste, rechts wird die Zubereitung beschrieben.
Nett ist, dass unter jedem deutschen Rezept-Titel die italienische Übersetzung steht: „Spaghetti freddi al tonno ed erba cipollina“ klingt viel besser als „Kalte Thunfischspaghetti mit Schnittlauch“ oder? 🙂 So lernt man quasi nebenbei noch ein bisschen Italienisch und wenn man die Titel laut ausspricht, etwas Singsang einfließen lässt und das „r“ schön rollt, fühlt man sich gleich wie eine Italienerin. Bene, eh?! 😉

Leider wurden nur wenige Gerichte fotografiert. Im Kapitel „Leichte Mittag- und Abendessen“ sind es gerade mal zwölf von über 70 Gerichten. Schade, ich lasse mich am ehesten von „leckeren“ Fotos inspirieren – vor allem, wenn sie gut sind. Und das ist hier meistens der Fall:
Die großformatigen Fotos von Rezepten und Zutaten (Andy Sewell) und von Italien (Joel Meyerowitz) gefallen mir ausgesprochen gut. Die Landschaftsfotos wecken die Sehnsucht nach Italien und man möchte direkt den Koffer packen und Richtung Süden fahren.
Das Foodstyling der Gerichte ist klar, ohne viel Schnickschnack, rustikal, italienisch, appetitlich.
Die schlichten, fast stillleben-ähnlichen Bilder gefallen wir besonders gut (vielleicht gerade deshalb, weil sie mir selbst nie gelingen?). Zum Beispiel die roten Lauchzwiebeln auf einem einfachen Holzbrett oder das lodernde Feuer in einem Steingrill. Sehr schön.

Texte & Rezepte
Bei den Einleitungstexten zu den Kapiteln fehlen mir leider der gewisse Pfiff und ein roter Faden. Die Texte erzählen keine Geschichten und vermitteln keine Atmosphäre von Land und Leuten. Das finde ich schade. Man hätte den Leser mitnehmen können auf eine Reise in die alten und modernen Küchen Italiens – so wie es die Fotos tun. Ich erfahre gerne, woher ein Rezept kommt, warum es in ein Kochbuch aufgenommen wurde und vielleicht den ein oder anderen besonderen Trick bei der Zubereitung. Ich könnte mir vorstellen, dass es einfach keinen Platz mehr gab für ausschweifende Geschichten. Dafür enthält das Buch einfach zu viele Rezepte.

Auffällig ist, dass sich die Zutatenliste bei jedem Rezept in Grenzen hält. Ein tolles Gericht entsteht also schon aus einigen wenigen Zutaten. Die Zubereitungsmethoden sind gut verständlich beschrieben, da kann nix schiefgehen.

Folgende Rezepte habe ich nachgekocht und werde sie euch in den nächsten Tagen hier vorstellen. Soviel sei vorab verraten: Sie waren allesamt köstlich! 🙂

Crostini mit Salsiccia und Stracchino
Bresaolaröllchen mit Paprika
Sardische Brotsuppe
Basilikumsorbet

Mein persönliches Fazit
Alle Rezensionen von „Rezepte für einen italienischen Sommer“, die ich gelesen habe, waren positiv. Und dann handelt es sich auch noch um den Nachfolger eines Bestsellers. Meine Erwartungen waren vermutlich zu groß. Ich bin mir auch sicher, dass der ein oder andere meine Meinung nicht teilt. Und ich bin mir auch sicher, dass die Redaktion dieses Kochbuch mit großem Ehrgeiz gestaltet hat. Aber ich habe mir vorgenommen, ehrlich zu sein. Mir tut es Leid, das zu schreiben, aber meinen Geschmack trifft das Kochbuch als Gesamtkunstwerk bedauerlicherweise nicht 🙁
Mich erschlägt die Menge an Rezepten, das Buch wirkt auf mich eher wie ein Nachschlagewerk als wie ein (inspirierendes) Kochbuch. Und mir fehlt bei den Rezepten die persönliche Note, das „Gesicht“ hinter dem Rezept. Solche Geschichten machen Rezepte – neben den Fotos – für mich authentisch und ich habe Lust, sie nachzukochen.
Was Kochbücher angeht, bin ich sehr visuell. Ich brauche Bilder, um mich inspirieren zu lassen. Die meisten Bilder gefallen mir zwar gut, aber es sind einfach viel zu wenig. Bei Löffelgenuss (wie auch in allen anderen Foodblogs) hat jedes Rezept ein eigenes Foto. Klar kann man in einem Kochbuch (dieser Größe) nicht jedes Gericht fotografieren, aber dann lieber weniger Gerichte, aber dafür mehr Fotos, finde ich.
So. Jetzt fühle ich mich schlecht, weil ich so wenig Positives schreiben konnte. Aber es war nun mal meine Meinung gefragt. Am besten ihr bildet euch eine eigene Meinung. Vielleicht kennt der ein oder andere das Kochbuch auch schon? Wie ist eure Meinung?

