Ein französischer Küchenklassiker: Coq au vin

Coq au vin

//Ein ganz besonderer Gastbeitrag von Herrn Löffelgenuss//

Ein Klassiker der französischen Küche ist ja per se erhaben über jedwede Legitimationsnot bezüglich der Aufnahme in einen Koch-Blog. Dass dieses Gericht nun aber seinen Weg in den löffelgenussschen Kanon verbloggenswerter Gerichte findet und ich den neuerlichen Ruf erhielt, hier ein Rezept gastbeizutragen hat aber einen – und damit ruiniere ich mein mit Fußballnudeln und Burgern auf den Weg gebrachtes Image – romantischen Grund. Aber sind wir ehrlich, seit Dr. Oetker mit penetranter Werbegewalt seinen Finger-Food-für-Fäuste-Pizza-Burger in den Markt zu drücken versucht und dafür männliches Essverhalten als nur knapp dem von Primaten überlegen darstellt, ist es Zeit für einen Imagewechsel…

Die Zeitreise führt in eine Zeit als mein Facebook-Status „Single“ lautete und die Inhaberin dieses Blogs bei mir zum Essen eingeladen war. Und da ich in Ermangelung an Virtuosität nicht damit rechnen konnte, mit Chopin-Etüden am Flügel zu beeindrucken (ok, auch in Ermangelung eines entsprechenden Instruments) oder mit romantischer Rilke-Rezitation (wirkt bei mir irgendwie unglaubwürdig, außerdem muss ich dabei an den Loriot-Sketch im Flugzeug denken, in dem Heinz Meier stilsicher einen Rilke-Vers mit dem Reim: „Ich muss die Nase meiner Ollen an jeder Grenze neu verzollen“ kontert. Zum Nachschauen, ca. bei Minute 5 bei Youtube), musste ich alle Hoffnung in meine Koch-Kunst setzen. Die Tatsache, dass ich diese Zeilen hier als Herr Löffelgenuss verfasse, zeigt, dass dieses Gericht offenbar überzeugen konnte. Und haben wir es nicht schon immer gewusst? – Liebe geht eben doch durch den Magen!

Bon Appétit!
Felix

Zutaten
(für 4-6 Portionen)

Butter und Olivenöl zum Anbraten

6-8 Hähnchenkeulen, halbieren (man kann auch Hähnchenbrust ergänzen, falls jemand am Tisch Probleme mit Knochen hat)

100g Bacon (als Streifen oder Würfel)

4-5 Schalotten, geviertelt

300-400g (je nach Pilzaffinität) braune Champignons, je nach Größe halbiert oder geviertelt

2 Knoblauchzehen, hauchfein aufgeschnitten oder durch eine – in der haute cuisine verpönte – Knoblauchpresse drücken

Cognac oder Weinbrand zum flambieren

400ml trockener Rotwein

Brühe zum Aufgießen (ca. 200-300ml)

Frische Kräuter, the usual suspects wie Thymian, Oregano, Majoran, Lorbeer (darf auch getrocknet sein), Rosmarin (kann recht dominant auftreten, wenn dann eher konservativ dosieren) wer’s mag auch Estragon und/oder Basilikum (ich find’s zu diesem Gericht eher unpassend)

Salz, Pfeffer

etw. Mehl, kalte Butter für die Bindung

Zubereitung:

Ein offenes Wort zum Thema Hähnchenkeulen bevor es losgeht: Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass dem Einzelhandel kein wirtschaftlich selbstzerstörerischer Altruismus innewohnt. Daher ist es mir ein Rätsel, wie es möglich ist, Hähnchenkeulen für 2,99 Euro anzubieten und dabei noch etwas zu verdienen. Also tut mir den Gefallen, und nehmt Hähnchenteile, die für einen nachvollziehbaren Preis angeboten werden, was bei Hähnchenkeulen ab ca. 8 Euro der Fall ist. Das Gericht funktioniert sonst einfach nicht und ihr solltet es doch mit Chopin oder Rilke versuchen. Der Zusatzhinweis bei Keulen „ca. 25% Rückenanteil“ ist definitiv kein Qualitätsmerkmal, versucht „reine“ Keulen zu bekommen.
Jetzt aber…

Einen schweren Schmortopf nehmen und Öl mit Butter erhitzen.

Hähnchenteile mit Salz und Pfeffer würzen, rundherum goldbraun anbraten (ca. 5-8 Min, ab und zu wenden) und wieder aus dem Topf nehmen.
Hitze auf Mittel reduzieren und Bacon, Zwiebeln und Pilze unter Rühren anbraten. Knoblauch hinzugeben und weitere 2-3 Minuten dünsten. Die Hähnchenteile zurück in den Topf legen und wieder etwas Hitze annehmen lassen.

Nun den Weinbrand hinzugeben (ca. nen Doppelten) und flambieren. Im Idealfall mit einem entsprechend langem Feuerzeug, sonst mit einem Streichholz. Vorsicht, das gibt eine kapitale Stichflamme, also schnell sein. Für den Effekt kann man natürlich vorher das Licht ausmachen, aber im Ernst, das Flambieren hat nicht nur einen Show- sondern tatsächlich auch einen geschmacklichen Effekt. Wer sich das Flambieren nicht zutraut, lässt den Weinbrand lieber komplett weg. (Haftung übernehmen wir nicht!!!)

Hähnchenteile nun ganz leicht mit Mehl bestäuben (durch ein Sieb), vorsichtig mit Wein aufgießen (evtl. Brühe ergänzen falls zu wenig Flüssigkeit im Topf ist) und aufkochen. Hitze reduzieren, Kräuter zugeben, Deckel drauf, eine Stunde schmoren lassen.

Nach einer Stunde die Kräuter entfernen, evtl. noch etwas den Sud reduzieren und am Ende etwas eiskalte Butter einrühren, um eine stärkere Bindung zu erreichen; aber auch für den Geschmack. Das Gericht im Schmortopf servieren und am Tisch vorlegen oder zur Selbstbedienung aufrufen.

Dazu einfaches französisches Bauernbrot und Feldsalat reichen.

