Kapmalaiischer Kochkurs bei „Lekka Kombuis“

Samosas und Chili Bites

(for English version see below)

Im vorherigen Beitrag habe ich euch ja über unsere Elternzeit in Südafrika berichtet. Ein sehr persönlicher Beitrag, in dem es ausnahmsweise mal nicht ums Essen ging. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht die Chance genutzt hätte, während unsers Aufenthalts die südafrikanische Küche kennenzulernen 😉 . Genauer gesagt die kapmalaiische Küche.

Nach einer kleinen Recherche habe ich mich für einen Kochkurs bei „Lekka Kombuis“ entschieden. Gamidah bietet in ihrem Haus in Bo-Kaap (einem wundervollen Viertel in Kapstadt) einen Koch-Workshop an, in dem sie einen Einblick in die kapmalaiische Küche gibt. Es ist ein privater Kochkurs, man vereinbart einfach per Email einen Termin mit ihr und kocht dann gemeinsam mit ihr in ihrer Küche, ohne weitere Teilnehmer. Die Rezepte, die man nachkocht, sind Familienrezepte und typisch für die kapmalaiische Küche.

Kochkurs in Kapstadt

Ich muss zugeben, dass ich etwas nervös war. Wir waren vor ein paar Tagen gerade mal in Südafrika gelandet und schon ging es erste Mal nach Kapstadt. In eine fremde Wohnung. Um zu kochen. Mit Theo! Unsere Hoffnung war, dass Theo das verschläft. Im Zweifel wollte mein Mann eine Runde mit ihm um den Block drehen.
Aber manchmal kommt ja alles anders: Als Gamidahs Tochter von der Schule nach Hause kam und Theo sah, nahm sie ihn direkt in Beschlag. Theos erster Babysitter. 12 Jahre alt, englischsprachig. Win-win würde ich sagen. Theo hatte offensichtlich Spaß, der Babysitter auch und wir konnten uns ganz den Rezepten und Geschichten dazu widmen.

Kochkurs bei Lekka Kombuis

Folgende Rezepte hatte Gamidah für uns rausgesucht: Roti (ein dünnes, ungesäuertes Fladenbrot), ein Hähnchen-Curry, Chili Bites (frittierte Bällchen aus Kichererbsenmehl) und Samosas (gefüllte Teigtaschen). Mein erster Eindruck: erinnert mich an die indische Küche. Da lag ich gar nicht so falsch. Gamidah erzählte, dass die ersten Sklaven, die die holländischen Kolonialherren ans Kap brachten, aus Indien, Indonesien, Malaysia und anderen südostasiatischen Ländern kamen. Natürlich brachten sie auch ihre Rezepte mit. Das war in den 1650er Jahren, also ziemlich lange her. Im Laufe der Jahre haben sich die Rezepte gewandelt: Zutaten sind hinzugekommen oder wurden weggelassen, andere Methoden der Zubereitung wurden ausprobiert etc. Geprägt ist die Küche vor allem von muslimischen Einflüssen.
Meine Neugier war geweckt: Ich wollte mehr über die kapmalaiische Küche wissen und kaufte mir im Anschluss an den Kochkurs in einem Laden um die Ecke kurzerhand ein Kochbuch („Bo-Kaap Kitchen“) und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Hörte sich nach einer wahnsinnig leckeren Küche an, die viele unterschiedliche Einflüsse in sich vereint (dazu später mehr).

Unsere selbstgemachten Samosas waren (natürlich 😉 ) die leckersten, die wir in Südafrika probiert haben (und wir haben gefühlt ständig Samosas gegessen…). Die Chili Bites fand ich auch richtig toll. Das Hähnchen-Curry schmeckte nicht sehr anders als die Currys, die ich bisher schon gegessen habe, aber lecker war es dennoch. Gegessen haben wir mit den Händen bzw. mit dem Roti: Das Brot tunkt man ins Curry und „greift“ damit auch die Hähnchenteile und die Kartoffeln.

Der Kochkurs dauerte rund zwei Stunden, im Anschluss hatten wir noch eine Führung mit Gamidah durch Bo-Kaap gebucht. Absolut empfehlenswert! Es zogen so viele große Touristengruppen an uns vorbei… Ich habe es sehr genossen, in so einer kleinen Gruppe einen guten, sehr persönlichen Eindruck von der kapmalaiischen Küche und von Bo-Kaap zu bekommen.