Liebe Grüße
Eure Julia

p.s. Das Kochbuch wurde mir kostenlos und unaufgefordert vom Verlag zur Verfügung gestellt. Für die Rezension habe ich kein Honorar bekommen und sie spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider. 

Rezension „Die portugiesische Küche“

Portugiesische Küche
Heute möchte ich euch ein ganz wunderbares Kochbuch vorstellen: Und zwar „Die portugiesische Küche“ von Alexandra Klobouk und Rita Cortes Valente de Oliveira, das erst kürzlich im Kunstmann-Verlag erschienen ist.

Als der Verlag mich fragte, ob ich das Kochbuch unverbindlich anschauen wollte, habe ich direkt zugesagt: Wir waren letzten Sommer in Portugal und da war ich natürlich neugierig, was es in dem Kochbuch so zu entdecken gibt.

Das Cover
Das warme, fröhliche Gelb des Covers springt einem schon von Weitem ins Auge und macht direkt gute Laune. Und die Zeichnung der reich gedeckten Familien-Tafel auf dem Titel macht Lust auf mediterrane Küche. Das gebundene Buch lässt sich gut anfassen und macht einen hochwertigen Eindruck: Fadenbindung, festes Cover, eingestanzter Titel, dickes Papier (solche haptischen Sachen mag ich gerne).

Inhaltsverzeichnis & Einleitung
Die Gestaltung des Inhaltsverzeichnisses spricht mich leider nicht so sehr an. Bisschen… wie soll ich sagen? Langweilig? Oder es liegt an der gewählten Schriftart? Finde aber auch, dass Inhaltsverzeichnisse generell schwer zu gestalten sind…
Darüber hinaus enthält das Inhaltsverzeichnis nur die Besonderheiten eines jeden Kapitels (z.B. „Bacalhau selber machen“ oder „Kleine Sprachkunde: Paprika auf Portugiesisch“), nicht aber eine Übersicht aller Rezepte. Schade, so kann man nicht mal eben nach einem Gericht suchen.

Los geht’s mit einer Einführung in die Küche Portugals. „Portugiesisches Essen ist traditionell bodenständig und pur. Hier dürfen die Zutaten noch so schmecken, wie sie sollten – nach sich selbst“, schreibt Rita Cortes Valente de Oliveira und erzählt uns von den geographischen Voraussetzungen für diese Küche (viiieeel Küste, grüne Hügel, kalte Winter im Norden, fast nordafrikanische Wärme im Süden). Dann erklärt sie, wie das Kochbuch aufgebaut ist. Schade. Ich hätte mir hier noch mehr Einblicke in die portugiesische Küche oder Kultur gewünscht. Den Aufbau hätte man besser ins Inhaltsverzeichnis nehmen können.

Das Kapitel „Über dieses Kochbuch“ von der Kulturillustratorin Alexandra Klobouk beschreibt auf schöne Art, wie das Kochbuch entstanden ist: „Diesem (…) ersten gemeinsamen Kochen mit anschließendem Gelage folgten viele weitere Abende, an denen Rita wunderbare Rezepte und deren Geschichten mit mir teilte – sowie viele Flaschen guten portugiesischen Weins, von dem man nie Kopfweh, aber immer gute Ideen bekommt.“. (Das mit den Ideen kann nur unterstreichen!) Genau so wie diese Entstehungsgeschichte wirkt dieses Buch übrigens auch: authentisch.

