Reibekuchen: Familien-Rezept und -Geschichte

Reibekuchen10Es gibt einige Gerichte, die ich grundsätzlich nicht selber koche. Die schmecken bei anderen so gut, dass es gar keinen Zweck hätte, sie auszuprobieren. Kann nur schiefgehen. Letztes Wochenende hatte ich Appetit auf Reibekuchen. Leider gehören die genau in diese Kategorie.

Also rief ich meinen Vater an. Der macht nämlich die weltbesten Reibekuchen (sagt er selber auch). Am Samstag sollte ich also bei ihm in die (Reibekuchen-)Lehre gehen. (Eigentlich war ich nur darauf erpicht, direkt den ersten Reibekuchen aus der Pfanne zu ergattern. Aber gut…)

Ich: „Was kommt denn nun in deine Reibekuchen?“
Papa: „Kartoffeln und Zwiebeln. Und Eier. Und Paniermehl.“
Ich: „Aha. Und wie viel? Und welche Gewürze?“
Papa: „Ach, das mache ich so nach Gefühl.“
Ich: „???“

Schweigen.

Ich: „Aber für den Blog muss ich aufschreiben, wie viel wovon da rein muss. Weißt du, wie das für Rezepte halt so ist…“

Gut. Also habe ich genau beobachtet, wie mein Vater die Reibekuchen zubereitet und kann euch berichten:

Erst mal werden Kartoffeln und Zwiebeln geschält.

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Ich: „Wie viele Kartoffeln sind das?“
Papa: „Ungefähr 1,5 Kilo.“
Ich: „Und wie viele Reibekuchen bekommen wir daraus?“
Papa: „Weiß nicht, schätze 50 Stück.“
Ich: „Oh. Wer kommt noch??“

Dazu muss ich erklären, dass mein Vater gerne Reibekuchen einfriert. Also theoretisch. Für später mal. Allerdings scheint es wohl häufiger so zu sein, berichtet meine Mutter hinter vorgehaltener Hand, dass die Reibekuchen erst mal in den Kühlschrank wandern und – vor allem wenn Kinder im Haus sind (ich bin natürlich nicht gemeint 😉 ) – nach zwei Tagen keine Reibekuchen mehr zum Einfrieren da sind.

Auf die rund 1,5 Kilo Kartoffeln kommen vier große Zwiebeln. Die werden, zusammen mit zwei Kartoffeln, in der Küchenmaschine zu einem feinen Brei gerieben. Die Kartoffeln werden dann später separat gröber gerieben. „Mir ein bisschen zu grob, aber deine Mutter liebt das so“, meint mein Vater. Die grob geriebenen Kartoffeln gibt er dann zu der fein geriebenen Zwiebel-Kartoffelmasse.

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Wo das Rezept eigentlich herkommt, will ich wissen. „Das ist von Tante Maria aus Remsede. Da kommen eigentlich noch Haferflocken rein. Aber die haben wir jetzt nicht“, sagt mein Vater. (Allerdings sagt er jedes Mal, dass er grad keine Haferflocken da hat…). Stattdessen nutzt mein Vater selbstgemachtes Paniermehl. Dafür hat er zuvor kurzerhand übriggebliebene, steinharte Brötchen in die Küchenmaschine gegeben und zu Paniermehl verarbeitet.

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Mehr erfahre ich über das Rezept in dem Moment nicht, denn: „Jetzt kommen wir zum spannenden Teil“, grinst mein Vater. Und ich weiß genau, warum er schelmenhaft grinst: Er bezweifelt, dass ich mitschreiben kann, WIE er würzt. Stimmt leider. So schnell kann ich gar nicht gucken, aber soviel habe ich mitbekommen: Salz, Pfeffer, Maggi, italienische getrocknete Kräuter. „Nach Gusto“, sagt er und grinst weiter. Ich kann euch hier wirklich nicht sagen, wie viel ihr davon nutzen solltet, aber es ist schon ganz ordentlich gewürzt. Immer wieder würzt er ein bisschen nach und gibt noch etwas Paniermehl hinzu, das das Wasser aufsaugt, das die Kartoffeln und die Zwiebeln abgeben.

