Boeuf Bourguignon nach Julia Child

Boeuf Bourguignon nach Julia Child

Kennt ihr den Film „Julie & Julia“? Er beruht auf einer wahren Geschichte: Die New Yorkerin Julie hat sich in den Kopf gesetzt, das Kochbuch von Julia Child nachzukochen – Rezept für Rezept – und beginnt, darüber einen Blog zu schreiben. Einen Foodblog. Ich liebe diesen Film! Er war mit ein Grund, warum ich meinen eigenen Foodblog gestartet habe.

Einen großen Auftritt hat das Boef Bourguignon in dem Film. Daher musste ich es unbedingt mal nachkochen – oder besser gesagt Herr Löffelgenuss. Er ist bei uns für Schmorgerichte zuständig. Er musste es gleich zwei Mal kochen, beim ersten Mal hat er sich nämlich nicht an das Rezept von Julia Child gehalten. Das geht natürlich nicht. Wenn, dann möchte ich es natürlich im Original essen! 😉

So hat sich Herr Löffelgenuss kürzlich für mehrere Stunden in die Küche begeben, um sich mit dem Rezept in „Mastering the Art of French Cooking“ auseinanderzusetzen. Das Rezept ist nämlich recht aufwendig. Aber: Es hat sich gelohnt, meinen wir. Das Gericht ist wirklich köstlich!

Ich heiße ja lustigerweise auch Julia und frage ich mich jedes Mal ob ich mehr wie Julia und oder Julie bin. Kennt ihr den Film? Mögt ihr ihn? Könntet ihr euch vorstellen, eine Karriere wie Julia zu machen? Oder seid ihr eher die Julie?

Voilà et bon appétit!
Julia und Herr Löffelgenuss

Rezept: Boeuf Bourguignon nach Julia Child

Zutaten
(für 6 Portionen)

Für das Fleisch:
1½ kg Rindfleisch, in Stücke geschnitten
170g durchwachsener Speck am Stück mit Schwarte, selbst in Stücke schneiden
1 Karotte, gewürfelt
1 Zwiebel, gewürfelt
700ml trockener Rotwein (z.B. Côtes du Rhône oder Chianti)
400ml Rinderfond (zur Not, aber echt nur zur Not, gekörnte Brühe)
2 Knoblauchzehen
1 EL Tomatenmark
2-3 Zweige frischer Thymian (oder etwas getrockneten, dann Vorsicht, schmeckt intensiv und kann’s verderben)
1-2 Lorbeerblätter
Mehl

Für die geschmorten Zwiebeln:
ca. 20 kleine Zwiebeln (etwa 3 cm Durchmesser)
20g Butter
1 EL Öl
125ml Brühe, Rinderbouillon, Weiß- oder Rotwein
1 kl. Lorbeerblatt
2 EL gehackte, glatte Petersilie
1 TL Thymianblätter
Salz, Pfeffer

Für die Champignons:
300g Champignons je nach Größe ganz, halbiert oder geviertelt
30g Butter
ca. 1 TL Öl
1 Bund kleingehackte Frühlingszwiebeln
nach Belieben eine kleine zerdrückte Knoblauchzehe und etwas feine Semmelbrösel
Das Fleisch zubereiten:
Den Ofen auf 230°C vorheizen.

Die Schwarte vom Speck entfernen, den Speck würfeln und beides ca. 10 Minuten in siedendem Wasser köcheln lassen. Abgießen und trocknen lassen.

Neutrales Öl in einem schweren Schmortopf oder einer Kasserolle erhitzen (nicht zu heiß!) und den Speck (ohne Schwarte, die wird später benötigt…) 2-3 Minuten anbraten, danach mit einer Schaumkelle entfernen und zur Seite legen.

Die Hitze erhöhen (das Fett richtig heiß werden lassen) und das Fleisch portionsweise rundherum ca. 3 Minuten anbraten (alle Stücke sollten dabei immer Bodenkontakt haben). Das angebratene Fleisch zur Seite legen.

Die Hitze etwas reduzieren und die gewürfelte Möhre und Zwiebel in den Topf geben und anbräunen.
Überschüssiges Fett abgießen und das Fleisch und den Speck zurück in den Topf geben. Mit Salz und Pfeffer würzen und mit Mehl bestäuben und umrühren, damit sich das Mehl um alles legen kann.

Den Topf für 5 Minuten in den Ofen stellen, damit das Mehl angebräunt wird und sich eine leichte Kruste um das Fleisch bildet.

Den Topf aus dem Ofen nehmen, die Temperatur auf 160°C reduzieren.

Derweil Wein und Fond einrühren, so dass das Fleisch leicht, aber komplett bedeckt ist. Tomatenmark, Thymian, Lorbeerblatt zerstoßenen Knoblauch und die Speckwarte in den Topf geben und alles aufkochen, zudecken und für MINDESTENS 3 Stunden, besser 4 Stunden in den Ofen stellen. Nach ca. 20 Minuten mal checken, dass der Sud zwar köchelt, aber nicht wie wild kocht (evtl. Ofentemperatur anpassen).