Im Sommer eignet sich auch Weißwein als Grundlage. Dieser sollte dann aber eher kräftiger Natur sein wie z.B. ein Chardonnay oder wenn man es geografisch festmachen will, ist man mit einem Weißwein aus warmen Regionen relativ auf der sicheren Seite.

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Gemüse-Sticks mit zweierlei Dips

Gemüsesticks
Das Rezept für diese Gemüse-Sticks trage ich schon seit Jahren mit mir herum. Ich hab mal dieses „Schlank-im-Schlaf“ gemacht, wo man Abends keine Kohlenhydrate essen soll, da gab’s diese Gemüse-Sticks mit den Dips recht häufig (und ja: es hat funktioniert!! ;-)  ).

Ich wollte sie immer mal wieder machen und fotografieren. Aber irgendwie ergab sich nie die Gelegenheit. Als wir vor kurzem mal etwas mehr Besuch hatten und es sich lohnte, ein Buffet herzurichten, fielen mir die Gemüse-Sticks bzw. die Dips wieder ein.

Dazu gab’s übrigens noch weiteres leckeres Fingerfood: kleine Blätterteigpäckchen wahlweise mit Ziegenkäse, Birne, Honig und Rosmarin oder mit frischem Wurstbrät, Zitronenabrieb, Parmesan und Sesam gefüllt. Dann noch Hackfleischbällchen in Tomatensoße (nach spanischer Art) und meinen Buffet-Renner: Smoked Salmon Rolls. Die Rezepte werde ich euch natürlich nicht vorenthalten und sie auch hier veröffentlichen, sobald ich dazu komme.

Jetzt aber erst mal das Rezept für die Gemüse-Sticks:

Guten Appetit!
Eure Julia

Zutaten
(für eine Buffetportion)

1 Bund (möglichst kleine) Möhren, inkl. Grün
1 Bund Staudensellerie
4 Paprika (rot, gelb, grün, orange)

2 Packungen sahniger Frischkäse (á 150g)
100g Serrano-Schinken
50g Parmesan
je 2-3 EL frische Kräuter, fein gehackt (z.B. Petersilie, Basilikum, Liebstöckel, Dill, Schnittlauch, etc.)
2 EL gutes Olivenöl
1 EL frischen Zitronensaft
2 EL Milch
Salz, Pfeffer

Das Gemüse waschen.

Von den Möhren das Grün nur soweit runterschneiden, dass oben noch ein paar Zweige zu sehen ist (sieht hübscher aus). Die Möhren schälen und der Länge nach halbieren (oder viertel, wenn sie sehr dick sind).

Die Paprika längs halbieren, entkernen („Hut“ wegschneiden) und in etwa fingerbreite Streifen schneiden.

Den Sellerie, je nach Länge, quer halbieren oder viertel. Etwas Grün könnt ihr oben dran lassen, sieht nämlich auch hübsch aus.

Ich habe die Gemüse-Sticks in Einmachgläser stellt, man kann aber auch normale Trinkgläser nutzen.

Die Dips zubereiten:

Den Schinken in einer beschichteten Pfanne knusprig braten und auf einem Küchentuch abtropfen lassen (ich nutze kein Öl zum Anbraten, aber da muss man höllisch aufpassen, dass es nicht anbrennt und es „raucht“ ziemlich). Den Schinken abkühlen lassen und zerbröseln (geht mit den Händen oder – noch feiner und besser – mit einem Messer).

Den Parmesan fein reiben.

Die Kräuter fein hacken.

Die eine Portion Frischkäse mit dem Schinken und dem Parmesan und der Milch gut verrühren bis eine cremige Masse entsteht. Ihr könnt den Dip natürlich nach Belieben noch mit Salz und Pfeffer würzen, mir schmeckt er so pur allerdings am besten. Käse und Schinken bringen reichlich Würze mit.

Die andere Portion Frischkäse vermengt ihr gut mit den frischen Kräutern. Zum Abschmecken habe ich Olivenöl, Zitronensaft und minimal Salz und Pfeffer benutzt.

Die Dips in zwei schöne Schälchen füllen und zu den Gemüse-Sticks stellen.

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Interview mit Luk Thys
„New York Street Food“-Fotograf

In meiner Rezension zu „New York Street Food“ hat man ja schon gemerkt, dass ich von den Fotos ziemlich begeistert bin. Sie stammen vom belgischen Food-Fotografen Luk Thys. Also hab ich ein bisschen recherchiert und schnell herausgefunden, dass er ziemlich renommiert und erfolgreich ist und war dann noch ein wenig mehr angetan von seiner Arbeit ;-). Spontan hab ich ihm eine E-Mail geschrieben und gefragt, ob er nicht Lust auf ein kleines Interview hat, exklusiv für meine Leserinnen und Leser. Hatte er: :-)

Löffelgenuss: „Tom schreibt in seiner Einleitung „Um alle Street-Food-Küchen dieser Welt zu besuchen, fliegen Sie einfach direkt nach New York. (…) Das Street-Food-Angebot in New York spiegelt die vielfältigen Essenskulturen der hier lebenden Nationalitäten wider.“ Wie fühlt es sich an, „die ganz Welt“ an einem einzigen Ort zu „schmecken“?“

Luk Thys: „Ich denke, Tom hat recht mit New York. Aber die Wurzeln des Street Food liegen in Asien, wo dieses Essen Teil der Alltagskultur ist. Tom hat ein paar Jahre in Südostasien gelebt, erst in Bangkok, später in Hanoi. Tom kratzt an der Oberfläche, um die Einflüsse der verschiedenen Regionen auf Street Food zu entdecken. Meist sind es kulturelle Einflüsse, aber sich mal Religion oder Migration anzuschauen ist sehr interessant…
New York „ist“ Immigration. Daher gibt es dort Essen aus der ganzen Welt. Man muss nur wissen, wohin man gehen muss, um die richtigen Läden zu finden. Während unseres Aufenthalts haben wir uns viel mit Leuten unterhalten, Fragen gestellt, so sind wir schnell mit den richtigen Menschen ins Gespräch gekommen. Essen ist ein tolles Thema, um Kontakte zu knüpfen.“ 