Bo-Kaap in Kapstadt, Südafrika

Das Highlight der Führung war übrigens der Besuch bei Atlas Trading, DEM Gewürzhändler für die kapmalaiische Küche. Gamidah erklärte uns, woher all die Gewürze kamen und für welche Gerichte man sie benutzt. Netterweise bot Gamidah ein selbstgemischtes Masala an, das sie für ihre Gerichte verwendet. Super Idee, so musste ich nicht von jedem Gewürz große Mengen kaufen, um die Rezepte zu Hause nachzukochen.

Der Zufall wollte, dass ich noch ein weiteres Mal der kapmalaiischen Küche begegne, und zwar an unserem letzten Tag in Südafrika. Aber davon ein andermal mehr, zusammen mit einem Rezept für eines der bekanntesten kapmalaiischen Rezepte (einem Boobotie) und mehr Informationen über diese faszinierende Küche.

Liebe Grüße
Julia


In the previous article I wrote about the family time we spent with our baby in South Africa. A very personal article, which was not about recipes and food I usually write about. But since I’m a foodie and being in South Africa of course I needed to get to know the South African cuisine ;-). So I browsed the internet a little and quickly stumbled upon the cooking class at “Lekka Kombuis“.

In her house in Bo-Kaap Gamidah offers cooking classes in which she gives an insight into the Cape Malay cuisine. It is a private cooking class: you send her an email asking for a date and then you meet her in her kitchen and cook 🙂 The recipes she chooses are family recipes and typically Cape Malay.

Gamidah chose the following recipes for us: roti (a flat unleavened bread), chicken curry, chili bites (similar to falafel) and samosas (stuffed pastry). My first idea was that the food reminded me of the Indian cuisine (which I like very much). I wasn’t too wrong: Gamidah told us that the first slaves who were brought to the Cape by the Dutch Colonialists came from South Asia (India, Indonesia, Malaysia etc.). And they took their recipes with them. In the following years the recipes changed: new ingredients were used or traditional ingredients disappeared, new cooking techniques were tried out etc. Through all those changes
their cuisine was always dominated by the Islam.

Quickly my curiosity about the Cape Malay cuisine grew and I wanted to know more about it. So after the workshop I bought a book about Bo-Kaap Kitchen and couldn’t stop reading. It seems a very creative delicious cuisine with many interesting influences…

Our self-made samosas were the most delicious we had during our whole holiday in South Africa (of course 😉 and I liked the chili bites as well. The chicken curry was also good but I had cooked something similar before. We ate with our fingers using the roti to “grab“ the chicken and the potatoes of the chicken curry.

The cooking class lasted two hours. Afterwards we had also booked a guided tour through Bo-Kaap with Gamidah, which I absolutely recommend! There were so many large groups of tourists… I enjoyed it very much to get such a personal insight into the Cape Malay cuisine and Bo-Kaap history.
For me the highlight of the tour was the visit at Atlas Trading. THE spice trader for Cape Malay cooking. Gamidah explained all the spices, where they came from and what they are used for. It was a good idea of hers to blend her own masala and sell it to her cooking class students. So I didn’t have to buy the large packets of spices and will be able to cook her recipes back home nevertheless.

Elternzeit in Südafrika

Notiz vorab:
Ja, das hier ist ein Foodblog. Eigentlich stelle ich euch hier regelmäßig meine Lieblingsrezepte mit kleinen Geschichten dazu vor. Aber heute möchte ich eine Geschichte erzählen, die nichts mit Essen zu tun hat. Eine etwas längere, persönliche Geschichte. Über unsere Elternzeit in Südafrika. Vor allem für alle, die sich fragen, ob das auch was für sie wäre, aber auch für diejenigen, die einfach nur neugierig sind 😉


Elternzeit in Südafrika

„Da ist ja gar keine Stecknadel in Afrika!“, meinte unsere Hebamme bei ihrem ersten Haus-Besuch. Wir standen gemeinsam vor der großen Weltkarte in unserem Flur und waren etwas wehmütig, dass größere Reisen in Zukunft erst mal nicht möglich sein würden. „Das ist doch das ideale Reiseziel für die Elternzeit!“, unterbrach Marina unsere Gedanken.

