Food Editors Jahrestagung 2026 in Essen – Rückblick

Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder des Food Editors Club zu einer Jahrestagung. Hier tauschen wir uns aus, bilden uns weiter und entdecken, was der Genussmarkt an spannenden Produkten zu bieten hat. Die diesjährige Tagung fand im Herzen des Ruhrgebiets statt: in Essen – meiner alten Heimat. Und ich habe das Rahmenprogramm federführend organisiert, gemeinsam mit meinen Kolleginnen Anja Tanas und Sarah Schocke. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass das eine besondere Aufgabe das für mich war. Davon möchte ich euch heute erzählen:
Gänsehaut-Moment auf Zollverein
Aber bevor ich von KI, Currywurst und Co. berichte, muss ich euch von einem kleinen Gänsehaut-Moment erzählen: Zum Abschluss der Tagung waren wir auf Zeche Zollverein (weil sie wie kein anderer Ort für das Ruhrgebiet steht).
Plötzlich trafen wir durch Zufall auf eine Gruppe älterer Männer in traditioneller Bergmannstracht. Ich habe sie sofort erkannt – es waren Mitglieder des Steiger Chors – und sie angesprochen. Spontan stimmten sie das Steigerlied für uns an.



Mein Opa war Bergmann. Ich hatte Gänsehaut. Es war eine Erinnerung daran, wo ich herkomme und wie viel Stolz und Gemeinschaft in dieser Region stecken. Das war, trotz all der kulinarischen Highlights, mein persönlicher Höhepunkt unserer Jahrestagung.
Kulinarik zwischen Kumpel-Bier und feinen Weinen
Aber zurück zum Anfang: Der Startschuss fiel am Freitagabend – wie sollte es im Pott anders sein – mit einer ehrlichen Currywurst von „Lecker Werden“, begleitet von eisgekühltem „Mücke Craftbeer“ (gesponsert). Letzteres ist übrigens nach dem letzten Grubenpferd der Zeche Zollverein benannt, wie uns Gründer Dennis Pfahl erzählte.
Zur Erfrischung gab es Mineralwasser und Limo von Schloss Quelle (gesponsert). Das gab es früher bei uns zu Hause immer und ich erinnere mich noch gut an deren Quelle im Schlosspark Borbeck, wo ich aufgewachsen bin (also nicht im Schloss, sondern in Borbeck).

Wein gibt es im Ruhrgebiet ja (noch?) nicht. Daher hatte ich mich für Wein und Sekt vom Weingut Schenk-Siebert (Teil-Sponsoring) aus der Pfalz entschieden. Ich kenne Johannes und Christoph aus einer früheren Zusammenarbeit und schätze die handwerkliche Qualität der Jungs sehr.



Dann kam mir noch die Idee, den alkoholfreien Sekt vom Weingut Dr. Hinkel (gesponsert) aus Rheinhessen vorzustellen. Ich hatte Peter mal auf einer Pressereise kennengelernt. Für einen dpa-Beitrag über alkoholfreie Weine hatte ich unzählige Varianten probiert – ihr Sekt gefiel mir am besten. Da bin ich übrigens nicht allein: Der „DriVer“, so heißt sein alkoholfreier Sekt (weil er Verjus enthält), wird weltweit in allen deutschen Botschaften ausgeschenkt.
Ein köstlicher Abschluss unseres ersten Abends in Essen-Rüttenscheid war das Eis von „I am Love“ (gesponsert). Die haben leckere und kreative Eissorten wie etwa „Teheran“ mit Safran, Rose und Pistazie oder „Mango Sticky Rice“. Beeindruckt hat mich aber auch die Philosophie: Kevin Kuhn erzählte uns, wie er mit seinen Entscheidungen für faire Handelspartner oder dem Verzicht auf künstliche Aromen ein Zeichen setzen möchte.



Abendessen im Tablo mit Weinen der DHA
Am Samstag haben wir im Restaurant tablo zu Abend gegessen. Das tablo ist ein alteingesessenes türkisches Fine-Dining-Restaurant in Essen. Da in den 1960er-Jahren viele türkische Gastarbeiter ins Ruhrgebiet kamen, hat auch diese Esskultur die Region geprägt, und das wollten wir gerne zeigen. Die Küche des Gastgeberehepaars Dogan verbindet mediterrane Einflüsse mit modernen Akzenten, ist geprägt von frischen Zutaten, sorgfältiger Zubereitung und langjähriger Erfahrung.
Die Weine wurden von der Deutschen Hotelakademie (DHA) gesponsert. Ich habe dort gerade meine Weiterbildung zur Assistant Sommelière abgeschlossen und bin von der fachlichen Qualität so überzeugt, dass ich sie gerne weiterempfehle. Sommelier und Dozent Sebastian Russold war an dem Abend zu Gast und hat uns die Weine vorgestellt, die er passend zum Menü ausgewählt hatte.