Die Illustrationen
Ich habe ja gerade erst ein anderes Kochbuch rezensiert, das mit Illustrationen daherkommt („Das Gelbe vom Ei“). Man kann die beiden Kochbücher aber überhaupt nicht vergleichen.
Die Illustrationen von Alexandra Klobouk sind – wie die von Peter Gaymann – auch witzig, aber auf ganz andere Weise. Sie sind gröber, wirken spontan, als hätte sie sie einfach aus dem Handgelenk geschüttelt. Man sieht den Bildern die Leidenschaft fürs Zeichnen und für Genuss an, finde ich. Klingt komisch, ist schwer zu beschreiben… Ich versuch’s mal:

Bei den „Grünen Bohnen im Teigmantel“ hat sie eine Schale lächelnder Bohnen in die Bildmitte gezeichnet. Unten auf der Seite sieht man einen Angler, der sich die Bohnen vom Teller angelt (mit einer Gabel als Köder 😉 ) und genüsslich in seinen Mund befördert. Der Angler hat die Augen geschlossen und sieht aus, als würde er die Bohnen richtig genießen.
Noch ein schönes Beispiel ist die Illustration zu Pica-Pau (pikante Fleischhappen), mit der Alexandra Klobouk eine Theorie zur Namensgebung des Rezeptes entwickelt (Pica-Pau heißt ‚Specht’ auf Portugiesisch). „Wenn der Hunger wie in kleiner Specht am Bauch pickt, gibt es am besten Pica-Pau“, steht handschriftlich neben der Zeichnung, auf der man einen Mann „mit Bauch“ sieht, auf dem ein kleiner Specht sitzt und am Bauch pickt. Darunter die weitergedachte Konsequenz: eine Pfanne mit Pica-Pau (auf einen Baumstumpf gestellt) auf der wieder der kleine Specht sitzt und die Fleischhappen mit seinem spitzen Schnabel aufpickt. „Mit Zahnstochern kann man die Happen picken wie ein kleiner Specht“, steht daneben.

Die Fotos
Die Fotos muss man in zwei Kategorien einteilen: einmal gibt’s da die fotografierten Gerichte und einmal „Impressionen“, nenne ich es mal (Fotos: Mariana Veloso und Ricardo Jorge Pereira).

Die Fotos der Gerichte (sind nicht so viele, nicht jedes Gericht wurde fotografiert) passen vom Foodstyling her sehr gut zum Buch und zur portugiesischen Küche: Allesamt sind sie sehr rustikal, ohne viel Schnickschnack. Sehen aus als hätte der Fotograf mal eben abgedrückt und direkt ein gutes Bild im Kasten (vermutlich ist es nicht so…). Mir persönlich gefallen zugegebenermaßen die „inszenierten“ Bilder besser, aber hier sind die authentisch wirkenden Bilder genau passend.

Die „Impressionen“-Bilder geben dem Kochbuch Atmosphäre und machen Lust auf Portugal. Sehr schön finde ich zum Beispiel diese Doppelseite: links eine ganzseitige Nahaufnahme von frischen Sardinen auf einem Grill, rechts davon zwei große Querformat-Fotos: eine junge Frau, die einen Teller in der einen Hand hält (auf dem man gegrillten Fisch, Brot und Salat sieht) und die sich mit der anderen Hand die Finger ableckt. Total natürlich, wie ein Schnappschuss. Darunter ein Foto von einem Mann und einer Frau, die sich mit rustikalen Wein-Gläsern zuprosten, im Hintergrund erkennt man verschwommen einen Strand.
Jetzt hätte ich Lust, Fisch zu grillen und dazu ein Glas Weißwein zu trinken. Wenn Fotos genau das schaffen, finde ich, sind sie gut.