Elternzeit in Südafrika?? Das hatte ich wahrlich überhaupt nicht im Kopf. Erschien mir im ersten Moment auch absurd. Mein Kopf war voller Fragen: Wie wird die Schwangerschaft verlaufen, wird alles gut gehen, wie würde sich das neue Leben als Familie anfühlen, schaffe ich das alles überhaupt…? Seit Marina so selbstverständlich davon sprach, kamen also noch weitere Fragen dazu: Wäre das was für uns, Elternzeit in Südafrika? Kann man das mit einem acht Monate alten Baby überhaupt machen? Ist das nicht zu weit, zu heiß, zu stressig, zu gefährlich? Wir recherchierten ein bisschen und waren uns schnell einig: Elternzeit in Südafrika, das wär was für uns. Konkret organisieren würden wir aber erst nach der Geburt.

Elternzeit in Südafrika

Um es direkt vorweg zu nehmen: Wir haben vier wundervolle Wochen in Südafrika erlebt! Die Kap-Halbinsel und Kapstadt sind landschaftlich und kulturell traumhaft, das Reisen mit Baby ist total anders, aber unkomplizierter als gedacht (Theo scheint aber auch unsere „Reise-Gene“ geerbt zu haben…), die Zeit, die wir als Familie dort verbracht haben, war sehr wertvoll und nicht zuletzt hat mich die Reise aus meiner „Mama-Blase* befreit“. Und so exotisch scheint Südafrika als Reisezielt für die Elternzeit auch nicht zu sein. Wir haben einige frisch gebackene Eltern getroffen…

Anders als bei unseren bisherigen Reisen hatten wir beschlossen, vier Wochen nur an einem Ort zu verbringen (wir lieben eigentlich Roadtrips). Und zwar nicht in Kapstadt selber, sondern auf der Kap-Halbinsel in Kommetjie, einem kleinen Ort am Atlantik. Die Big Five, die Garden Route und die Karoo waren damit leider raus. Wir wollten uns entspannen und die Unterkunft häufiger zu wechseln, erschien uns zu anstrengend und wäre für Theo vermutlich auch eine zu große Herausforderung.Long Beach Kommetjie

 Wir entschieden uns für ein kleines Cottage in Strandnähe. Wie schon häufiger buchten wir über Airbnb. Auch dieses mal wieder eine gute Entscheidung: Valma und Stu waren tolle Gastgeber, die uns nicht nur mit guten Tipps versorgten, sondern mit denen wir auch ein paar schöne Abende verbrachten (Babyphone sei dank! 😉 ). Das ist das Schöne, wenn man nicht im Hotel oder in einer Ferienwohnung wohnt: man „erlebt“ den Ferienort viel intensiver.

Das Beste aber war, dass wir in fünf Geh-Minuten am Strand waren. Theo haben wir morgens nach dem Aufwachen (meist zwischen 6 und 7 Uhr) ins Tragesystem gesteckt und jeden Morgen einen Spaziergang an einem der schönsten Strände gemacht, die ich je gesehen habe. (Wir haben uns mit dem „Frühdienst“ abgewechselt: jeden zweiten Tag konnten einer von uns also ausschlafen. Es lebe die Elternzeit! 😉 )

Kap der Guten HoffnungWir haben eine schöne Mischung aus Nichtstun und Ausflügen hinbekommen: Wir erkundeten das Kap der guten Hoffnung zu Fuß (mit Theo im Tragesystem, puh!), beobachteten Pinguine in Simon’s Town, machten eine kulinarische Städtetour durch Stellenbosch (total empfehlenswert!), besuchten einige Weingüter, bildeten uns mit einer Führung durch District Six weiter und machten sogar einen Kochkurs in Kap-Malaiischer Küche.

Bo Kaap

Apropos Küche: In Südafrika haben wir SEHR gut gegessen. Wir haben uns zwei Mal ein Essen auf hohem Niveau gegönnt (in der Food Barn in Noordhoek und in der La Petite Ferme in Franschhoek) und sowohl die moderne südafrikanische Küche kennengelernt (frisch, kreativ und innovativ) als auch die Kap-Malaiische Küche. Ihr dürft euch auf jeden Fall auf ein paar Rezepte freuen!