Löffelgenuss: „Und wie haben die Verkäufer reagiert, als ihr sie und ihre Gerichte fotografiert habt?“

Luk Thys: „Sie waren immer sehr nett zu uns. Tom und ich versuchen, ihnen mit sehr viel Respekt zu begegnen, das hilft. Wir nehmen immer ein paar der Bücher mit, die wir schon veröffentlicht haben, und zeigen ihnen, was genau wir machen. Tom ist zwar groß, aber sehr nett und warmherzig ;-).“

Im Buch beschreibt Jaqueline Goossens diese Szene so: „Tom begrüßte den Verkäufer mit einem verschmitzten Lächeln, mit dem er in nächster Zeit auf unseren Touren noch viele Street-Food-Verkäufer – Frauen und Männer – zum Schmelzen bringen sollte. Er bestellte einen Snack, probierte ihn andächtig und fragte die Köchin nach der Zubereitungsart. Dann bestellte er ein Getränk mit Milch und Orange. Er schien alle Zeit der Welt zu haben. Er fischte sein Buch Vietnam Street Food aus dem Rucksack und zeigte es der Verkäuferin. Er erklärte ihr, dass er ein ähnliches Buch über Street Food in New York schreiben wolle. Fotografieren war kein Problem. Luk fragte, ob er den einzigen Stuhl am Imbisstand kurz ausleihen dürfe, und arrangierte darauf einige Gerichte. Immer wieder änderte er das ein oder andere an diesem improvisierten Mini-Fotoset. Einige Passanten blieben neugierig stehen, doch davon ließ Luk sich nicht ablenken.“

Löffelgenuss: „Welches der Gerichte in dem Buch magst du am liebsten?“ 

Luk Thys: „Mein Favorit im New York-Buch ist wohl der Ochsenschwanz-Eintopf von Veronica. Sie ist Jamaikanerin und macht so leckeres Comfort Food voller Geschmack (für nur ein paar Dollar)! Sie ist jeden Tag in Downtown Manhattan unterwegs.“ 

Bei meiner Recherche habe ich entdeckt, dass es das Rezept auch online gibt: http://ilikestreetfood.com/2014/01/oxtail-stew/. Also wer direkt mal loslegen will…

Löffelgenuss: „Gibt’s ein Rezept, das es nicht ins Buch geschafft hat?“ 

Luk Thys: „Ich glaube, wir haben eines der Rezepte von Waffles & Dingers rausgelassen. Belgische Waffeln mit Pulled Pork. Brrr….“ (Anmerkung von Löffelgenuss: „… sagt er als Belgier.“ ;-) )

Löffelgenuss: „Achtung, schwierige Frage ;-) : Was ist dein Geheimnis, dass die Gerichte allesamt so appetitlich aussehen (selbst wenn sie in Plastikschälchen daherkommen!), obwohl du auf der Straße kein Material fürs Foodstyling oder besonderes Fotoequipment zur Verfügung hattest? Welche Tipps kannst du mir als Hobby-Food-Fotografin geben?”

Luk Thys: „Das ist nicht so schwer… ;-). Versuch, das Licht zu „lesen“, ich meine, schau dir genau an, was für Licht du zur Verfügung hast. Versuch das Licht im Rücken zu haben, das bringt mehr Textur in das Gericht, das du fotografierst. Selbst wenn’s regnet, kann ich mit wenig Licht arbeiten. Außerdem fotografiere ich nie mit Stativ. Ich bewege mich gerne um das Motiv herum. Und: ich habe ein kleinen Reflektor (25cm), den ich immer benutze, der hilft bei wenig Licht…“

Löffelgenuss: „Wenn ich mir deine Website www.foodphoto.be so anschaue, habe ich den Eindruck, dass du ein sehr leidenschaftlicher Food-Fotograf bist. Woher kommt diese Leidenschaft?“

Luk Thys: „Ich bin jetzt schon seit über 20 Jahren im Geschäft. Ich liebe meinen Beruf vor allem deswegen, weil ich gerne gutes Essen mit guten Freunden teile. Und ich habe das Glück, dass ich durch meinen Job nette, passionierte Menschen auf der ganzen Welt kennenlerne. Viele von ihnen sind mittlerweile gute Freunde geworden, wie Tom und Jaqueline zum Beispiel ;-).“

Löffelgenuss: „Kochst du selbst auch? Wenn ja: Verrätst du uns dein Lieblingsgericht?“

Luk Thys: “Jaaaa!! Ich liebe es zu kochen. Ich koche jeden Tag zu Hause. Im Studio koche ich nicht, da gibt es Foodstylisten, die sich darum kümmern.“

Löffelgenuss: „Was ist dein nächstes Projekt?“

Luk Thys: „Tom und ich fliegen im Januar nach Bangkok. Dort wollen wir zu den Orten, die wir 2007 für unser erstes Buch über Street Food besucht haben, und eine Art Dokumentation drehen. Wir haben damit in New York angefangen, mit einem kleinen Video über unsere Promotion-Tour und haben uns überlegt, dass wir kleine Dokus machen wollen, die im ähnlichen Stil gehalten sind wie die Bücher.“

Löffelgenuss: „Sehr cool! Und was ist mit Deutschland?“

Luk Thys: „Wir würden sehr gerne ein Buch über Street Food in Berlin machen. Wir lieben diese Stadt und denken, dass wir dort gut arbeiten könnten und ein schönes Produkt hinkriegen würden. Tokyo, Seoul und viele andere Städte und Länder folgen dann hoffentlich in den nächsten Jahren. Auf http://ilikestreetfood.com könnt ihr euch auf dem Laufenden halten.” 