Nur für Mitglieder: Geballter fachlicher Input
Als Tagungsort haben wir das Mintrops Stadthotel ausgewählt – unter anderem, weil das mehrfach ausgezeichnete Hotel in einem der schönsten Stadtteile Essens liegt: auf der Margarethenhöhe. Sie gilt als erste deutsche Gartenstadt und war damals ein Musterbeispiel für modernen Siedlungsbau. Davon konnten wir uns während eines geführten Spaziergangs überzeugen. Außerdem kocht Stephan Kneucker im „M“ moderne Ruhrgebietsküche mit Bio-Gemüse aus eigenem Anbau.



Apropos Genuss: Nach dem zweiten Teil unserer Mitgliederversammlung kamen wir in den Genuss von Monte Nevado Schinken, den uns ein Cortador, ein spezialisierter spanischer Schinkenschneider, frisch aufschnitt. Genussbotschafter Ingmar Rauch vom Essener Familienbetrieb R & S, der uns das Tasting sponserte, erklärte uns dazu die Besonderheiten des Produkts.
Neben der Kulinarik ging es auf unserer Tagung in verschiedenen Vorträgen um die Zukunft unseres Berufsstandes:
KI – Segen oder Fluch?
Meine Kölner Kollegin Bettina Blaß gab praxisnahe Einblicke in KI-Tools, die unseren Redaktionsalltag effizienter machen können. In der anschließenden Panel-Diskussion, moderiert von unserem Mitglied Nik Wojtko, diskutierten David Breul, Chief Content Officer von Chefkoch, IT-Experte Irmin Wiechmann und Kommunikationsdesigner Oliver Wagner kritisch über die Chancen von KI bei der Rezeptkreation und Content-Entwicklung. Hier ein paar Inhalte des Vortrags, zu denen es praxisnahe Beispiele gab;
- KI reicht von der einfachen Inspiration bis hin zur automatisierten Workflows. Unsere professionelle Qualitätssicherung und Entscheidungshoheit über die Inhalte steht immer an erster Stelle.
- Für gute Ergebnisse müssen Prompts eine klare Rolle, den spezifischen Kontext und strikte Grenzen definieren – auch, um rechtliche Risiken zu vermeiden.
- Wir Journalistïnnen müssen unsere Inhalte zunehmend für KI-basierte Suchsysteme optimieren, um in einer Welt von „Zero-Click“-Anfragen sichtbar zu bleiben. Hierbei gewinnen Autorität, Vertrauen und eine klare Informationsstruktur massiv an Bedeutung.


Esskultur im Wandel
Jens Lönneker vom Forschungsinstitut Rheingold Salon hat uns eine Studie vorgestellt, die er kürzlich anlässlich eines Ernährungssymposiums der Heinz Lohmann Stiftung (gesponsert) durchgeführt hat. Darin analysiert er den Wandel der deutschen Esskultur über einen Zeitraum von 40 Jahren. Zentrales Ergebnisse:
- Die Bedeutung von Gesundheit und Selbstoptimierung nimmt zu.
- Der „Mind-Behaviour-Gap“ wird größer. Also die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach einer gesunden, nachhaltigen Ernährung und dem tatsächlichen Handeln der Konsumenten.
- Technologische Fortschritte sowie soziale Medien die Ernährungsdebatte führen zu einer stärkeren Digitalisierung sowie ideologischen Polarisierung des Essverhaltens.
Wer die ganze Studie lesen möchte, kann das unter folgten Link tun: „Essen, in Deutschland: Prognosen, Wirklichkeit und Zukunft„


Die Verantwortung unserer Reichweite
Der Vortrag meiner Kollegin Sarah Schocke über Food-Content für Kinder in den sozialen Medien hat mich nachdenklich gestimmt. Auch wenn ich bei den Rezepten, die ich entwickle, auf Nachhaltigkeit und Qualität achte, wurde mir noch einmal bewusster, wie wichtig es ist, diese Rolle aktiv und verantwortungsvoll auszufüllen. Das habe ich mir vorgenommen:
- Mir meiner Reichweite bewusster werden und auch bei großen Kundenprojekten bei der Rezeptentwicklung einfach mal ungefragt das Gemüse in den Mittelpunkt stellen oder die Menge tierischer Produkte zu reduzieren.
- Zeigen, wie GEIL es ist, pflanzenbasiert zu kochen. Ein bisschen wie im Journalismus: „Show, don’t tell.“
- Das ist uns dann auch bei unserem Ausflug zur Zeche Zollverein schon gelungen: Das Brot sponserte uns die Familienbäckerei Troll – 100 % Bio, keine Zusätze, regionale Herkunft. Zudem hatten wir uns entschieden, dass der Aufschnitt vegan sein soll. Dafür sponserte uns die Firma Planted einen veganen Pastrami-Aufschnitt und die Firma GEPA fair gehandelte Schokolade als Nachtisch. Das alles war verpackt in Brotdosen von Sagaform.
Hinweis: Die Tagung wurde durch zahlreiche Sponsoren unterstützt (sie sind im Beitrag markiert), von deren Produkten oder von deren Philosophie wird überzeugt sind. Meine Berichterstattung erfolgt jedoch völlig unabhängig, ohne Einfluss und spiegelt meine persönliche Meinung wider.