Elternzeit in Südafrika_Speisen

Anders als sonst hatte ich mich mit der Region vorher nicht so richtig auseinandergesetzt und wusste nicht viel über Land und Leute. Schade, eigentlich macht genau das viel der Vorfreude aus. Aber die (wenige) Zeit, (die man als frischgebackene Mutter so hat) habe ich in die Recherche rund ums Reisen mit Baby investiert (Tipps siehe unten). Natürlich hatte ich trotzdem ein paar Ideen, was ich gerne machen und sehen wollte. Allerdings haben wir schnell festgestellt, dass man mit Baby doch um einiges „langsamer“ reist und wir uns von einigen Ausflugsideen verabschieden mussten.

Vinelands Südafrika

So. Das war ein kleiner Einblick in unser Abenteuer Südafrika. Für diejenigen, die ebenfalls mit der Idee liebäugeln, ihre Elternzeit in Südafrika zu verbringen, erzähle ich im Folgenden noch mal ein bisschen was zu den wichtigsten Fragen, die ich so hatte. Wenn ihr weitere Fragen habt, könnt ihr euch gerne melden (entweder hier als Kommentar – so haben auch andere Leserinnen etwas davon – oder per Email).

Zum Appeitanregen hier noch ein paar Impressionen:

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Viele Grüße
Eure Julia


Warum Südafrika?

Da wir im Februar verreisen und gerne dem usseligen Wetter in Köln entfliehen wollten, war Südafrika ideal: Sonne satt und Temperaturen um die 25 Grad. Südafrika ist malariafrei, es gibt keine Zeitverschiebung (lediglich eine Stunde). Auf der Kaphalbinsel hat man Strand und Meer, Gebirge mit Weinbergen, eine wahnsinnig interessante Großstadt und viele nette kleine Ortschaften. Die Menschen, die wir getroffen haben, waren unheimlich nett und kinderfreundlich. Die Infrastruktur ist super, es gibt dort alles, was man selbst und für ein Baby braucht. Das Essen ist spitze und das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut. Nicht zuletzt spricht man dort Englisch, was das Reisen noch mal einfacher macht. Und als wären das nicht schon Gründe genug: Ich freute mich darauf, eine alte Freundin nach sehr langer Zeit wiederzusehen (@Caro: Vielen Dank für die tolle Zeit mit euch!!).

Welche Impfungen sind nötig und was soll in die Reiseapotheke?

Die von unserem Kinderarzt (bzw. der Impfkommission) empfohlenen Impfungen waren für unseren Aufenthalt ausreichend. Überhaupt: Aus der Sicht unseres Kinderarztes sprach nichts dagegen, mit einem acht Monate alten Baby nach Südafrika zu reisen.
In unserer Reiseapotheke hatten wir ein Fieberthermometer, Fieberzäpfchen, Nasentropfen, Sonnencreme, eine Salbe gegen Mückenstiche/Verbrennungen und Globuli fürs Zahnen. Alles Weitere hätten wir im Notfall vor Ort kaufen können.
Die Adresse eines Kinderarztes und Notfallnummern hatte ich im Handy eingespeichert.

Fliegen mit Baby: Horror?

Die Anreise verlief alles andere als glatt: Da der Flieger von Köln nach München Verspätung hatte, haben wir den Flug nach Kapstadt verpasst. Da standen wir also spät abends mit Baby, ohne Kinderwagen und ohne Gepäck am Flughafen in München. Komischerweise war das gar nicht so schlimm, wie es sich zunächst anhört. Dank gutem Service der Lufthansa: Übernachtung im Hotel in Freising inklusive Babybett, Anreise und Abreise mit dem Taxi inklusive Babysitz, drei Mahlzeiten für uns und drei Gläschen für Theo, Kulturtasche mit Notfall-Ausrüstung für uns, Windeln für Theo.