Also ich werde auf jeden Fall am Ball bleiben und gucken, was da so passiert. Spannend… Ich hoffe, mein kleines, exklusives Interview hat euch gefallen. Mal sehen, ob ich die Tipps von Luk umsetzen kann, ich fotografiere ja zum Beispiel immer mit Stativ… Aber ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen. ;-)

Eure Julia

Jahresrückblick 2014

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Prosit! Auf das Jahr 2014! Auf dass es in die Ewigkeit eingeht und nie wiederkehrt!* ;-)

Kennt ihr von früher diese Bücher, in die man reinschreiben konnte, welches seine Lieblingsfarbe ist, welches das liebste Tier, das Lieblingsfach in der Schule, der Berufswunsch und so? Viel schöner, als selber darüber nachzudenken, was man eigentlich mag, war es für mich zu lesen, was meine Mitschülerinnen so geschrieben haben. Sabine von „Schmeckt nach mehr“ hatte die Idee, so etwas in der Art für Foodblogger zu machen. Fand ich gut, daher mache ich mit und beantworte hier ihre Fragen und wage so gleichzeitig einen kleinen Jahresrückblick auf mein „Foodblogger-Leben 2014“.

1. Was war 2014 dein erfolgreichster Blogartikel?

Der Artikel, der 2014 am häufigsten in meinem Blog aufgerufen wurde, ist das Rezept für Schug, eine scharfe, köstliche Gewürzpaste aus dem Jemen (mit viel Knoblauch, Chili, Paprika, Koriander und Gewürzen). So richtig verstehe ich nicht, warum das so ist. Vielleicht weil es im Internet dazu nicht so viele Rezepte gibt? Aber vielleicht auch, weil es in einer Facebook-Gruppe verlinkt wurde? Keine Ahnung… Ein bisschen schade, es ist nicht unbedingt das Rezept, das ich als meinen erfolgreichsten Blogartikel gewählt hätte…

Schug

2. Welche drei deiner eigenen Blogartikel aus diesem Jahr haben dir persönlich am meisten bedeutet?

Der Beitrag, der mir 2014 am meisten bedeutete, ist gleich eine ganze Reihe – und zwar meine New York Street Food-Reihe, die jetzt fast zu Ende ist . Anhand des gleichnamigen Kochbuchs haben wir uns während unserer Flitterwochen durch New York und Neuengland geschlemmt. Es war schön, diese Reise beim Nachkochen der Gerichte und Vorbereiten der Artikel noch einmal zu erleben.

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Ein weiterer Artikel, der mir sehr viel Spaß gemacht hat, war „Behind the Scenes“. Ein Blogevent, das Steph vom Kleinen Kuriositätenladen ins Leben gerufen hat. Ich liebe meine Küche ja eh und sie dann mal meinen Leserinnen und Lesern vorzustellen, war toll! Und erst recht natürlich, einen Blick in die Küchen vieler anderer Foodblogger zu werfen ;-).

Bella Cucina

Auch dieses Jahr hat mir die Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ wieder sehr viel Freude gemacht. Dieses Mal habe ich das Kochbuch „Das Gelbe vom Ei“ verlost. Das Beste daran war, dass ich es von Peter Gaymann, der es illustriert hat, hab signieren lassen. Er lebt hier in Köln und ich durfte ihn in seinem Atelier in Sülz besuchen. Das war aufregend!

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3. Und welche drei Artikel aus anderen Blogs haben dich am meisten inspiriert?

Am meisten inspiriert (im Sinne von zum Nachdenken gebracht) hat mich der Artikel „Warum ein Blog wie eine Beziehung ist. Und dass man sich manchmal auch trennen muss“ von Mel auf ihrem Blog „Gourmet Guerilla“. Das hängt wahrscheinlich mit Frage 5 zusammen, die unten noch kommt.

Das größte „Aha-Erlebnis“ hatte ich gleich bei mehreren Artikeln von Sabine Schlimm, die auch diese Aktion hier ins Leben gerufen hat. Sie arbeitet in einem Kochbuchverlag und hat auf ihrem Blog einen tollen Artikel veröffentlicht, in dem sie die wichtigsten Regeln fürs Schreiben von Rezepten zusammenfasst und eine Reihe, in der sie einen Einblick in die Produktion eines Kochbuchs gibt.

Kulinarisch inspiriert wurde ich von „Saskia rund um die Uhr“. Ihr Rezept für „Couscous-Scampi-Päckchen“ war einfach nur köstlich! 

CouscousScampiPäckchen

4. Welches der Rezepte, die du 2014 veröffentlicht hast, hast du selbst am häufigsten gekocht – und warum?

Mhm. Ich stelle gerade fest, dass ich dieses Jahr (überhaupt seit ich blogge) so viele neue Rezepte wie noch nie ausprobiert habe. Ich lese so viele Foodblogs, Kochzeitschriften und Kochbücher, habe immer neue Ideen und will so viel ausprobieren. Herr Löffelgenuss ist auch eine gute Inspirationsquelle. Er schwört auf Jamie Oliver und probiert gerne seine Rezepte aus. Das heißt, bei uns gibt es eigentlich selten zwei Mal das gleiche Gericht.

Aber es gibt zwei Gerichte im meinem Leben, die ich doch häufiger koche als andere: Penne Arrabiata und der Endivien-Eintopf meiner Oma sind zwei meiner Lieblingsrezepte. Nicht zu vergessen auch die Fußballnudeln, die allerdings bisher ausschließlich von Herrn Löffelgenuss gekocht wurden. 

Sugo_2 Endivien_Kollage2 Fußballnudeln

5. Welches Koch- oder Blog-Problem hat dich 2014 beschäftigt? Und hast du es gelöst?

Mhm. Sehr interessante Frage. Es gibt da in der Tat ein Problem oder einen Gedanken, der mich schon länger beschäftigt. Leider habe ich bisher noch keine Lösung dafür gefunden.