In Brühe geschmorte Zwiebeln zubereiten:
Butter und Öl in der Pfanne erhitzen.

Die geschälten, ganzen Zwiebeln hineingeben und ca. 10 Minuten bei mittlerer Hitze so gleichmäßig wie möglich bräunen; hierfür die Pfanne regelmäßig vorsichtig schwenken. Brühe, Bouillon oder Wein hinzugeben, mit Salz und Pfeffer würzen und die Kräuter dazugeben.

Zugedeckt ca. 40-50 Minuten köcheln lassen bis die Zwiebeln zart sind (aber ihre Form beibehalten haben).

In Butter geschmorte Champignons vorbereiten:
Die Champignons säubern und ggf. halbieren bzw. vierteln.

Butter und Öl in einer Pfanne erhitzen. Die Champignons müssen ganz trocken und das Fett sehr heiß sein, damit die Champignons ihre Flüssigkeit nicht verlieren. Hierfür müssen die Pilze auch immer alle gleichzeitig Kontakt zur Pfanne haben; ggf. müssen die Champignons in mehreren Schüben angebraten werden. Die Pilze ca. 4-5 Minuten unter Rühren schmoren. Fertig.

Evtl. Knoblauch und Semmelbrösel hinzugeben und weitere 2 Minuten bei mittlerer Hitze schmoren.

Wenn das Fleisch zart ist (also nach MINDESTENS 3, besser 4 Stunden) den Sud durch ein Sieb in einen Extratopf abseihen, die Kasserolle mit einem Stück Haushaltsrolle einmal durchwischen und den Siebinhalt zurück in den Topf geben.

Die Zwiebeln und Champignons hinzugeben.

Die Soße von überschüssigem Fett befreien und nach Gusto mit Pfeffer und Salz abschmecken; ggf. reduzieren, wenn sie zu dünn ist, bzw. mit Fond verlängern, wenn sie zu dick ist. Die Soße wieder über das Fleisch gießen und noch einmal unter gelegentlichem Umrühren 4-5 Minuten aufkochen.

In der Kasserolle servieren.

Dazu passen Kartoffeln oder Bauernbaguette. Eventuell Erbsen oder grüne Bohnen oder ein grüner Salat. Als Wein einen kräftigen, trockenen Rotwein, der auch zum Kochen verwendet wurde.

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8 Gedanken zu „Boeuf Bourguignon nach Julia Child

  1. GeilGeilGeil!
    SupiDupiLecker!

    War das – mit Abstand – LECKERSTE Weihnachtsessen I ever made!

    Ich habe zu Heiligabend meinen ersten Gusseisenbräter geschenkt bekommen – und mit diesem Rezept wurde er eingeweiht!

    (Nachdem wir – wieder mal- „Julie&Julia“ gesehen haben…)

    Das mit

    „…Wenn das Fleisch zart ist (also nach MINDESTENS 3, besser 4 Stunden) den Sud durch ein Sieb in einen Extratopf abseihen, die Kasserolle mit einem Stück Haushaltsrolle einmal durchwischen und den Siebinhalt zurück in den Topf geben. …“
    hab ich mir gespart; dafür hab ich ein wenig mehr Karotten genommen…

    Anyway:

    die paar Löffel Mehl

    „… mit Mehl bestäuben und umrühren, damit sich das Mehl um alles legen kann.
    Den Topf für 5 Minuten in den Ofen stellen, damit das Mehl angebräunt wird und sich eine leichte Kruste um das Fleisch bildet. …“

    sind EXTREM wichtig:
    Wein hat in etwa die Konsistenz von Wasser – und durch das Mehl kriegt die Sauce eine Konsistenz zum „drin Baden“, exakt so, wie sie sein sollte!

    Also:
    ich bin schwer begeistert!

    Es ist schon ein wenig zeitaufwendig; bin ab 15:30 in der Küche gewesen, bis es um 20:00 Essen gab (zwischendurch war auch mal ein Stündchen Pause), aber den Zeitaufwand wars allemal wert!

    Der Liebsten hats saugut geschmeckt – und dem Söhnchen am nächsten Tag ebenfalls…

    Steht ab sofort in meiner persömlichen Liste der „Top 10“-Essen auf einer der vorderen Positionen!

    Schade nur, dass das ein typisches Essen für die kalten Jahreszeiten ist… (für Sommer passt das nicht unbedingt!)

    Liebe Leute:
    NACHKOCHEN!

