Das Hühnersuppen-Experiment, Teil II

Schmeckt die Hühnersuppe von einem Bio-Huhn besser als die Hühnersuppe von einem Tiefkühl-Huhn? Das will ich mit meinem Experiment herausfinden  (Teil I lest ihr hier).

Ich habe beide Hühnersuppen mit den gleichen Zutaten für meine Ultimative Energiesuppe etwa drei Stunden köcheln lassen.

Hühnersuppenexperiment_Suppe1

Auf den ersten Blick sahen beide Brühen gleich aus, auf ihnen schwamm in etwa die gleiche Menge Fett und auch der Geruch beider Brühen war gleich.

Einen deutlichen Unterschied erkannte ich, als ich die Hühner aus dem Topf nehmen wollte: Beim Rausnehmen ist mir das Bio-Huhn auseinandergefallen. Das Fleisch war so weichgekocht, dass es sich fast von selbst vom Knochen löste.
Das Tiefkühl-Suppenhuhn hingegen konnte ich als ganzen Klotz aus der Suppe nehmen und es sah tatsächlich mehr oder weniger aus wie vorher und fühlte sich an wie ein steifes Gummitier. Das Fleisch hing sehr fest an den Knochen, ich hatte Schwierigkeiten es überhaupt davon zu lösen. Nach dem ersten Probieren habe ich es dann auch aufgegeben: Das Fleisch war trocken, zäh und wenig aromatisch. Uns hat es nicht geschmeckt, ich konnte es tatsächlich nicht essen.
Das Fleisch vom Bio-Huhn hingegen hat uns super geschmeckt. Sogar noch besser als das Maishähnchen, das ich sonst gerne für meine Hühnersuppe verwende. Es war zart, saftig und sehr aromatisch.

Hühnersuppenexperiment_Probieren

Aber: Geruch, Aussehen und Geschmack beider Brühen sind tatsächlich ziemlich ähnlich. Ich glaube nicht, dass ich in einer Blindverkostung einen Unterschied erkannt hätte. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass bei meiner Energie-Suppe geschmacklich die Gewürze im Vordergrund stehen: Man schmeckt vor allem die Limettenblätter und den Ingwer raus und auch das Gemüse. Der Hühnergeschmack als solcher hält sich im Hintergrund.

Mein Fazit

Die Suppe mit dem frischen Bio-Huhn hat mehr als sechs Mal so viel gekostet wie die Suppe mit dem Tiefkühlhuhn. Der Preisunterschied ist enorm – zumal ich beim Geschmack beider Hühnersuppen keinen großen Unterschied feststellen konnte.
Aber zwei Dinge sind für mich ausschlaggebend: Das Fleisch vom Bio-Suppenhuhn schmeckt deutlich besser, das vom Tiefkühl-Huhn war für mich nicht genießbar. Beim Bio-Huhn zahle ich natürlich mit, dass es gesünder und tierfreundlicher aufwächst. Das ist gut für meine Gesundheit, für die Umwelt und für mein Gewissen 🙂

Bei uns gibt es vergleichsweise selten Fleisch. Das kaufen wir in der Regel beim Metzger, auf dem Markt oder in Bio-Qualität im Supermarkt. Tierhaltung, Bio, Klima: das sind bei uns am Tisch häufig Themen. Sicher, am liebsten würde ich Fleisch vom Bio-Bauern vor Ort kaufen. Aber das ist für uns unrealistisch: Wir leben in der Stadt, sind berufstätige Eltern und können nicht mehrere Kilometer zum nächsten Bauern oder Bio-Supermarkt mit Frischetheke fahren. Abgesehen davon hätte das Huhn dann auch ne ganz miese CO2-Bilanz.

Als Verbraucher müssen wir uns auf die Deklaration im Supermarkt oder auf die Auskunft vom Metzger verlassen. Einige Supermarktketten weisen ja mittlerweile die Haltungsform aus. Aber auch nach längerer Recherche bin ich mir unsicher, ob die Premium-Haltung (Stufe 4), die wir bei Bio-Fleisch aus dem Supermarkt wählen, tatsächlich hält, was sie verspricht. Und wenn mir der Metzger sagt, woher das Huhn stammt, muss ich zum einen darauf vertrauen, dass er die Wahrheit sagt, zum anderen, bringt mich die Info auch nicht unbedingt weiter, wenn ich den Namen in die Suchmaschine eingebe und auf einer toll gestalteten Internetseite lande. Solch eine Recherche, wie Katrin Niemann sie für die WDR-Sendung Markt durchgeführt hat, kann ein Verbraucher ja gar nicht leisten. Deswegen fand ich es toll, hier mitwirken zu dürfen. Den Beitrag könnt ihr hier in der WDR-Mediathek anschauen.

Und, was sagt ihr: Hättet ihr gedacht, dass man einen Unterschied zwischen den beiden Hühnersuppen schmeckt? Was für ein Huhn verwendet ihr für eure Hühnersuppe und wo kauft ihr es? Wie wichtig ist euch die Herkunft der Tiere?

Viele Grüße
Eure Julia

p.s. Wer mir auf Instagram folgt: Ich habe mein allererstes Video dort eingestellt. Ich habe das Experiment nämlich auch filmisch begleitet 🙂

 

2 thoughts on “Das Hühnersuppen-Experiment, Teil II

  1. Interessanter Vergleich. Ich nutze für meine Hühnerbrühe meist ein halbes “Frikassee-Huhn”, unter dem Namen ist es bei uns gelegentlich im Handels zu finden. Es ist nicht tiefgefroren, wie der Name schon sagt ein halbes Huhn und hat ein Gewicht von ca. 2,5 kg. Das ist nach 3 Stunden natürlich noch nicht gar, wobei ich nach dem ersten Mal aufkochen gern auf 85/90°C gehe, was die Kochzeit auch nicht verkürzt. Aber 5 Stunden sind es dann schon. Dann kommt der Topf über Nacht auf den Balkon – es geht also nur, wenn’s draußen auch kalt ist. Und am nächsten Tag ist es eine hervorragende Brühe und ein leidlich gutes Fleisch.

    • Hallo Dirk,
      Frikassee-Hühner gibt’s hier auch, in der Frische-Theke. Da ist das Fleisch glaube ich noch mal ne Spur besser als bei Suppenhühnern. Ich mache es so wie du: Ich lasse die Suppe einmal aufkochen und köchel sie dann bei kleiner Hitze rund 4-5 Stunden, je nachdem wie groß das Tier ist. Und genau: Ich finde auch, dass die Brühe am nächsten Tag noch mal besser schmeckt, wenn sie durchgezogen ist.
      Weiterhin guten Appetit!
      Liebe Grüße
      Julia

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