Vor knapp zwei Jahren habe ich mit dem Bloggen angefangen. Löffelgenuss sollte und soll mein persönliches Kochtagebuch sein. Ein Ort, an dem ich Rezepte abspeichere, die mich begeistern. Rezepte gesammelt hab ich schon viele Jahre zuvor und dann irgendwann angefangen, diese ganzen Rezepte nicht nur noch einmal zu kochen, sondern auch zu fotografieren und aufzuschreiben, welche Erinnerungen ich mit dem Gericht verbinde – damit habe ich schon einige Monate angefangen, bevor Löffelgenuss online ging.
Sobald mein Foodblog dann online war, tauchte ich (irgendwie automatisch und eigentlich ohne Absicht) in die Welt der Foodblogger ein und stellte fest, dass ich eine von Hunderten bin, die Rezepte online stellt. Ich guckte hier und staunte da und war schnell frustriert, wie viel schöner die anderen Foodblogs waren. Wie toll die Fotos, wie kreativ ihre Gerichte, professionell ihr Design und auch wie schön geschrieben ihre Texte. Je mehr ich in der Foodbloggerwelt unterwegs bin und je mehr ich mich mit dem ganzen Drumherum befasse, desto mehr entferne ich mich von meiner Ursprungsidee.
Ich habe eine Software, die zählt, wie viele Leute meine Seite besuchen, ich habe mich mit der ganzen Technik beschäftigt, die hinter dem Bloggen steht, mit Suchmaschinenoptimierung, mit Plugins, die irgendwas besser machen sollen und und und. Ich habe viel gelernt übers Bloggen und über Social Media, das hat auch Spaß gemacht. Aber ein bisschen ist es wie mit diesem immer höher, schneller, weiter. Ich weiß, was ich alles machen könnte, um mehr Leser und mehr Kommentare zu bekommen. Aber ich habe keine Lust und Zeit, Energie dahinein zu investieren. Gleichzeitig bin ich aber frustriert, dass mein Blog in der Foodbloggerwelt so vor sich hin dümpelt und die „rauschenden Feste“ nur bei den anderen stattfinden.
Dieser Widerspruch, das war mein Blogger-Problem 2014. Ich sehe gerade für das neue Jahr noch keine Lösung. Aber es hat ja auch gerade erst angefangen….

6. Was war deine größte kulinarische Neuentdeckung dieses Jahres – welches Lebensmittel, welches Rezept, welche Küchentechnik, welcher Geschmack hat dir eine völlig neue Welt eröffnet?

Ohhh, da gibt es gleich zwei Neuentdeckungen, die mich dieses Jahr überrascht haben: Pastrami und Pupusa. Beide habe ich während unserer Flitterwochen in New York zum ersten Mal gegessen. Ich denke oft, dass man mich kulinarisch nicht mehr überraschen kann, weil ich gerne und oft Neues ausprobiere. Aber diese beiden Gerichte haben es geschafft:

Über Pastrami habe ich viel gelesen und hätte nicht gedacht, dass ich so begeistert davon sein würde. Nachgekocht habe ich es leider noch nicht, aber ich habe auf meinen Beitrag hin ein tolles Rezept von Susan, einer Leserin aus den USA, erhalten und werde damit auf jeden Fall die Grillsaison 2015 eröffnen.

Katz Delicatessen Pastrami Sandwich

Pupusa, gefüllte Pfannkuchen aus Maismehl, sind eine Spezialität aus El Salvador. Ich habe sie zum ersten Mal in Red Hook, Brooklyn, gegessen und war ganz hin und weg. Ich hab mich für Bohnenmus und Käse als Füllung entschieden. Mein Versuch, sie nachzubacken, ging leider schief. Ich weiß aber warum und werde es auf jeden Fall noch mal probieren.

Pupusa

7. Was war der beste (oder lustigste) Suchbegriff, über den Besucher auf dein Blog gekommen sind?

Mhm, keine Ahnung. Ich weiß, dass man das in dem Statistiktool, das ich benutze, irgendwo nachgucken kann, aber ich weiß nicht wo und ist mir eigentlich auch gar nicht so wichtig…

8. Was wünschst du dir und deinem Blog für 2015?

Ich wünsche mir, dass ich das oben beschriebene „Problem“ 2015 lösen kann.

Und, welche Beiträge haben euch am besten gefallen? Welche Rezepte habt ihr nachgekocht? Ich bin neugierig. ;-)

Und wenn ihr neugierig seid, wie andere Foodblogger die Fragen beantworten, dann schaut mal bei Sabine vorbei, sie hat alle Foodblogger aufgelistet, die sich an der Aktion beteiligt haben. 

 

*Ein Zitat von meinem Opa. Hat er jedes Jahr Heilig Abend mit vor Rührung zitternder Stimme feierlich zum Besten gegeben.

“New York Street Food”
Lobster Roll

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Die letzte Station unserer Flitterwochen-Reise war Boothbay Harbor, Maine. Lobster Country! Entsprechend wollte ich dort (und nicht in New York) einen Lobster und ein Lobster Roll probieren.

Einen fangfrischen Lobster aßen wir direkt am ersten Abend in Boothbay Harbor, in einem kleinen urigen Laden direkt am Wasser. Das Essen an sich war echt ein Abenteuer: Wir bekamen Plastik-Lätzchen umgehängt und eine Zange in die Hand gedrückt, mit der wir die harte Schale erst mal knacken mussten, um an das Fleisch zu kommen. Das hatte schon Event-Charakter :-) vor allem, weil wir die Aufmerksamkeit eines älteren Pärchens auf uns zogen, die sehr routiniert das Fleisch aus dem Hummer pulten und uns erklärten, wie das funktioniert. So kamen wir nicht nur an das Hummerfleisch sondern hörten auch allerhand interessanter Geschichten aus ihrem Leben in Maine.

Lobster

Dazu muss ich mal festhalten, dass uns aufgefallen ist, dass die Amerikaner sehr interessiert an Gästen sind, die ihr Land bereisen. Wir sind noch nie so häufig in nette Gespräche verwickelt worden wie dort. Mich hat nach unserer Rückkehr die Reaktion einiger Leute geärgert, die meinen, dass das ja alles nur oberflächlich sei. So what!? Ich will mit der netten Hummer-Dame ja auch nicht die nächsten zehn Jahre meines Lebens verbringen. Es war einfach sehr interessant, sich gegenseitig einen Einblick in sein Leben zu geben. Passiert mir in Restaurants in Deutschland eher selten. Sorry, musste mal gesagt werden…

Meine zweite Hummer-Begegnung hatte ich in Camden, Maine. Dort wollte ich dann endlich ein Lobster Roll probieren.