Der Flug von München dauert rund 11 Stunden. Einen Nachtflug zu buchen, hat sich als gute Entscheidung erwiesen. Wir haben für Theo ein Babybasinett gebucht, in dem er schlafen sollte. Das hat er tatsächlich auch gemacht. Und zwar den ganzen Flug über (abgesehen von seinen üblichen nächtlichen Still-Mahlzeiten). Start und Landung waren überhaupt kein Problem.
Der Rückflug über Tag war da schon anstrengender. Im Flieger war es viel zu spannend, schlafen wollte Theo da in seinem Bettchen nicht. Stattdessen schlief er auf mir (aaaahhhhh! Rücken!!), krabbelte unter unseren Sitzen rum und ließ sich von einer netten Stewardess durchs Flugzeug tragen.

Unser Fazit: Fliegen mit Baby ist anstrengender als zu zweit, aber bei weitem nicht so eine Strapaze wie man es in einigen Internet-Beiträgen liest (vielleicht hatten wir auch einfach nur Glück…).

Kinderwagen und Autositz mitnehmen oder vor Ort leihen?

Wir haben unseren Autositz und auch den großen Kinderwagen mitgenommen (wir haben den Hartan VIP XL, der ist mit Sportsitz wirklich riiiesig).

Sicher wäre ein Buggy einfacher zu transportieren und auch vor Ort einfacher zu handhaben gewesen. Aber da Theo noch nicht sitzen konnte und im Kinderwagen immer gerne geschlafen hat, haben wir uns entschieden, den großen Kinderwagen mitzunehmen. Es war eine gute Entscheidung: Theo hat jeden Mittagsschlaf darin verbracht und die gute Federung hat ihn sicher über die ein oder andere mitgenommene Straße gebracht.

Ein sicherer Kindersitz fürs Auto war uns sehr wichtig. Da wir nicht wussten, was für einen Sitz wir bekommen, entschieden wir uns, unseren eigenen mitzunehmen, auch wenn das etwas umständlich erscheint. Da für Babys dieselben Gepäckbestimmungen gelten wie für Erwachsene, kann man glücklicherweise auch für die Winzlinge einen riesigen Koffer bzw. eine Tasche aufgeben. Für den Autositz haben wir eine große Reisetasche gekauft und ihn darin möglichst sicher verstaut.

* Ein paar Worte zur „Mama-Blase“: Ich weiß ja nicht, wie es euch in den Monaten nach der Geburt eures ersten Kindes ging. Aber ich war von dem neuen Leben ziemlich geflasht. Klar, alle hatten mir vorher prophezeit, dass sich das Leben von Grund auf ändern würde. Aber wow, wie sich das in der Praxis dann anfühlt, ist noch mal ne andere Nummer. Ich kreiste die ersten Monate nur noch um mich und mein Baby. Erdbeben in Italien? Präsidentschaftswahl in den USA? Terroranschlag in Nizza? Hab ich alles nur am Rande mitbekommen. Stattdessen recherchierte ich tagelang im Internet, was man machen könnte, damit das Baby nachts endlich mal länger als 2 Stunden am Stück schläft (natürlich erfolglos), bestellte allen möglichen sinnlosen Kram im Internet (ein Ausflug in die Kölner Innenstand erschien mir viel zu anstrengend) oder tauschte mich endlos lange mit anderen Müttern über die immer gleichen Fragen aus. Ich hatte mich ins Muttersein verrannt. Die Reise nach Südafrika hat da einiges wieder gerade gerückt und mich in das Leben außerhalb der „Mama-Blase“ zurückgebracht. Klar bin ich immer noch Mutter und manchmal unsicher, aber im Großen und Ganzen bin ich entspannter – und wieder ein wenig mehr Ich 😉

Zitronen-Butter

Zitronen-Butter

Nach 38 Jahren habe ich letztes Jahr zum ersten Mal Heilig Abend anders gefeiert als all die Jahre zuvor. Zum ersten Mal nicht bei meinen Eltern und nicht mit meinen Schwestern. Aber aus dem „schönsten Grund der Welt“ wollten wir gerne zu Hause feiern und haben dazu meine Eltern und meine Schwiegereltern eingeladen.

