Rezension „Die portugiesische Küche“

Portugiesische Küche
Heute möchte ich euch ein ganz wunderbares Kochbuch vorstellen: Und zwar „Die portugiesische Küche“ von Alexandra Klobouk und Rita Cortes Valente de Oliveira, das erst kürzlich im Kunstmann-Verlag erschienen ist.

Als der Verlag mich fragte, ob ich das Kochbuch unverbindlich anschauen wollte, habe ich direkt zugesagt: Wir waren letzten Sommer in Portugal und da war ich natürlich neugierig, was es in dem Kochbuch so zu entdecken gibt.

Das Cover
Das warme, fröhliche Gelb des Covers springt einem schon von Weitem ins Auge und macht direkt gute Laune. Und die Zeichnung der reich gedeckten Familien-Tafel auf dem Titel macht Lust auf mediterrane Küche. Das gebundene Buch lässt sich gut anfassen und macht einen hochwertigen Eindruck: Fadenbindung, festes Cover, eingestanzter Titel, dickes Papier (solche haptischen Sachen mag ich gerne).

Inhaltsverzeichnis & Einleitung
Die Gestaltung des Inhaltsverzeichnisses spricht mich leider nicht so sehr an. Bisschen… wie soll ich sagen? Langweilig? Oder es liegt an der gewählten Schriftart? Finde aber auch, dass Inhaltsverzeichnisse generell schwer zu gestalten sind…
Darüber hinaus enthält das Inhaltsverzeichnis nur die Besonderheiten eines jeden Kapitels (z.B. „Bacalhau selber machen“ oder „Kleine Sprachkunde: Paprika auf Portugiesisch“), nicht aber eine Übersicht aller Rezepte. Schade, so kann man nicht mal eben nach einem Gericht suchen.

Los geht’s mit einer Einführung in die Küche Portugals. „Portugiesisches Essen ist traditionell bodenständig und pur. Hier dürfen die Zutaten noch so schmecken, wie sie sollten – nach sich selbst“, schreibt Rita Cortes Valente de Oliveira und erzählt uns von den geographischen Voraussetzungen für diese Küche (viiieeel Küste, grüne Hügel, kalte Winter im Norden, fast nordafrikanische Wärme im Süden). Dann erklärt sie, wie das Kochbuch aufgebaut ist. Schade. Ich hätte mir hier noch mehr Einblicke in die portugiesische Küche oder Kultur gewünscht. Den Aufbau hätte man besser ins Inhaltsverzeichnis nehmen können.

Das Kapitel „Über dieses Kochbuch“ von der Kulturillustratorin Alexandra Klobouk beschreibt auf schöne Art, wie das Kochbuch entstanden ist: „Diesem (…) ersten gemeinsamen Kochen mit anschließendem Gelage folgten viele weitere Abende, an denen Rita wunderbare Rezepte und deren Geschichten mit mir teilte – sowie viele Flaschen guten portugiesischen Weins, von dem man nie Kopfweh, aber immer gute Ideen bekommt.“. (Das mit den Ideen kann nur unterstreichen!) Genau so wie diese Entstehungsgeschichte wirkt dieses Buch übrigens auch: authentisch.

Die Illustrationen
Ich habe ja gerade erst ein anderes Kochbuch rezensiert, das mit Illustrationen daherkommt („Das Gelbe vom Ei“). Man kann die beiden Kochbücher aber überhaupt nicht vergleichen.
Die Illustrationen von Alexandra Klobouk sind – wie die von Peter Gaymann – auch witzig, aber auf ganz andere Weise. Sie sind gröber, wirken spontan, als hätte sie sie einfach aus dem Handgelenk geschüttelt. Man sieht den Bildern die Leidenschaft fürs Zeichnen und für Genuss an, finde ich. Klingt komisch, ist schwer zu beschreiben… Ich versuch’s mal:

Bei den „Grünen Bohnen im Teigmantel“ hat sie eine Schale lächelnder Bohnen in die Bildmitte gezeichnet. Unten auf der Seite sieht man einen Angler, der sich die Bohnen vom Teller angelt (mit einer Gabel als Köder 😉 ) und genüsslich in seinen Mund befördert. Der Angler hat die Augen geschlossen und sieht aus, als würde er die Bohnen richtig genießen.
Noch ein schönes Beispiel ist die Illustration zu Pica-Pau (pikante Fleischhappen), mit der Alexandra Klobouk eine Theorie zur Namensgebung des Rezeptes entwickelt (Pica-Pau heißt ‚Specht’ auf Portugiesisch). „Wenn der Hunger wie in kleiner Specht am Bauch pickt, gibt es am besten Pica-Pau“, steht handschriftlich neben der Zeichnung, auf der man einen Mann „mit Bauch“ sieht, auf dem ein kleiner Specht sitzt und am Bauch pickt. Darunter die weitergedachte Konsequenz: eine Pfanne mit Pica-Pau (auf einen Baumstumpf gestellt) auf der wieder der kleine Specht sitzt und die Fleischhappen mit seinem spitzen Schnabel aufpickt. „Mit Zahnstochern kann man die Happen picken wie ein kleiner Specht“, steht daneben.

Die Fotos
Die Fotos muss man in zwei Kategorien einteilen: einmal gibt’s da die fotografierten Gerichte und einmal „Impressionen“, nenne ich es mal (Fotos: Mariana Veloso und Ricardo Jorge Pereira).

Die Fotos der Gerichte (sind nicht so viele, nicht jedes Gericht wurde fotografiert) passen vom Foodstyling her sehr gut zum Buch und zur portugiesischen Küche: Allesamt sind sie sehr rustikal, ohne viel Schnickschnack. Sehen aus als hätte der Fotograf mal eben abgedrückt und direkt ein gutes Bild im Kasten (vermutlich ist es nicht so…). Mir persönlich gefallen zugegebenermaßen die „inszenierten“ Bilder besser, aber hier sind die authentisch wirkenden Bilder genau passend.

Die „Impressionen“-Bilder geben dem Kochbuch Atmosphäre und machen Lust auf Portugal. Sehr schön finde ich zum Beispiel diese Doppelseite: links eine ganzseitige Nahaufnahme von frischen Sardinen auf einem Grill, rechts davon zwei große Querformat-Fotos: eine junge Frau, die einen Teller in der einen Hand hält (auf dem man gegrillten Fisch, Brot und Salat sieht) und die sich mit der anderen Hand die Finger ableckt. Total natürlich, wie ein Schnappschuss. Darunter ein Foto von einem Mann und einer Frau, die sich mit rustikalen Wein-Gläsern zuprosten, im Hintergrund erkennt man verschwommen einen Strand.
Jetzt hätte ich Lust, Fisch zu grillen und dazu ein Glas Weißwein zu trinken. Wenn Fotos genau das schaffen, finde ich, sind sie gut.

Aufbau, Gestaltung und Texte
Jedes Kapitel – wie zum Beispiel Suppen, Fisch, Fleisch, Beilagen – beginnt mit einer kleinen Einführung. Mit sehr sehr schönen Texten. Wie zum Beispiel im ersten Kapitel: Es widmet sich den „Petiscos“, den Appetithappen (schönes Wort!): „Petieschkuusch – das klingt nach kleinen, feinen Dingen, nach picken, knabbern und probieren…. Eine wörtliche Übersetzung gibt es dafür nicht. Es bedeutet soviel wie: kleine Leckerei. Und das sind sie – kleine Portionen von kalten und warmen Vorspeisen, regional und saisonal unterschiedlich. Sie vereinen auf köstliche Weise zwei der liebsten Beschäftigungen der Portugiesen: essen und beisammen sein.“

Ein anders Beispiel ist der letzte Satz in der Einleitung des Suppen-Kapitels: „Blättern Sie um und lassen Sie sich Bauch und Herz erwärmen!“ Wie schön geschrieben! Der Einladung folge ich gerne :-).