Lobster Roll

Also ich weiß nicht… Hat irgendwie anders geschmeckt als das Lobster-Fleisch am Abend zuvor. Vor allem war es klein gehackt und mit Mayo gewürzt. Vom Lobster hat man da nicht viel geschmeckt. Vielleicht hätte es in Red Hook (wie in „New York Street Food“ empfohlen) besser geschmeckt? Nun ja, werde ich nicht mehr erfahren, aber mein Verlangen, noch mal ein Lobster Roll zu probieren, hält sich in Grenzen.

So, liebe Leute, dat woret jewesen – mein kulinarischer Einblick in unsere Flitterwochen-Reise. Mir hat es total viel Spaß gemacht, konnte ich so doch noch mal in Erinnerungen schwelgen. :-) Die Fernweh-Schmerzen kann man ganz gut mit den Rezepten lindern. Für uns steht aber schon jetzt fest, dass wir so schnell wie möglich noch mal New York wollen… Ich hoffe, euch hat meine kulinarische Reise gefallen! Ich würde mich sehr über ein Feedback von euch freuen!!

Als letzten Beitrag der Reihe gibt es, wie versprochen, das Interview mit dem Fotografen Luk Thys.

Jetzt feiert aber erst mal schön Silvester (wir ganz klassisch wie jedes Jahr mit Freunden, “Dinner for One” und Raclette). Ich wünsche euch allen ganz tolles neues Jahr!!

Liebe Grüße
Eure Julia

Mexikanischer Avocado-Salat

AvocadoSalat
Hier nun wie versprochen das Rezept für den Avocado-Salat der zu den Quesadilla mit Huhn und Käse einfach perfekt ist. Im Rezept von „New York Street Food“ steht nur lapidar „Dazu einen grünen Salat mit Avocadostückchen und eine Guacamole servieren“. Vielleicht sollte ich mal mit Tom, Jaqueline und Luk sprechen, dass sie mein Rezept in ihr Buch aufnehmen? ;-) Das Fotografieren müsste Luk dann natürlich übernehmen…

Guten Hunger!
Eure Julia

Zutaten
(für 2 Portionen)

1 reife Avocado, grob gewürfelt
½ rote Zwiebel, in feine Ringe geschnitten
½ rote Paprika, fein gewürfelt
1 rote, 1 gelbe und 1 grüne frische Chili, entkernt, entstielt und fein gewürfelt
1 Handvoll frisch gezupfte Korianderblätter
Saft einer Limette
Salz, Pfeffer

Einfach alle Zutaten vermengen und mit dem Limettensaft, Salz und Pfeffer abschmecken. Whooooa, Geschmacksexplosion!

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“New York Street Food”
Chicken Quesadillas

Die dritte Station unserer Flitterwochen-Reise führte uns nach North Conway, New Hampshire. Wir wollten dort nach den doch recht anstrengenden Tagen in New York City und Boston ein bisschen die Seele baumeln lassen und den Indian Summer genießen. Wir wurden nicht enttäuscht, seht selbst:

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Auch in den White Mountains haben wir es uns nicht nehmen lassen, die amerikanische Küche weiter zu inspizieren. Zu den Highlights gehörten auf jeden Fall frische Blueberry Pancakes und French Toasts mit Walnüssen. Jessica, die Besitzerin des Cabernet Inn, in dem wir gewohnt haben, hat das Frühstück jeden Morgen nach Wunsch zubereitet (hier gibt’s ihr Rezept für das French Toast mit Walnüssen!). Ein gelungener Start in den Tag!

Gleich zwei Mal waren wir Abends in der “Moat Mountain Brewing Comnpany”, einer kleinen Brauerei mit Küche direkt um die Ecke unseres Inns. Dort habe ich am ersten Abend Quesadillas mit Hühnchen und Käse bestellt, wie sie auch im “New York Street Food“ vorgestellt werden. Sehr lecker! Das Rezept aus dem Buch haben wir zu Hause direkt ausprobiert und waren begeistert. Dazu habe ich diesen Avocado-Salat serviert, den ich spontan aus Resten zusammengeschnibbelt habe. Der Salat zu diesem Gericht passt wie Faust auf Auge. Ich sach nur Geschmacksexplosion! Das Rezept für den Avocadosalat gibt’s im nächsten Beitrag. Hier erst mal das Rezept für die Quesadilla:

Lasst es euch schmecken!
Eure Julia

QuesadillasHuhn

Zutaten
(für 4 Portionen)

4 Tortillas (möglichst Weizen- und Maismehl gemischt)
2 Hähnchenbrustfilets (ca. 400g)
250g Hartkäse, fein gerieben (ich hab Parmesan und Cheddar gemischt)
1 Zwiebel, fein gewürfelt
1 Knoblauchzehe, fein gewürfelt
1 EL Paprikapulver
½ TL Kreuzkümmel, gemahlen (ich hab etwas mehr genommen)
½ TL Chilipulver
¼ TL Salz
Öl

Einen Topf Wasser aufsetzen und zum Kochen bringen. Die Hitze reduzieren, das Hähnchenfleisch ins köchelnde Wasser geben und so lange garen lassen, bis es durch ist.

Das Fleisch aus dem Topf nehmen, abkühlen lassen und in feine Streifen reißen.

Bei geringer Hitze etwas Öl in einer Pfanne erhitzen und darin die Zwiebeln und den Knoblauch glasig dünsten. Die Gewürze hinzugeben und verrühren.
Die Hitze reduzieren, das Fleisch hinzugeben und alles vermengen. Das gewürzte Fleisch aus der Pfanne nehmen und Beiseite stellen.
Die Pfanne säubern.

Bei mittlerer Hitze eine Tortilla in die Pfanne legen und zur Hälfte mit dem Fleisch befüllen (etwa 3 EL) und ordentlich Käse über das Fleisch streuen (etwa 2 EL). Die Tortilla zuklappen, den Deckel auf die Pfanne legen und etwa zwei Minuten backen. Dann wenden und auch von der anderen Seite noch mal etwa zwei Minuten backen. Der Käse soll innen zerlaufen sein und die Tortilla außen leicht knusprig.