Bei meinen Schwiegereltern gibt es Heilig Abend traditionell Fondue. Mhm… Soweit ich mich entsinnen kann, habe ich noch nie Fondue gegessen. Und der Gedanke, Fleisch in Fett zu brutzeln, erschien mir auch nicht sonderlich attraktiv. Überzeugen ließ ich mich schließlich, weil es dazu ja auch viele leckere Kleinigkeiten zu essen gibt (so hat Herr Löffelgenuss mich schließlich überzeugt).

Neben Stillen, Windelwechseln, Spazieren gehen, Wohnung putzen, Einkaufen, Tannenbaum schmücken und Geschenke einpacken, würde keine Zeit bleiben, diese Köstlichkeiten selber zu machen und wir entschieden uns, diese beim Feinkosthändler zu kaufen.

Aber ein Weihnachtfest so ganz ohne selbstgemachtes Essen konnte ich mir nicht vorstellen. Daher hatte ich beschlossen, zumindest die Kräuterbutter zum Fleisch selber zu machen. Die sollte natürlich auch Besonders sein und so ist diese Zitronen-Butter entstanden, die ich zusammen mit einer Tomatenbutter serviert habe (Rezept folgt im nächsten Beitrag). War super zum Fleisch!

Eure Julia

p.s. Das Fondue hat mich übrigens nicht überzeugt. Ich mag Fleisch gegrillt oder gebraten, aber in Fondue-Fett wird es ja eher gekocht. Das war nicht so mein Fall. Einerseits zu fettig, andererseits war das Fleisch innen zu trocken…

Rezept für Zitronen-Butter

250g Butter (Zimmertemperatur)
1 unbehandelte Zitrone
1 kleine Knoblauchzehe (durch eine Knoblauchpresse gedrückt)
Salz, Pfeffer

Die Zitrone unter heißem Wasser gut abwaschen und abtrocknen.

Mit einer feinen Reibe die Zitronenschale abreiben (dabei möglichst wenig von dem Weiß der Zitrone abreiben, das schmeckt etwas bitter). Die Zitrone anschließend auspressen.

Den Zitronensaft mit dem Zitronenabrieb und dem Knoblauch vermengen und mit Salz und Pfeffer würzen.

Die Mischung mit einer Gabel in die Butter schlagen. Das mag anfangs kaum möglich scheinen, da sich die Flüssigkeit mit der Butter nur schwer verbinden lässt, aber wenn die Butter wirklich weich ist und man etwas Geduld mitbringt, klappt es.

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Antipasti: Eingelegte Champignons

Antipasti: eingelegte Champions

Hier kommt nun das letzte Rezept meiner „Antipasti-Reihe“. Wieder ein Klassiker: eingelegte Champignons.

Weniger klassisch ist meine Zubereitung. Auch hier habe ich schon unzählige Varianten ausprobiert und die Champignons auf verschiedene Arten mariniert. Da ich mich gar nicht entscheiden kann, welche Variante ich am liebsten mag, stelle ich euch gleich alle drei vor. Je nachdem, mit welchen Antipasti man die Champignons kombiniert, kann man sich für die etwas fruchtigere, schlichte oder für die etwas würzigere Idee entscheiden. Oder für die Fastfood-Variante mit Maggi und Sahne (oh je, ich sehe jetzt schon einige LeserInnen große Augen machen und Foodblogger-KollegInnen den Kopf schütteln: Maggi???? Ja, Maggi. Nutze ich sonst eigentlich nur für Eier. Aber irgendwie passt das hier ganz gut….).

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinen Antipasti-Ideen zu einem schönen italienischen Abend inspirieren!? Auch wenn ein Picknick auf dem heimischen Sofa oder Wohnzimmerboden nicht zu vergleichen ist mit einer lauen Sommernacht in italienischen Gässchen: Ich liebe solche Abende und mir gelingt es tatsächlich häufig, mich mit leckerem Essen in eine ganz bestimmte Stimmung zu versetzten oder gedanklich in ein anderes Land zu reisen. Vielleicht klappt es bei euch ja auch.