Die Präsentation der Rezepte ist recht klassisch, jedes Rezept bekommt eine ganze Seite: links eine Zutatenliste, rechts daneben die Anleitung für die Zubereitung. Dass die Seite somit eine große Weißfläche hat, finde ich gut (gibt nix schlimmeres als „Bleiwüsten“…). Ab und zu gibt es auf der Seite noch eine kleine Schwarz-Weiß-Zeichnung von im Rezept verwendeten Zutaten. Nett. Manchmal stehen unter dem Rezept noch ein paar Tipps oder kleine Anekdoten. Auch nett.

Die Rezepte stehen immer auf der linken Seite des Buches, rechts gibt es ganzseitig entweder eine Zeichnung oder ein Foto vom Gericht. Diese Konsequenz mag ich. So kann man das Kochbuch gut durchblättern und gezielt nach Rezepten gucken (das Auge muss dann nicht immer von rechts nach links oder oben nach unten springen).

Zwischen den Rezepten gibt es immer mal wieder Doppelseite mit den oben beschriebenen „Impressionen“- Fotos oder Zeichnungen, zum Beispiel wie man Bacalhau selber zubereitet. Sehr schön!

Die Rezepte
Jedes Rezept, das eine Chance hat, nachgekocht zu werden, bekommt ein Post-it.
Je mehr Post-its ein neues Kochbuch also von mir bekommt, desto besser gefällt es mir in der Regel. „Die Portugiesische Küche“ steht mit 25 Post-its an zweiter Stelle (die meisten Post-its hatte bisher das „Genussvoll vegetarisch“).

Drei Rezepte habe ich direkt am ersten Abend für ein „petiscar“ (=gesellige Runde, die kleine Köstlichkeiten miteinander teilt) nachgekocht: eine Gaspacho mit Erdbeeren , Pica-Pau und Gambas Piri-Piri. Die Tage habe ich dann noch zwei weitere Rezepte ausprobiert: Schweinefilet in Portwein, dazu einen Reis mit dunklen Zwiebeln.
Soviel kann ich schon verraten: Alle Gerichte waren köstlich und erhalten das „mhmlecker-Siegel“ 😉 Und ich werde sie euch natürlich in den nächsten Tagen hier vorstellen.

Gaspacho mit ErdbeerenPica-PauGambas Piri Piri Schweinefilet in Portwein Zwiebel-Reis

Falls ihr wissen möchtet, welche Rezepte mir u.a. noch gefallen haben: Die folgenden Gerichte werde ich im Laufe des Sommers sicherlich noch ausprobieren und wenn sie gut sind, dürft ihr euch auch hier auf einen Bericht freuen.

  • Marinierte Sardinen
  • Tomatensuppe aus dem Alentejo (mit Bauchspeck und Chourico)
  • Reis mit Meeresfrüchten (hat Herr Löffelnuss in Lissabon gegessen, köstlich!)
  • Gegrillter Bacalhau mit Knoblauch-Olivenöl-Sauce
  • Caldeirada (berühmter geschichteter Fischtopf)
  • Degenfisch mit gebackenen Bananen (haben wir auf Madeira gegessen, genial!)
  • Frango Piri-Piri (gegrilltes, plattes Huhn. Gibt es in Portugal an jeder Ecke…)

Hach, ich könnte noch stundenlang weiterschreiben. Aber euch brennen sicher schon die Augen vom Lesen (bissl lang geworden der Text…). Ein Fazit brauche ich wohl nicht zu ziehen, ihr habt sicherlich gemerkt, dass mir das Buch richtig gut gefällt. Es macht Lust auf die Küche und Kultur Portugals, es wirkt ehrlich und die nachgekochten Gerichte haben uns alle wirklich gut geschmeckt. Das Kochbuch kostet im Handel 30 Euro. Ich finde, es ist seinen Preis wert.

(Der Ordnung halber schreibe ich noch mal, dass ich das Kochbuch kostenlos und unaufgefordert vom Verlag erhalten habe (ohne Honorar). Selbstverständlich habe ich mir aber vorbehalten, das Buch ganz unabhängig zu besprechen – ob positiv oder negativ.)

Tchau e bom apetite!
Eure Julia

 

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