Aufbau, Gestaltung und Texte
Jedes Kapitel – wie zum Beispiel Suppen, Fisch, Fleisch, Beilagen – beginnt mit einer kleinen Einführung. Mit sehr sehr schönen Texten. Wie zum Beispiel im ersten Kapitel: Es widmet sich den „Petiscos“, den Appetithappen (schönes Wort!): „Petieschkuusch – das klingt nach kleinen, feinen Dingen, nach picken, knabbern und probieren…. Eine wörtliche Übersetzung gibt es dafür nicht. Es bedeutet soviel wie: kleine Leckerei. Und das sind sie – kleine Portionen von kalten und warmen Vorspeisen, regional und saisonal unterschiedlich. Sie vereinen auf köstliche Weise zwei der liebsten Beschäftigungen der Portugiesen: essen und beisammen sein.“

Ein anders Beispiel ist der letzte Satz in der Einleitung des Suppen-Kapitels: „Blättern Sie um und lassen Sie sich Bauch und Herz erwärmen!“ Wie schön geschrieben! Der Einladung folge ich gerne :-).

Die Präsentation der Rezepte ist recht klassisch, jedes Rezept bekommt eine ganze Seite: links eine Zutatenliste, rechts daneben die Anleitung für die Zubereitung. Dass die Seite somit eine große Weißfläche hat, finde ich gut (gibt nix schlimmeres als „Bleiwüsten“…). Ab und zu gibt es auf der Seite noch eine kleine Schwarz-Weiß-Zeichnung von im Rezept verwendeten Zutaten. Nett. Manchmal stehen unter dem Rezept noch ein paar Tipps oder kleine Anekdoten. Auch nett.

Die Rezepte stehen immer auf der linken Seite des Buches, rechts gibt es ganzseitig entweder eine Zeichnung oder ein Foto vom Gericht. Diese Konsequenz mag ich. So kann man das Kochbuch gut durchblättern und gezielt nach Rezepten gucken (das Auge muss dann nicht immer von rechts nach links oder oben nach unten springen).

Zwischen den Rezepten gibt es immer mal wieder Doppelseite mit den oben beschriebenen „Impressionen“- Fotos oder Zeichnungen, zum Beispiel wie man Bacalhau selber zubereitet. Sehr schön!

Die Rezepte
Jedes Rezept, das eine Chance hat, nachgekocht zu werden, bekommt ein Post-it.
Je mehr Post-its ein neues Kochbuch also von mir bekommt, desto besser gefällt es mir in der Regel. „Die Portugiesische Küche“ steht mit 25 Post-its an zweiter Stelle (die meisten Post-its hatte bisher das „Genussvoll vegetarisch“).

Drei Rezepte habe ich direkt am ersten Abend für ein „petiscar“ (=gesellige Runde, die kleine Köstlichkeiten miteinander teilt) nachgekocht: eine Gaspacho mit Erdbeeren , Pica-Pau und Gambas Piri-Piri. Die Tage habe ich dann noch zwei weitere Rezepte ausprobiert: Schweinefilet in Portwein, dazu einen Reis mit dunklen Zwiebeln.
Soviel kann ich schon verraten: Alle Gerichte waren köstlich und erhalten das „mhmlecker-Siegel“ 😉 Und ich werde sie euch natürlich in den nächsten Tagen hier vorstellen.

Gaspacho mit ErdbeerenPica-PauGambas Piri Piri Schweinefilet in Portwein Zwiebel-Reis

Falls ihr wissen möchtet, welche Rezepte mir u.a. noch gefallen haben: Die folgenden Gerichte werde ich im Laufe des Sommers sicherlich noch ausprobieren und wenn sie gut sind, dürft ihr euch auch hier auf einen Bericht freuen.

  • Marinierte Sardinen
  • Tomatensuppe aus dem Alentejo (mit Bauchspeck und Chourico)
  • Reis mit Meeresfrüchten (hat Herr Löffelnuss in Lissabon gegessen, köstlich!)
  • Gegrillter Bacalhau mit Knoblauch-Olivenöl-Sauce
  • Caldeirada (berühmter geschichteter Fischtopf)
  • Degenfisch mit gebackenen Bananen (haben wir auf Madeira gegessen, genial!)
  • Frango Piri-Piri (gegrilltes, plattes Huhn. Gibt es in Portugal an jeder Ecke…)

Hach, ich könnte noch stundenlang weiterschreiben. Aber euch brennen sicher schon die Augen vom Lesen (bissl lang geworden der Text…). Ein Fazit brauche ich wohl nicht zu ziehen, ihr habt sicherlich gemerkt, dass mir das Buch richtig gut gefällt. Es macht Lust auf die Küche und Kultur Portugals, es wirkt ehrlich und die nachgekochten Gerichte haben uns alle wirklich gut geschmeckt. Das Kochbuch kostet im Handel 30 Euro. Ich finde, es ist seinen Preis wert.