    Unbedingt! 🙂 🙂 🙂

    • Ich musste laut lachen, als ich deinen Kommentar gerade gelesen habe 🙂 Das ist der coolste Kommentar ever!
      Ich freue mich sehr, dass es euch geschmeckt hat! Ich muss das auch unbedingt noch mal kochen – oder besser gesagt Herr Löffelgenuss, der darf die Lorbeeren für dieses Rezept ernten. Und den Film muss ich auch unbedingt mal wieder anschauen…
      Liebe Grüße
      Julia

  2. „Oooops – I did it again! “ – and I WILL DO IT again! 😉

    Habs grad heute nochmal getan, in einer Profiküche, für 20 Personen, zwar ohne gusseisernen Schmortopf, dafür aber mit einem SupiDupiTurboProfi-Konvektomaten ( und wenn ich DEM sage, er möge doch z.B. bitteschön eine Temperatur von exakt 156° für die Dauer von präzise 3:32 Stunden einhalten, alsoooo…. dann MACHT der das! Klaglos! Ohne Widerrede!) 🙂

    „Technik, die begeistert“ – und zum Schluss ein Essen, das NOCH MEHR begeistert! 🙂 🙂 🙂

    Selbst auf die Gefahr hin mich zu wiederholen:

    Das

    „Bestäuben mit Mehl“

    nebst nachfolgender

    „zarter Bräunung im Beisein der Bezugsperson“ 😉

    im Ofen (OHNE Deckel!) scheint mir DER zentrale Punkt für die Saucen-Aficionados unter uns zu sein… 🙂
    („Aficionado“ geht zurück auf Hemingway 1927, „Fiesta“; er bezog sich mit seinem „Aficionado“ allerdings auf den Stierkampf… Obwohl: Stier und Rind, das passt dann auch schon wieder 😉 )

    Anyway:

    ab und an hab ich tätigen Zutritt zu einer Profiküche und kann mich (unter fachkundiger Anleitung natürlich) ein wenig austoben, z.B. nächsten Montag mit „Boeuf bourguignon“; macht Spass, obwohl ich KEIN Koch bin.

    Ich esse nur gerne! 🙂

    Keep up the good work – und Danke für den netten Kommentar (zum ersten Kommentar.)

    • Hahaha, Georg! Du machst mir Spaß! Es ist eine wahre Freude, deine Kommentare zu lesen! Mehr, mehr, mehr (wie Herr Mini-Löffelgenuss in Kleiner-Häwelmann-Manier immer sagt). Wow, in einer Profiküche für 20 Personen kochen? Respekt!!
      Liebe Grüße
      Julia

  3. Inzwischen habe ich mir auch das Kochbuch nach Julia Child gekauft. Inspiriert war ich ebenso durch den wunderbaren Film.
    Einige Gerichte habe ich ausprobiert und bin (samt der „Mitesser“) begeistert. Ein Kochbuch einfach einmal ganz anders. Keine lose Rezeptsammlung, sondern Hinweise zur Herkunft, zum Garnieren, zu Beilagen usw. Wirklich wunderbar.
    Was mir ein klein wenig Probleme bereitet hat, sind die Angaben zur Menge der Butter. Hier komme ich mit der Menge (EL = Esslöffel) nicht richtig klar. Hier wäre mir eine Grammangabe lieber. Ich werde morgen mal einen EL Butter wiegen (wie voll muss der sein, glatt gestrichen, etwas gehäuft??) Habt ihr schon Erfahrungen damit?
    Liebe Grüße Karin

    • Liebe Karin,
      mir ging’s und geht’s genauso wie dir. Nur muss ich zugeben, dass ich mich eigentlich noch viel zu selten mit ihrem Kochbuch beschäftigt habe. Eigentlich schade, weil ich die Geschichte hinter dieser Pionierin auch so spannend finde. Aber ich tue mich mit Kochbüchern ohne Bilder irgendwie schwer. Dabei könnten mir ein paar Infos rund um Herkunft, Garnieren und Beilagen nicht schaden…. Daher meine Antwort auf deine Frage: Dazu kann ich leider nix sagen. Aber ich denke, dass ein paar Gramm mehr oder weniger nicht viel ausmachen. Ich koche ohnehin eher „so nach Gefühl“ 😉
      Kulinarische Grüße aus Köln!
      Julia

  4. Frisch aus dem Portugal-Urlaub zurück, kann ich mich wieder melden.
    Leider habe ich die Grammzahl eines Esslöffels Butter noch nicht nachgemessen. Ich halte es, im Gegensatz zu dir, schon für wichtig. Beim Braten, Kochen ist das kein Problem, klar, wenn man ein wenig mehr an Fettigkeit verwendet. Beim Backen jedoch, und das war bei mir der Fall, hat das schon fatale Folgen, weil die chemischen Prozesse dann nicht so wollen wie sie sollen. Auf jeden Fall, ich bleibe dran und melde mich wieder!!

    • Portugal! Da bin ich neidisch 😉
      Stimmt, beim Backen sind genaue Angaben sehr wichtig. Aber da kann ich gar nicht mitreden: ich backe nicht gerne. Vermutlich genau aus dem Grund, weil man sich da so genau an die Vorgaben halten muss, bzw., wie du schreibst, es sich um chemische Prozesse handelt. Ich mag es, beim Kochen zu improvisieren.
      Herzliche Grüße aus Köln!
      Julia

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