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„Tante Maria hatte einen riesigen Herd, der mit Kohle beheizt wurde“. Ah, die Geschichte zum Rezept geht weiter! „Wo gibt’s sowas heute noch?“, fragt er mich – wohl eher rhetorisch. „Sie hat die Reibekuchen in einer großen gusseisernen Pfanne schön knusprig braun gebacken. Wir Kinder standen um den Ofen herum und sobald ein Reibekuchen fertig war, haben wir genascht.“

(Meine Mutter kommt in die Küche. „Mhmlecker!“, sagt sie (wie ich!! 🙂 ) „Da muss ich kosten!)

In der Zwischenzeit sind zu der Masse aus Zwiebeln, Kartoffeln und Paniermehl noch drei Eier hinzugekommen und mein Vater mengt alles gut durch.

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So. Jetzt geht’s aber richtig los. Die Reibekuchen werden in reichlich Sonnenblumenöl ausgebacken. „Die müssen im Öl schwimmen“, sagt mein Vater. (Der Herd wurde zuvor mit Küchenpapier rundherum abgedeckt. Mein Vater ist schlau! Spart Putzarbeit im Anschluss…)

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Etwa ein Esslöffel gibt er pro Küchlein in die heiße Pfanne. „Wichtig ist, die richtige Hitze des Öls zu haben, es darf nicht zu heiß sein, sonst brennen sie an. Wenn die Reibekuchen an den Rändern dunkler werden, ist es Zeit, sie zu wenden.“

Der erste Reibekuchen geht an mich. 🙂 Köstlich!!

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Zwei wichtige Fragen haben ich noch: Wann ist denn die beste Zeit für Reibekuchen und was isst man idealerweise dazu?

„Ich esse die am liebsten so wie sie sind. Ohne alles. Ohne Apfelmus, ohne Lachs“, sagt mein Vater. Da komme ich ganz nach ihm. Ich mag sie auch am liebsten ohne Schnickschnack. Höchstens auf einer Schreibe Graubrot, damit das Fett auch ne Grundlage hat. 😉 Meine Mutter serviert dazu seit einiger Zeit Sauerrahm (mit Schnittlauch, Salz und Pfeffer – ganz einfach). Das schmeckt nicht schlecht, stimmt, aber mir schmeckt’s echt pur am besten.

Auf die Frage zur besten Reibekuchenzeit bekomme ich als Antwort: „Reibekuchen kann man immer essen. Sieht man ja auf Pfarrfesten, auf der Kirmes und auf dem Weihnachtsmarkt. Da sind immer lange Schlangen“, sinniert mein Vater. Und weiter: „Wobei ich ja immer noch der Meinung bin, meine sind die besten. Die sind schön frisch, lecker gewürzt und nicht so fettig.“

So isses! Lecker!

Habt ihr auch so ein Familienrezept oder eine Familiengeschcihte? Ich würde mich SEHR freuen, wenn ihr davon erzählt!!!
Eure Julia

7 thoughts on “Reibekuchen: Familien-Rezept und -Geschichte

  1. Bei uns war auch immer mein Vater der Reibekuchen-Chef. Seit meine Schwester und ich selber an der Pfanne stehen, ist daraus aber eher ein Wettstreit geworden, wer die besten Reibekuchen macht. Ich experimentiere ziemlich viel mit verschiedenen Kartoffelsorten, weil dabei immer wieder interessante Ergebnisse rauskommen. – Jetzt habe ich HUNGER!

  2. Dein Vater ist soooo süss… ich werde mir jetzt so eine Küchenmaschine holen um das Rezept auszuprobieren. Mit Paniermehl habe ich sie bis jetzt noch nie probiert. Ich bin gespannt 🙂

    • Liebe Amelie,
      vielen Dank für deinen netten Kommentar, den leite ich an meinen Vater weiter, da wird er sich sicher freuen.
      Berichte mal, wie die Reibekuchen geschmeckt haben! Ich fürchte ja, dass die Prise “Familiengeschichte” als Zutat fehlen wird, aber hoffe, dass sie dir trotzdem schmecken 😉
      Liebe Grüße
      Julia

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