(Der Ordnung halber schreibe ich noch mal, dass ich das Kochbuch kostenlos und unaufgefordert vom Verlag erhalten habe (ohne Honorar). Selbstverständlich habe ich mir aber vorbehalten, das Buch ganz unabhängig zu besprechen – ob positiv oder negativ.)

Tchau e bom apetite!
Eure Julia

 

Rezension „Lust auf Genuss“

Cover_05_LEH.indd                                                                                                      Foto: Hubert Burda Medien

Vielleicht erinnert ihr euch: Ich habe vor Kurzem die Zeitschrift „Lecker“ rezensiert. Leider hat sie mir nicht wirklich gut gefallen (kann man hier und hier nachlesen). Daher hat mir die Agentur* angeboten, eine andere Zeitschrift zu testen. Und zwar die „Lust auf Genuss“. Die Ausgabe 5/2014, auf die sich die Rezension hier bezieht, dreht sich rund ums Grillen.

Fangen wir mal mit den „Äußerlichkeiten“ an:
Das klassische Zeitschriftenformat gefällt mir schon mal gut – besser als das Querformat der Lecker. Das Papier ist schön fest, man kann die Zeitschrift also auch gut mit in die Küche nehmen, ohne dass sie danach aussieht wie mitgekocht.
Mit 4 Euro ist die Zeitschrift nicht gerade günstig, liegt aber noch im Mittelfeld der Kochzeitschriften, die ich so kenne.
Den Namen finde ich große klasse! Ich weiß auch nicht warum, aber ich liebe das Wort „Genuss“ – sowohl phonetisch als auch graphemisch (… sage ich als alte Linguistin 😉 und meine damit den Klang und das Schriftbild. Nicht umsonst taucht das Wort ja auch in meinem Blognamen auf…).

Fotos & Layout
Was mir an der Zeitschrift am besten gefällt, sind die großformatigen Fotos. Man sieht ihnen an, dass sich jemand wirklich Gedanken und Mühe gemacht, die Gerichte optimal in Szene zu setzen.
Die Grill-Fotos haben alle eine rustikales Atmosphäre, was natürlich gut zum Thema passt: Das „Tomahawk-Steak“ auf der Titelseite sieht zum Beispiel aus als komme es direkt vom Rost: Ein saftiges T-Bone-Steak mit großem Knochen, das auf einem alten Holzbrett liegt. Ein bisschen Bratensaft läuft aus dem Fleisch, darüber sind ein paar Körner Salz und Pfeffer und ein paar Stile frischer Koriander verteilt.
Links neben dem Fleisch sieht man ein paar knusprig gebratene Kartoffelspalten in einem Einmachglas (schöne Idee!), rechts daneben steht ein Schälchen mit einer zum Fleisch passenden Tomaten-Salsa. Dahinter liegen Limetten-Spalten und grüne Chili, die sich dann auch im Rezept zur Salsa wiederfinden – also keine Zutaten, die optisch einfach gut zum Bild passen, sondern auch tatsächlich benutzt werden. Das mag ich, denn bei mir funktioniert Kochen übers Auge: Wenn ich etwas sehe (hier also Limetten und grüne Chili) kann ich mir besser vorstellen, wie die Salsa schmeckt.

Das Layout kommt ohne viel Schnick und Schnack aus, so dass die Fotos und die Rezepte im Vordergrund stehen. Auf den Fotos steht ein kurzer Text was auf dem Bild zu sehen ist, der nicht störend wirkt, und eine graphisch passende Überschrift.
Die Rezepte werden in Gruppen auf Doppelseiten hinter den Fotos veröffentlicht: Oben noch mal das Foto in klein, darunter die Zutatenliste und die einzelnen Schritte der Zubereitung. Praktisch.