Ich wünsche euch einen schönen italienischen Abend!
Eure Julia

Rezept für eingelegte Champignons
(für eine Antipasti-Portion)

10-15 kleine Champignons (egal ob weiß oder braun)
1 kleine Knoblauchzehe
5 Stängel glatte Petersilie
2 EL Olivenöl
2 EL Balsamico
Salz, Pfeffer
½ TL Oregano
(Alternativen: 3EL Rotwein, 5 Rosmarin-Nadeln, 1 Blatt Salbei, 1 kleine Zwiebel oder 3 EL Süße Sahne, Maggi)

Die Champignons putzen und eventuell den Stil etwas runterschneiden. Man kann die Champignons ganz lassen, halbieren oder in dünne Scheiben schneiden – schmeckt alles gut, ist Geschmackssache.

Die Petersilie waschen und die Blätter sehr fein hacken.

Die Knoblauchzehe durch eine Knoblauchpresse drücken.

Kräuter, Knoblauch, Olivenöl und Balsamico verrühren und nach Belieben mit Salz, Pfeffer und Oregano abschmecken.

Die halbierten oder ganzen Champignons sollten etwas länger ziehen, die in Scheiben geschnittenen Champignons können in der Marinade schon direkt serviert werden.

Alternativ, wenn’s vom Geschmack her etwas kräftiger sein soll: einige Nadeln Rosmarin, die Salbeiblätter und eine kleine Zwiebel sehr fein hacken und zusammen mit der Marinade von oben und dem Rotwein in einen kleinen Topf geben und kurz aufkochen lassen. Vom Herd nehmen und die Champignons als Ganze Köpfe hineingeben und einige Stunden marinieren lassen.

Und noch eine Alternative: In die Marinade von oben (die ohne Rotwein) 3 EL Süße Sahne rühren und einige Spritzer Maggi geben. Die Champignons dann als ganz Köpfe einige Stunden marinieren.

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Antipasti: Gebackene Paprika

Antipasti: Paprika

Nach den marinierten Auberginen im letzten Beitrag folgt mit meinem Rezept für gebackene Paprika ein weiterer Antipasti-Klassiker.

Das Rezept habe ich, etwas abgewandelt, von meiner Mutter. Die Paprika durften früher auf keinem Buffet fehlen und waren immer als eine der ersten Häppchen weg (nach Datteln im Speckmantel).

Die Paprika schmecken köstlich, wenn sie länger marinieren. Also am besten einen Tag vorher zubereiten! Unerlässlich ist es, finde ich zumindest, die Paprika zu häuten. Ja, das ist etwas mehr Arbeit und fisselig, aber es lohnt sich. Sie schmecken so viel weicher, cremiger. Außerdem zieht die Marinade besser ein.

Die Besonderheit an diesem Rezept ist, dass ich zusätzlich zum Olivenöl noch Butter verwende. Das gibt einen schönen cremigen Geschmack. Als kleinen Gegensatz dazu kitzeln ein paar Spritzer Zitrone die Zunge. Eine leckere Geschmacksexplosion.

Viel Spaß beim Zubereiten!
Eure Julia

Rezept für gebackene Paprika
(für eine Antipasti-Portion)

3 rote oder gelbe Paprika
5 Blätter glatte Petersilie
1 Knoblauchzehe
1 EL Olivenöl
ca. 1 TL Butter
1 TL Zucker
einige Spritzer Zitrone
Salz, Pfeffer

Die Paprika waschen, halbieren und entkernen.

Mit der Schnittseite nach unten im Backofen bei großer Hitze (180-200 Grad) so lange backen oder grillen bis die Haut schwarz wird und Blasen wirft.

Damit man die Haut einfacher lösen kann, ist es gut, wenn man, nachdem man das Blech aus dem Ofen genommen hat, ein nasses Küchenhandtuch über das Blech legt und einige Minuten wartet.

Dann die Haut vorsichtig abziehen, die Paprikahälften halbieren oder dritteln, auf einen Teller legen, hauchdünn mit Butter bestreichen (die Paprika sollte noch etwas warm sein, damit die Butter etwas zerläuft) und beiseite stellen.

Für die Marinade die (gewaschenen) Petersilienblätter sehr fein hacken, die (geschälte) Knoblauchzehe durch eine Knoblauchpresse drücken und beides mit etwas Olivenöl (je nach Menge der Paprika) verrühren. Nach Geschmack mit einigen Spritzern Zitrone, Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Paprika nun mit dieser Marinade beträufeln und einige Stunden marinieren lassen.

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