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“New York Street Food”
Clam Chowder

Clam Chowder

Diese Suppe ist eigentlich ein Neuengland-Klassiker, aber klar, dass die New Yorker sich das Rezept mit dem Zusatz Manhattan auch zu Eigen machen. Tom Vandenberghe schreibt in „New York Street Food“, dass man schon in den 1880ern in Manhattan Clam Chowder gegessen habe – zubereitet allerdings mit Tomaten, also als rote Variante. Ich habe davon bisher noch nicht gehört, ich kenne nur die weiße Neuengland-Variante. Laut Wikipedia ist die ältere Variante die aus Neuengland (wobei hier nicht geschrieben wird, was älter bedeutet), die jüngere Variante ist aus dem 19. Jahrhundert und beinhaltet Tomatensaft. Zitat aus Wikipedia: „Puristen aus Neuengland lehnen Tomaten in dieser Suppe bis heute als unpassend ab.“ Genau. Ich als Boston-Fan sowieso!!

Entsprechend haben wir auch nicht die im Buch vorgeschlagene Manhattan Clam Chowder probiert, sondern haben uns lieber ans vermeintliche Original gehalten und eine Clam Chowder in Boston gegessen. Und zwar vom Quincy Market. Die Suppe haben wir dann bei herrlichem Sonnenschein “auf der Hand” an der Waterfront genossen.

 Boston Waterfront  Boston Old State HouseBoston Waterfront at sunset

Diese hübsche Stadt war die zweite Station unserer Rundreise. Ich habe mal einige Zeit in Boston gelebt und hege dieser Stadt gegenüber natürlich ganz besondere Gefühle. Es war schön, sie nach fast zehn Jahren wieder zu besuchen und festzustellen, dass sie immer noch zu einer der schönsten Städte zählt, die ich kenne. Ich könnte euch jetzt seitenweise erzählen, wie lebendig Cambridge ist, wie schön die Straßen in Beacon Hill oder wie faszinierend die Geschichte des Freedom Trails. Aber das würde den Rahmen hier sprengen (ist ja immer noch ein Foodblog und kein Reiseblog). Falls ihr jemals nach Boston fahrt und ein paar Tipps gebrauchen könnt, sprecht mich gerne an. Ich schwelge jetzt noch ein bisschen in Erinnerungen…

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein schönes Weihnachtsfest!
Eure Julia

Boston Acorn Street Boston CemetryBoston Squirrel

“New York Street Food”
Hot Dog

New York Streetfood

Sagte ich im vorherigen Beitrag, dass der Bagel für mich wie kein anderes Gericht zu New York gehört? Das gleiche könnte ich eigentlich auch über den Hot Dog sagen (…wobei der vielleicht eher nach Chicago gehört. Warum, könnt ihr hier nachlesen). In New York gibt es so viele Hot Dog-Stände wie es im Ruhrgebiet und Rheinland Büdchen gibt.

Passenderweise war der Hot Dog auch das erste Streetfood, das wir in New York gegessen haben – allerdings etwas ungeplant. Dazu eine kleine Geschichte:

An unserem ersten Tag in New York hat es in Strömen geregnet. Und wenn ich sage in Strömen, dann meine ich das auch. Das einzig vernünftige war, ein Museum zu besuchen und so landeten wir klatschnass im MoMa – so wie Hunderte anderer Menschen. Immerhin hatten unsere Klamotten in den vier Stunden, in denen wir uns der modernen Kunst widmeten, Zeit zu trocknen. Als wir nach draußen kamen, schien die Sonne und ich war erleichtert (ich hatte schon die Sorge, dass nach unserem Südtirol-Urlaub auch diese Reise ins Wasser fallen würde…).

Meine erste Mission: einen Waffle & Dingers Foodtruck fürs Mittagessen finden. Über die hatte ich im New York Street Food viel gelesen und wollte unbedingt die im Buch vorgeschlagene Waffel mit Chili sin Carne probieren. Da Foodtrucks jeden Tag woanders stehen, muss man sich vorher im Internet informieren, wo man wann einen findet. Irgendwie hatte ich mir nur sehr wage die Adresse aufgeschrieben und wir irrten etwas planlos die 5th Avenue entlang des Central Parks rauf und runter. Da ich die ganz Zeit über nach einem gelben Foodtruck Ausschau hielt, übersah ich fast den kleinen Imbissstand von Waffles & Dingers. Was wiederum nicht sooo schlimm war, denn er hatte keine Waffeln mit Chili sin carne.

Waffles and Bangers

Stattdessen entschieden wir uns für einen Hot Dog auf die Hand mit dem wir durch den Central Park schlendern wollten. Ich schätze, wir wurden da übers Ohr gehauen, denn wir haben 7 Dollar für den Hot Dog bezahlt. 7 Dollar! Pro Hot Dog! Blöd. Allerdings: Wir haben uns für eine Chili con Carne-Soße als Topping entschieden, die echt lecker war. Das hat etwas entschädigt. Und außerdem hatten wir ja einen schönen Ausblick. Den zahlt man bestimmt mit, redeten wir uns den Preis schön…

Centralpark1 

Im „New York Street Food“ gibt es leider kein Rezept für einen „Chili-Dog“ (so hieß das Teil), dafür aber ein Rezept für eine Zwiebel-Sauce – angeblich nach einem Rezept von Arthur Schwartz, einem New Yorker Gastrokritiker. Dass ein vermeintlicher Gourmet in seinem Rezept Fertigsoße benutzt, finde ich ja etwas komisch. Aber sie hat ganz gut geschmeckt, wenn auch nicht so gut wie die Chili-Soße, die ich versucht habe freischnauze nachzukochen. Wir haben beide Varianten zu Hause bei einem schönen USA-Foto-Abend mit der Familie ausprobiert. Entscheidet selbst, welche besser ist.

Eure Julia

Hotdog_Chilisoße Hotdog_Zwiebelsoße
Hot Dog-Chilisoße
(für 8 Hot Dogs)

8 Hot Dog-Brötchen
8 Bockwürstchen
500g Hackfleisch (gemischt)
400g Chili-Bohnen (Dose)
500g passierte Tomaten
1 EL Cumin
1 EL Paprikapulver
1 TL – 1 EL Chili-Pulver (je nachdem wie scharf euer Chili-Dog werden soll)
Salz

Das Fleisch in einer beschichteten Pfanne kross anbraten (es soll ruhig richtig braun werden, so dass es ein bisschen Röstaroma bekommt).