Die Rezepte
Wie gesagt, ist diese Ausgabe dem Grillen gewidmet. Da wir leider keinen Grill(platz) haben, sind die Rezepte nicht soooo interessant für mich. Aber wenn ich das nächste Mal wieder in die Nähe eines Grills komme (Gruß an Nils!), kann ich mir durchaus vorstellen, das ein oder andere Rezept auszuprobieren. Zum Beispiel das oben beschriebene Tomahawk-Steak, das Hähnchen in Cachaça-Marinade oder Spareribs in Bier-Marinade. Sehr gut gefällt mir, dass es viele Beilagen-Rezepte gibt – sogar mehr als für Fleischgerichte! Was ich am Grillen nämlich besonders mag, ist die Vielfalt, die man kosten kann. Daher sind die Beilagen beim Grillen für mich genauso wichtig, wie gutes Fleisch.
Da wir wie gesagt leider bei uns nicht grillen können, habe ich mir zum Ausprobieren das Rezept für den Quinoa-Salat mit zweierlei Bohnen rausgesucht. Dazu gibt’s in der Pfanne gebratene Merguez (warum, lest ihr unten).

Das Konzept
Neben den Rezepten gibt es Seiten mit Tipps, Ideen und Trends. Hier wurde ich gleich zwei Mal positiv überrascht: einmal mit einem Beitrag über orangefarbene Weißweine und mit einem Artikel über Wurstmanufakturen.

Von „Orange Wine“ habe ich tatsächlich noch nie gehört. Dabei handelt es sich um Weißweine, die wie Rotweine hergestellt werden: „Das heißt, sie werden ohne künstliche Zusätze auf der Maische (den Schalen und Kernen) teils Tage, Wochen, teils sogar Monte vergoren. Durch diesen langen Traubenkontakt gewinnen sie ihren orange- bis bernsteinfarbenen Ton“, erklärt Andreas Tscheppe, ein Winzer aus der Südsteiermark. Herr Löffelgenuss und ich trinken ja sehr gerne Wein, daher wäre der orangene Weißwein sicher mal ein Versuch wert…

Ebenfalls interessant, finde ich den Beitrag „Aus Liebe zur Wurst“, in der die Redaktion Wurstmanufakturen vorstellt. Der Beitrag hat mir Appetit gemacht, so dass es heute Abend auf jeden Fall Wurst als Beilage gibt. Allerdings nicht der deutsche, blasse Klassiker (mag ich nicht so), sondern ihre afrikanische Schwester, die Merguez, die es glücklicherweise auch beim Metzger in Nippes gibt. Dennoch überlege ich jetzt, etwas zu tun, was ich noch nie gemacht habe: Wurst im Internet bestellen. Da bietet ein Metzger italienische Fenchelbratwust, feurige Salsiccia, Bärlauchbratwurst, Merguez oder Knoblauch- und Kräuterbratwurst an, die sie in der Tradition der Warmfleischverarbeitung herstellen. Das klingt seeehr gut. Mal schauen…

Ganz toll auch das letzte Kapitel im Heft, in dem Foodblogger vorgestellt werden. Klar, dass mir das gefällt, nä? 🙂 Davon, dass Löffelgenuss da mal vorgestellt wird, kann ich wohl leider nur träumen… hach…

Noch eine Anmerkung zum Schluss: Der klischeebehaftete, stereotype Artikel über „Grillen als östrogenfreie Zone“ von Roland Trettl gefällt mir so gar nicht. Ich könnte jetzt gaaanz lange dazu was erzählen, aber das lass ich besser mal. Mir hätte es zwar besser gefallen, wenn die Redaktion eine Grillmeisterin vorgestellt hätte, aber vielleicht müssen bei dem Thema dann doch Macho-Klischees bedient werden….

Eure Julia

* zeitschriften-abo.de stellt mir drei Ausgaben der Zeitschrift „Lust auf Genuss“ kostenlos und unverbindlich zur Verfügung.