Die Chili-Bohnen und die passierten Tomaten sowie die Gewürze hinzugeben, gut vermengen und mindestens 3 Stunden auf kleiner Flamme köcheln lassen bis alles schön eingekocht und das Fleisch schön weich geworden ist.


Hot Dog-Zwiebelsoße
(für 8 Hot Dogs)

8 Hot Dog-Brötchen
8 Bockwürstchen
3 große (milde, süße) Zwiebeln, geschält und in Ringe geschnitten
500g passierte Tomaten
200ml Chilisoße, Fertigprodukt*
1 TL Paprikapulver
½ TL Oregano
½ TL Tabasco (geht auch ohne)
Olivenöl
Salz

* Steht so, ohne nähere Angabe, im Buch. Wir haben die von Alnatura genommen.

Die Zwiebeln in dem Öl bei geringer Hitze schmoren lassen, nicht braten und nicht anbrennen lassen (dauert etwa 15 Minuten).

Die restlichen Zutaten hinzugeben und die Sauce etwa 30 Minuten köcheln lassen.

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“New York Street Food”
Bagels

BagelsBagels gehören für mich wie kaum ein anderes Gericht zu New York. Ich esse morgens ja gerne herzhaft, daher hab ich mir zum Frühstück häufiger einen Bagel gegönnt und wirklich viele Varianten durchprobiert. In dem Buch New York Street Food gibt es tatsächlich ein Bagel-Rezept – also nicht wie in den meisten Büchern eine Anregung, wie man sie belegt, sondern wie man sie zubereitet. Das besondere an ihnen ist nämlich, dass man sie, bevor sie gebacken werden, kocht. Wusstet ihr das?

Wir haben den „besten“ Bagel aber nicht in der vorgeschlagenen Top-Bagel-Adresse „Russ & Daughters“ gegessen. Unseren Favoriten gab‘s direkt bei uns um die Ecke in der Upper Westside auf dem Broadway: Lenny’s Bagel. Der Kaffee ist furchtbar und man sitzt dort auch nicht sonderlich nett (die meisten Gäste nehmen die Bagels mit nach Hause, die Schlange war immer lang), aber die Bedienung war total freundlich und man konnte sich den Bagel nach Herzenslust belegen lassen. Und mit Belag ist nicht so eine mickrige Scheibe gemeint, wie auf dem Bagel im Kölner Hauptbahnhof. Ich hab mir mal die Mühe gemacht und die Schichten gezählt: 6 Scheiben Putenbrust, 3 Streifen Bacon. Von nix kommt nix, pflegt meine Mutter immer zu sagen… So ein Bagel hat dafür aber den ganzen Tag gereicht :-) Musste er auch, wir waren schließlich von morgens bis abends unterwegs…
Hier ein paar Impression vom Times Square:  

New York Times Square Naked Cowboy
(Der Typ isst vermutlich nicht so viele Bagels… ;-) )

New York Times Square Broadway Bites New York Times Square   New York Times Chrysler Building

Herr Löffelgenuss hat sich mal an dem Bagel-Rezept aus dem Buch versucht. Und tadaaaa! Es ist gelungen!

Viel Spaß beim Nachbacken!
Eure Julia

Bagel

Zutaten
(für 8 Bagels)

500g Weizenmehl (Typ 550)
300ml warmes Wasser
2 TL Trockenhefe
1,5 EL Zucker
1,5 TL Salz
Öl

Die Hefe zusammen mit dem Zucker in 100ml Wasser geben und etwa 5 Minuten quellen lassen (nicht umrühren). Nach den 5 Minuten solange rühren bis sich die Hefe und der Zucker aufgelöst haben.

Das Mehl in eine große Schüssel füllen, in die Mitte eine Vertiefung drücken und die Hefe-Zucker-Wasser-Mischung hinein schütten. Die Hälfte des restlichen Wassers ebenfalls hinzugeben. Alles gut vermischen und dann das Salz hinzu geben.

Nun so viel Wasser hinzugeben bis ein fester, feuchter Teig entsteht (variiert laut Rezept je nach Wetter und Klima, aber in etwa sollen es 300ml sein) und den Teig dann gut durchkneten bis er glatt und schön elastisch ist (Herr Löffelgenuss hat dafür ein Handrührgerät mit Knethaken genutzt).

Eine Schüssel mit Öl ausstreichen, den Teig hineinlegen und wenden, so dass er rundherum mit Öl befeuchtet ist. Die Schüssel mit einem feuchten Küchentuch abdecken und den Teig bei Zimmertemperatur eine gute Stunde gehen lassen (er wächst dann auf die doppelte Größe an). Dann den Teig flach drücken und noch mal 10 Minuten gehen lassen.

Den Teig nun in 8 gleichgroße (!) Portionen teilen (Herr Löffelgenuss hat dafür mit einer Küchenwaage gearbeitet) und zu Kugeln rollen. Einen Finger in etwas Mehl tauchen und damit in den Teigballen drücken bis ein Ring entsteht. Das Loch so vergrößern, dass es etwa ein Drittel des Bagel-Durchmessers hat.

Die Bagels nun auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen, mit einem feuchten Küchentuch bedecken und 10 Minuten ruhen lassen.

Den Backofen auf 220 Grad vorheizen.

Einen großen Topf mit leicht gesalzenem Wasser zum Kochen bringen. Die Bagels sollten alle genügend Platz haben, dass sie „schwimmen“ können, daher entweder mehrere Töpfe gleichzeitig nutzen oder die Bagels nacheinander kochen.

Die Bagels in das kochende Wasser geben und etwa zwei Minuten (nicht mehr und nicht viel weniger, steht im Rezept) von jeder Seite kochen lassen (also den Bagel einmal umdrehen). Herausnehmen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.

Anschließend die Bagels etwa 20 Minuten im Ofen backen bis sie eine hellgoldene Farbe bekommen. Abkühlen lassen.

Vorm Servieren die Bagels der Länge nach aufschneiden und toasten und nach Belieben belegen.

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